Hitze-Hotspots in Kiel und Kühle-Inseln

Austrocknender Teich im Vieburger Gehölz
Austrocknender Teich im Vieburger Gehölz
Empfehlung! Die Landeshauptstadt Kiel hat auf kiel.de eine Temperatur-Karte für das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung gestellt. Eine gute Hilfe für diejenigen, die sich bei ihren Stadtaktivitäten kühler bewegen wollen oder einen kühleren Ort aufsuchen möchten (und können).

Die Karte gibt Anhaltspunkte für besonders heiße und eher kühle Orte.
Link: Kühle Orte in Kiel – Temperatur-Karte

Fehler und Schwächen der Karte und der Versiegelungswahn für die Gentrifizierung

Hitze-Hotspots v.a. gewerblich, militärisch oder städtisch

Millionengrab Zentralbad zerstört artenreichen Pionierwald
Millionengrab Zentralbad zerstört artenreichen Pionierwald und andere Biotoptypen. Innerstädtischer Biotopverbund ade.
Schon bei einem flüchtigen Blick auf die Karte fällt auf, dass viele (nicht alle) der Hitze-Hotspots in Kiel von Gewerbe, der LH Kiel und dem Militär bzw. anderen staatlichen Einrichtungen verursacht werden.
Einige wenige Beispiele:

Ellerbek: Marinearsenal
Gaarden: Werftgelände „HDW“ (Werftstraße); Betriebshof KVG (Werftstraße); RBZ Technik (Geschwister-Scholl-Straße)
Gaarden-Süd und Kronsburg Fast der gesamte „Gewerbestreifen“ südlich des Theodor-Heuss-Ringes von Tonberg bis Segeberger Landstraße.
Hassee: Citti (Mühlendamm); Rewe (Saarbrückenstraße) und Stadtwerke (Uhlenkrog)

Erste Besucher im Kieler Zentralbad geniessen die umfänglichen Freiluftbereiche des neuen Zentralbades
Erste Besucher im Kieler Zentralbad geniessen die umfänglichen Freiluftbereiche des neuen Zentralbades
Das zeigt, dass auch die Kommune bzw. der Staat auf eigenen Flächen Verbesserungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten hat.
Bitter dabei z.B., dass auch Schulen betroffen sind. Hitze ist keine gute Unterstützung beim Lernen…
Es ist die Frage ob diejenigen, die bisher das Versagen in den zentralen Fragen der Stadtentwicklung organisiert haben, jetzt gute Lösungen finden. Statistisch betrachtet unwahrscheinlich.

Und die Gewerbebetriebe: Auch hier wird die Allgemeinwohlverpflichtung des Eigentums (Artikel 14.2 Grundgesetz) oft nur sehr extensiv ausgelebt.

Grünflächenzerstörung in Gaarden: Eichenfällungen in der Elisabethstraße
Grünflächenzerstörung in Gaarden: Eichenfällungen in der Elisabethstraße für eine nach Ansicht vieler Mitarbeiter:innen undurchdachte Hochschulerweiterung
Es geht aber nicht nur um Hitze: Die Hitze ist auch Indikator für fehlendes Grün und das bedeutet u.a. mehr Lärm und Feinstaub (krankmachend), weniger Wasserspeicherung, weniger Artenvielfalt und schlechtere Verknüpfung von Lebensräumen (Biotopverbund), was zu weiterer Artenverarmung führt…

Von den negativen Gesundheitsfolgen sind überdurchschnittlich arme Menschen und andere Benachteiligte betroffen.

Altes Datenmaterial

Flower Power statt Möbelkraft. JA beim Bürgerentscheid am 23.3. in Kiel!
Flower Power statt Möbelkraft. JA beim Bürgerentscheid am 23.3. in Kiel!
Die vom Grünflächenamt erstellte Karte beruht auf einer wissenschaftlichen Rechen-Methodik für einen Temperatur-Mittelwert vom 1.6. bis 31.8. der Jahre 2014 bis Ende 2018.

Die Daten sind sicherlich ein guter Anhaltspunkt haben aber als Schwachpunkt ihr Alter: 8-12 Jahre.
Die Temperaturentwicklung seit diesem Zeitraum zeigt kontinuierlich nach oben. Pauschal (Ausnahmen im Einzelfall möglich) gesprochen sind alle Bereiche wärmer geworden. Und der Anteil und Umfang der extrem lebensfeindlichen Wüstenklimate hat zugenommen.

Immergrünes Geißblatt, Lonicera henryi, als Fassadenbegrünung
Immergrünes Geißblatt, Lonicera henryi, als Fassadenbegrünung
Seit 2014-2018 hat sich einiges getan in Kiel: Versiegelte Flächen wurden in Grünflächen umgewandelt, Fassaden begrünt und Dachbegrünungen durchgeführt. Vermehrt wurden helle und reflektierende Baumaterialien eingesetzt, Holz gewinnt gegenüber dem Stein im Hausbau zunehmend an Bedeutung und Wasserspeicher erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Solche und viele weitere positive Beispiele gibt es viele und seit langer Zeit in Kiel.
Allerdings ist das in quantitativer Betrachtung der deutlich kleinere Teil. Es wird erheblich mehr versiegelt als entsiegelt.

