Speisepilz: Kuhmaul, Gomphidius glutinosus

Gomphidius glutinosus
Gomphidius glutinosus
Großer Schmierling oder auch Kuhmaul (Gomphidius glutinosus) ist ein guter Speisepilz. Das mild-schmeckende weiße Fleisch (Stielbasis gelb) ist weich und verfärbt sich nicht bei Druck oder Verletzung.

Der Hut des Kuhmaul ist erst halbkugelig, dann gewölbt und gegen Ende der Lebensdauer des Fruchtkörpers flach ausgebreitet und wirkt dann trichterförmig durch eine mittige Vertiefung.

Kuhmaul, Gomphidius glutinosus
Kuhmaul, Gomphidius glutinosus
Die Durchmessergröße des Fruchtkörpers beträgt etwa 3-12 cm und ist erst violett bis grau oder graubraun. Später wird die Farbe heller und eher hellbräunlich. Die glatte Oberfläche ist mit einer zähen Schleimschicht bedeckt, die Huthaut leicht abziehbar.

Die Lamellen sind zunächst hellgrau. Mit zunehmendem Alter wird die Färbung dunkler, bis dunkel-violettgrau oder fast schwärzlich.

Kuhmaul, Gomphidius glutinosus, im Segeberger Forst
Kuhmaul, Gomphidius glutinosus, im Segeberger Forst
Gomphidius glutinosus ist ein Mykorrhiza-Pilz, der oft in Fichten-Tannenwäldern und Buchen-Mischwäldern auf sauren Böden zu finden ist. Er ist europaweit verbreitet und kommt in allen Bundesländer der Bundesrepublik vor. Auch in Nordamerika (Kanada, USA) ist er zu finden.

Umgebender Lebensraum; Pflanzen, Pilze, Tiere

Ort:

Fichten und Kiefern prägen weite Teile des Segeberger Forstes
Fichten und Kiefern prägen weite Teile des Segeberger Forstes
Aufgenommen wurden die Fotos im Segeberger Forst zwischen Hartenholm und Heidmühlen im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein. Der Segeberger Forst ist nach dem Sachsenwald im Kreis Herzogtum Lauenburg der zweitgrößte zusammenhängende Wald in Schleswig-Holstein.

Der Mischwald auf saurem Sandboden hat mehrere Kleingewässer und ist auch durch menschliche Nutzung sehr artenreich in Bezug auf Pflanzen, Pilze und Tiere.

Ein wichtiger Aspekt des Waldes ist ein den Wald durchziehendes unterirdisches Bunkersystem, das während des Faschismus für Kriegszwecke errichtet wurde und bei dessen Bau und Betrieb zahlreiche Zwangsarbeiter ums Leben kamen. Siehe dazu den Link zum Heimat- und Handwerksmuseum Wahlstedt – Museum Wahlstedt – ganz am Ende des Textes bei den Link-Hinweisen.

Pflanzen:

Rot-Buche mit hohem Totholz-Anteil und Baumpilz-Besiedlung
Rot-Buche mit hohem Totholz-Anteil und Baumpilz-Besiedlung
(Kleine Auswahl)
Vor allem Nadelgehölze (Gewöhnliche Kiefer (Pinus sylvestris L.), Gewöhnliche Fichte (Picea abies (L.) H. Karst. ) und Europäische Lärche (Larix decidua Mill.) prägen das Waldbild. Das begünstigt die weitere Versauerung der sauren Sand-Böden.

In den letzten Jahrzehnten kamen mehr Laubbäume (Rot-Buche (Fagus sylvatica L.), Stiel-Eiche (Quercus robur L.) u.a. zur Neupflanzung, sodass sich der Gesamtwald stärker in Richtung Mischwald entwickelt. Außerdem gibt es „teilweise forstwirtschaftlich ungenutzte, mehr oder weniger verinselt liegende Altwaldparzellen heimisch-bodenständiger Buchen-Eichenmischwälder mit reichlich Alt- und Totholzvorkommen auf Altmoränenstandorten im Norden des Segeberger Forstes“ (Zitat BfN).

