

Stehendes Totholz hat zwar eine außerordentliche ökologische Wertigkeit ist aber an dieser Stelle aus Sicherheitsgründen nicht sinnvoll und auch nicht angestrebtes Ziel dieser Pflanzung.
In der Landschaft ist der Berg-Ahorn Frische- bis Feuchtezeiger (Feuchtezahl 6). Der auf dem dritten Foto zu sehende Hasen-Klee (Trifolium arvense L.) ist hingegen Trockniszeiger (Feuchtezahl 3). Die aufgeworfenen „Sandhügel“ beruhen auf der Tätigkeit von Ameisen.

Gründe für Schäden gibt es viele. Eine Auswahl(!) möglicher Ursachen:
– Mangelnde Standorteignung (Planungsfehler), u.a. viel zu kleiner Wurzelraum und ungeeignete Bodenverhältnisse (teilweise sehr sandig; Trockenstandort).
– Möglich ist auch eine falsche Bauausführung
– Beeinträchtigung und möglicherweise auch Schäden durch Streusalz, Hundeurin, Abfall, zu intensiven Betritt der Vegetationsflächen (Bodenverdichtung) u.ä.
– Falsche bzw. unterlassene Pflege: Einschnürungen an einigen Bäumen zeigen an, dass die Baumbindungen zu spät entfernt wurden. Wahrscheinlich wurden auch notwendige Bewässerungen unterlassen. Vor rund 25 Jahren habe ich für die Fachzeitschrift DeGa (Deutscher Gartenbau) einen Artikel geschrieben, der sich mit dem Thema „Jungbaumpflege“ bzw. „Fertigstellungspflege“ beschäftigt. Die dort beschriebenen Probleme haben sich quantitativ zwar abgemildert, aber sie bestehen bis heute fort wie die Ahorne in Russee beweisen.
Zusammenfassend: Viel von dem was man im Zusammenhang mit einer Baumpflanzung falsch machen kann wurde hier falsch gemacht.
Der schlechte Zustand der Gehölzpflanzung ist aber nicht nur für Besitzer:innen der parkenden Autos ärgerlich, die sich wegen fehlender Verschattung maximal aufheizen. Weitere ökologische Funktionen, die ein gesunder und entwicklungsfähiger Baum haben könnte, sind hier nicht gegeben. Das ist kein persönliches Pech oder eine interne Angelegenheit des Unternehmens Aldi: Die Bäume sind im B-Plan 965 (Bebauungsplan) als zu erhalten festgesetzt.
Begünstigt wird der unweltschädliche Effekt, der auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung hat (u.a. Hitze, Feinstaub, Lärm) leider auch durch das Baurecht: Auf dem an einem Wochentag aufgenommenem Bild zu sehen ist eine weitgehend leere Parkfläche. Abgesehen von ein paar Spitzentagen im Jahr ist diese Parkfläche stets stark unternutzt. Grund sind baurechtliche Vorschriften, die Geschäftsgröße und Parkplatzanzahl koppeln. Eine spätere Untersuchung über die tatsächliche Nutzung und Bedarfe erfolgt so gut wie nie. Eine Änderung der rechtlichen Grundlagen zugunsten von mehr Grünfläche und Aufenthaltsqualität wäre nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes notwendig.
Sogenannte Ausgleichsmaßnahmen mildern schädliche Eingriffe in die Umwelt i.d.R zwar ab, ein wirklicher Ausgleich wird aber nur sehr selten geschaffen.
Das ist ein strukturelles Problem im Naturschutzrecht und auch begründet in den Ausgleich einschränkenden oder sogar verhindernden Regeln anderer Rechtsnormen.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Das sind die Behörden selber. Unzureichende Kontrolle aufgrund von Personalmangel verhindert manchmal eine gute Kontrolle. Viele Untere Naturschutzbehörden (UNB) sind angesichts der enormen Aufgabenfülle personell viel zu gering ausgestattet.
Und auch Kommunen selber tragen eine Mitschuld: Manchmal werden fachliche Bedenken und Hinweise der zuständigen Fachbehörden wie der UNB zwar formal berücksichtigt dann aber nicht praktisch umgesetzt weil im Abwägungsprozess der Stellungnahmen unterschiedlicher Behörden u.a. verworfen.
Und last but not least gibt es noch einen Grund, den man vielleicht eher nicht erwarten würde: Es gibt Kommunen, die eine Ausgleichsmaßnahme beschließen (und rechtlich zur Umsetzung verpflichtet sind), sie dann aber unvollständig oder sogar gar nicht umsetzen.