Verkehr, Feinstaub, CO2... dank Kurt Krieger und den Ratsparteien Grüne, SPD, CDU, FDP und SSW.. Protestplakat aus der Zeit des Kampfes um die Ansiedlung.
Verkehr, Feinstaub, CO2… dank Kurt Krieger und den Ratsparteien Grüne, SPD, CDU, FDP und SSW. Protestplakat aus der Zeit des Kampfes um die Ansiedlung.
Diese in der Mehrzahl hitzefördernden Projekte sind in den Satelliten-Daten teilweise nicht oder unvollständig enthalten, weil sie zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch nicht (vollständig) fertig waren.

Offensichtliches Beispiel dafür ist der in Kiel stark umkämpfte Verkauf der „Grünen Lunge der Innenstadt“ (Prüner Schlag / Brunsrade am Hasseldieksdammer Weg) an Kurt Krieger (Möbel Kraft, Sconto, Höffner). Der Miliardär fand offene Ohren beim SPD-Oberbürgermeister und bekam ohne Wettbewerbsverfahren den Zuschlag: Es ging ja schließlich um Massen von Arbeitsplätzen für Kiel (die woanders abgebaut werden). Ihr Herz für den Miliardär bewies die Kieler Politik-Elite auch in einem besonderen Punkt der Vertragsgestaltung: Herr Krieger kann sich aussuchen ob und wieviel Gewerbesteuern er bezahlt: Er vermietet sozusagen an sich selber und der Vermieter wohnt wo ganz anders, wo es weniger empörend-drangsalierende Steuersätze gibt. Leistung muss sich wieder lohnen! Ein gelungenes Beispiel für die Wirtschaftskompetenz in Reihen von CDU-SPD-GRÜNEN-FDP-SSW.

Kiel: Protestplakat gegen Stadtgrün-Verkauf durch SPD und Grüne
Kiel: Protestplakat gegen Stadtgrün-Verkauf durch SPD und Grüne
Auf dem Gelände von Krieger zeigt die Hitze-Karte wegen der veralteten Daten jetzt eine blaue in Teilbereichen leicht gelbe Fläche. Unwahrscheinlich scheint mir, dass die Blaufärbung absichtlich in das Krieger-Gelände hineingemalt wurde, um so einen versteckten Protest in der Roten Stadt gegen die jüngste Partei-Spendenpraxis des Immobilienprofis zu lancieren. ;-)
Mittlerweile müsste die Kartendarstellung im Bereich dunkelgelb bis rot zeigen: Hitze-Hotspot u.a. wegen großer Parkflächen.

Versiegelung und Gentrifizierung nimmt zu in der Landeshauptstadt

Gentrifizierungsklötze Hörn
Gentrifizierungsklötze Hörn
Und auch begonnene Bauflächen mit Leerständen wurden weiterversiegelt: Freiflächen an der Hörn wurden bebaut, u.a. das Zentralbad, das das biodiverseste innenstadtnahe Biotop teilzerstört hat und die hörnnahe Biotopverbindung zwischen Ost- und Westufer massiv geschwächt hat. Die Schwächung der Lebensgemeinschaften geht weit über die eigentliche Zentralbad-Fläche hinaus, weil bei vielen Arten ein genetischer Austausch verhindert wird. Darunter leidet dann z.B. der gesamte Innenstadtbereich.

Nachverdichtung am Karlstal in Kiel-Gaarden vernichtet Grünfläche und sorgt für Mietpreiserhöhung - Gentrifizierung.
Nachverdichtung am Karlstal in Kiel-Gaarden vernichtet Grünfläche und beschleunigt Mietpreiserhöhung – Gentrifizierung.
In den Gewerbegebieten in Wellsee und Wittland verringerten sich die Freiflächen…

Zur negativen Versiegelungsbilanz tragen tragen aber auch viele mehr oder weniger kleinere Bauprojekte wie beispielsweise am Karlstal gegenüber der ehemaligen Post in Gaarden, Schulmensen, Veloroutenausbau, Wissenschaftspark (Ravensberg), Alte Gärtnerei in Hassee, Marthas Insel (Südfriedhof) und und und bei…

Kiel: Zentralbad-Fläche zerstört wichtiges Biotop
Kiel: Zentralbad-Fläche zerstört wichtiges Biotop.
2011 gab die Stadtverwaltung auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 0021/2011) von Ratsfrau Ingrid Zimmermann eine Versiegelungsfläche von ca. 58,4 km² der Landeshauptstadt-Fläche von 118,64 km² an. Das entspricht einem Versiegelungsgrad von 49,5% der Stadtfläche.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat für den „bebauten Bereich“ einen Versiegelungsgrad von 48,1% (Datenbasis: 2018, veröffentlicht: 2023) ermittelt und für das Gesamtstadtgebiet einen Wert von 34,3% (Datenbasis: 2012 und 2015, veröffentlicht: 2018).