Bekämpfung - Stockhieb bei Später Trauben-Kirsche
Bekämpfung – Stockhieb bei Später Trauben-Kirsche
Seit Jahren hält der Neophyt Späte Trauben-Kirsche (Prunus serotina Ehrh.) in den Wald Einzug. Sie wird begrenzt bekämpft.

Die Krautschicht des Waldes hat Vorkommen von Blaubeere (Vaccinium myrtillus), Siebenstern (Trientalis europaea)Schlängelschmiele (Deschampsia flexuosa), Pillen-Segge (Carex pilulifera) und in den sonnigeren Randbereichen von Heidekraut (Calluna vulgaris (L.)Hull).

Heidekraut vergesellschaftet mit Blaubeere im Waldrandbereich
Heidekraut vergesellschaftet mit Blaubeere im Waldrandbereich
Entlang der Wege und auf „Kahlstellen z.B. nach Windwurf sind regelmäßig Brombeerarten (Rubus spec.) und gelegentlich Himbeere (Rubus idaeus L.) zu finden. Ebenso stellen sich artenreich viele andere Pioniergehölze ein wie Schwarzer Holunder (Sambucus nigra L.), Gewöhnliche Vogelbeere / Eberesche (Sorbus aucuparia L.) oder Hänge-Birke (Betula pendula Roth).

Kleingewässer im Segeberger Forst mit großen Sumpf-Calla-Bestand
Kleingewässer im Segeberger Forst mit großen Sumpf-Calla-Bestand
In den Feuchtgebieten des Segeberger Forstes findet sich u.a. die Sumpf-Calla oder Sumpf-Schlangenwurz (Calla palustris L.).

Pilze

Flockenstieliger Hexen-Röhrling, Neoboletus erythropus
Flockenstieliger Hexen-Röhrling, Neoboletus erythropus
(Kleine Auswahl)
Cerioporus squamosus, Schuppiger Porling
Fomes fomentarius, Zunderschwamm
Mycetinis alliaceus, Langstieliger Knoblauchschwindling
Neoboletus erythropus, Flockenstieliger Hexenröhrling
Scleroderma citrinum, Dickschaliger Kartoffelbovist

Tiere

Wühlstelle von Wildschweinen, Sus scrofa
Wühlstelle von Wildschweinen, Sus scrofa
(Kleine Auswahl)
Seit 2023 beherbergt der Segeberger Forst ein Wolfrudel (Canis lupus). Wildschweine (Sus scrofa) bewohnen den Wald und regelmäßig sind Wühlstellen zu finden. Mehrere Fledermausarten besiedeln den Wald. dabei spielen neben den Großäumen und Totholzbeständen auch die ehemaligen Bunkeranlagen eine Rolle als Quartier.

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist Brutvogel und vglw. einfach zu beobachten oder zu hören.

SUCHBILD:  Wo ist die Eidechse?
SUCHBILD: Wo ist die Eidechse?
Reptilien sind u.a. vertreten durch die Schlangen Kreuzotter (Vipera berus) und Ringelnatter (Natrix natrix) sowie Echsenarten wie der Blindschleiche (Anguis fragilis).

Die Kleingewässer des Waldes bieten verschiedenen Amphibienarten wie z.B. der Erdkröte (Bufo bufo) Vermehrungsmöglichkeiten. Einige sind durchgängig wasserführend und beherbergen auch Fische.

Ameisennest von Formica rufa oder F. polyctena
Ameisennest von Formica rufa oder F. polyctena
Aufgrund der Standortunterschiedlichkeit bietet der Wald auch für zahlreiche Insektenarten und andere Tiere Lebensraum und Nahrung.

So gibt es für jede:n Wald-Spaziergänger:in Ameisenhaufen zusehen.

Links

123pilzsuche: Gomphidius glutinosus, Kuhmaul. 123pilzeforum
Wikipedia: Gomphidius glutinosus, Großer Schmierling
BfN: Altwaldbestände im Segeberger Forst
Heimat- und Handwerksmuseum Wahlstedt: Marinearsenal

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