Mit dem Standort besser zurechtgekommen wäre die Vogel-Kirsche, Prunus avium. Sie wird wegen der Früchte und vermehrtem Vogelkot manchmal auf Parkflächen nicht so gern gesehen. Da es sich um wenige Wochen im Jahr handelt finde ich das gut vertretbar.
Anmerkung zum Begriff „Ausgleichsmaßnahme“
Als Zielbeschreibung der mit einem Eingriff in den Naturhaushalt verbunden Kompensationsabsichten ist das Wort Ausgleichsmaßnahme sehr schön. Allerdings hat der Kompensationsvorgang nur im seltenen Ausnahmefall wirklich einen Ausgleich zur Folge. Die Regel ist eine Verschlechtung der Umweltbedingungen und der „Ausgleich“ hat lediglich eine Minderung der Schäden zur Folge.
Sprachlich betrachtet suggeriert Ausgleichsmaßnahme also schönfärberisch etwas in der Wirklichkeit kaum Vorkommendes. Daher wäre der Begriff m.E. geeignet im Deutschunterricht als Beispiel für einen Euphemismus zu dienen. Sachlich richtiger wäre ein Begriff wie „Umweltschaden-Milderung“ oder „Naturschaden-Minderung“. Die fachsprachliche Verwendung und sozusagen rechtlich „verordnete“ Verwendung des Wortes Ausgleichsmaßnahme im Naturschutzrecht verstehe ich daher als manipulatives Mittel im politischen Diskurs.
Dazu drei kurze Auszüge aus dieser lesenswerten Arbeit:
Roberta Rada: Euphemismus
(2021)
In: Diskursmonitor. Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen. Hg. von der Forschungsgruppe Diskursmonitor und Diskursintervention. Veröffentlicht am 04.05.2021. Online unter: https://diskursmonitor.de/glossar/euphemismus.
„(…)Der Ausdruck Euphemisierung ist eine sprachliche Strategie, die den Einsatz von sprachlichen Mitteln mit verhüllender, verschleiernder, beschönigender, abschwächender Funktion im öffentlichen Sprachgebrauch meint. (…)
Für die Analyse von öffentlichen Diskursen sind aber in erster Linie die verschleiernden Euphemismen von Interesse. Ihr Gebrauch hängt mit dem wachsenden Bedarf zusammen, unliebsame, peinliche und gefährliche Sachverhalte sowie schockierende, brutale Ereignisse in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Umwelt usw. zu verharmlosen und zu verschleiern.(…)
Akteure greifen zu verschleiernden Euphemismen, um Macht zu erhalten bzw. auszubauen. Zum einen dient der Gebrauch von Euphemismen dazu, die eigene politische Handlung zu rechtfertigen und aufzuwerten. Negative Auswirkungen, unwillkommene, besorgniserregende, ethisch-emotionale und sozial problematische Aspekte eigener Maßnahmen und eigenen politischen Handelns sollen verborgen bleiben(…)“
Linktipp
Bayr. Landesanstalt für Land- und Forstwitschaft: Berg-Ahorn
Diskursmonitor: Glossar zur strategischen Kommunikation in öffentlichen Diskursen
FloraWeb: Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus L.)
Artikel zu Baumbindungen
Zum Themenkreis sind auf planten.de mehrere Beiträge zu finden, u.a.:
Einschnürende Baumbindung an Berg-Ahorn (2025)
Baumschäden durch Baumbindungen (2020)
Baumbindungen kontrollieren (2006)
Gehölzschnitt – Jungbaumpflege: Fehler in der Behandlung junger Bäume (2000)
Artikel zum Thema Hitze und Trockenheit
Zugenommen haben über die Jahre Schäden durch Trockenheit und Hitze auf Vegetationsflächen, an Bäumen und Gewässern. Zum Themenkreis sind auf planten.de ein paar dutzend Beiträge zu finden, u.a.:
Hitze-Hotspots in Kiel und Kühle-Inseln (2026)
Struckdieksau in Kiel ausgetrocknet (2026)
Vertrocknete Blätter als Notreaktion bei Hainbuche in Gaarden (2026)
Absterben von Berg-Ahornen in Russee (2026)
Falsche Rasenmahd fördert Trockenheitsschäden und beschädigt Bäume (2026)
Trockenheitsschäden an Koniferen im Kreis Plön bzw. S-H (2020)
Austrocknender Teich im Vieburger Gehölz (2020)
Greenwashing: Öffentliche Blumenkübel in Kiel (2020)
EP: Gemeinsam gegen Wasserknappheit und Dürre (2008)
Armer Stadtbaum (2001)