Für die Zahlenunterschiede kann es verschiedene Gründe geben. Bei Gelegenheit werde ich bei der Stadtplanung anfragen, ob sie mir ihre Methodik erklären möchten. Möglicherweise liegen die Zahlen gar nicht weit auseinander, möglicherweise liegen Methodik- oder andere Fehler vor. Vielleicht auf Seiten der LH Kiel , möglicherweise auf Seiten des GDV (oder auch auf beiden oder auch: auf beiden nicht).

Das Zusammenwürfeln der drei Zahlenwerte kann aber den völlig falschen Eindruck erwecken, als sei die Versiegelung im Rückzug. Dem ist eindeutig nicht so (siehe die ausgesuchten Beispiele oben).

Verfall im Anscharpark: Haus 3
Verfall im Anscharpark: Haus 3.
Auf eine Schwäche der GDV-Methodik möchte ich aber schon jetzt hinweisen: Der Satellit erfasst auch begrünte Tiefgaragen. Beispiel: Gentrifizierungsprojekt Anschar-Park (Wik). Ein großer Teil der dort entwickelten Grünflächen befindet sich auf mehr oder weniger starker Substratauflage auf der Betondecke einer riesigen Tiefgarage. Gartenbaulich ist das vergleichbar mit der Intensivbegrünung eines Daches.

Eine solche Fläche erfasst der Satellit als Grünfläche obwohl sie wahrscheinlich nur wenig zur Grundwasserspeisung beiträgt und der Entwicklung höherer Pflanzen einen engen Rahmen setzt: Das „Phänomen“ ist einfach zu beobachten nach 2,3 Wochen Trockenheit: In bestimmten Bereichen ist dann Ende für wasseranspruchsvollere Pflanzen und auch die Rasennarbe macht schlapp.

Bei diesen entkoppelten Böden ist die obere Erdschicht vom natürlichen Unterboden und dem Grundwasserleiter getrennt und der natürliche Wasserkreislauf ist unterbrochen. Sie werden daher auch abwertend mit Begriffen wie Alibi-Grün, Schein-Grün, Anstands-Grün oder auch Beton-Grün versehen. Die Pflanzen stehen wie in einem großen Blumentopf.

Menschenkinder unterstützen Zwerge für Katzheide. § 47 f Gemeindeordung: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen: (1) Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen...
Menschenkinder unterstützen Zwerge für Katzheide. § 47 f Gemeindeordung: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen: (1) Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen…
Und zu guter letzt noch eine allgemeine Anmerkung zur statistischen Zahl Versiegelungsgrad:

Eine qualitative Bewertung der Grünflächen in Bezug auf ihre ökologische Wertigkeit ist mit ihr nicht gegeben. Neben dem eben skizzierten Alibi-Grün haben viele Grünflächen einen nur geringen ökologischen Nutzen, weil sie so extrem gestört sind durch dutzende ungünstiger Faktoren.

Baumscheibe von Hainbuche, Carpinus betulus
Baumscheibe von Hainbuche, Carpinus betulus
Um nur ein Beispiel herauszugreifen:

Die Baumscheibe der im Foto abgebildeten Hainbuche (Carpinus betulus L.) ist viel zu klein und sie hat ein ungünstiges Profil: Sie ist hügelig ausgebildet, sodass Regenwasser vor allem abläuft und dann in der Kanalisation verschwindet.

Schwammstadt geht anders.

Methodik der Karte

Textdokumentation der Beschreibung der LH Kiel

Die Karte der relativen Verteilung der Temperaturen in Grad Celsius basiert auf einer wissenschaftlichen Methode der Satellitenbildanalyse (Cardille et al., 2024). Es wurde die Cloud Plattform Google Earth Engine (Gorelick et al., 2017) genutzt um für die Region Kiel die relative Verteilung der Temperaturen zu errechnen. Die Methode berücksichtigt den Mittelwert aller Satellitenbilder des Satelliten Landsat 8 in den Sommermonaten (1.6.-31.8.) der Jahre 2014 bis Ende 2018.

Von den so errechneten Oberflächentemperaturen wird dann ein Mittelwert der kühleren Umgebung (hier ca. 25,7°C) abgezogen um die relative Verteilung der Temperaturen zu errechnen.

Diese Information wird dann in einem weiteren Schritt auf die vom Grünflächenamt verwalteten Grünanlagen und Forstflächen, die auch außerhalb des Stadtgebietes liegen können, bezogen, um zugängliche Orte empfehlen zu können. Die Karte wurde vom Grünflächenamt erstellt. (…)

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Transparenz ist Grundlage von Mitbestimmung
Transparenz ist Grundlage von Mitbestimmung.
Artikel 14
(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

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