Tag-Archiv für 'Efeu'

Interview mit Thorwald Brandwein über Fassadenbegrünung – Teil 3

Vorherige Teile: 1 , 2

Frage: Stimmt es, dass vielerorts die Anzahl begrünter Flächen rückläufig ist?

Das kann ich nicht einfach so bestätigen. Fassadenbegrünung ist wohl eine so unbedeutende Marktnische, dass nirgendwo irgendwelche allgemeinen statistischen Daten darüber existieren.
Ich stelle aber subjektiv immer wieder fest, dass seit einigen Jahren mancherorts jedes Winterhalbjahr größere innerstädtische Fassadenbegrünungen ersatzlos verschwinden. In Köln sind das eine ganze Menge – vor allem dort, wo vor etwa 20 Jahren relativ viele Begrünungen neu angelegt wurden.

Ob dieser Verlust an stadtklimatisch relevanten Standorten irgendwie ausgeglichen wird, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube, dass dies i.d.R. bei weitem nicht der Fall ist.
Inzwischen werden zwar auf dem Papier (u.a. Festsetzungen im Bebauungsplan nach $ 9 BauGB) recht häufig Fassadenbegrünungen gefordert, aber sehr oft wird noch nicht einmal deren Anlage geprüft. Das heisst: Es erfolgen immer wieder Bauabnahmen obwohl die amtlich geforderte Begrünung nicht existiert und wohl auch nie existieren wird. In zahlreichen anderen Fällen werden völlig unzulängliche “Alibibegrünungen” als satzungsgemäß akzeptiert. Spätere Bestandsprüfungen sind vermutlich mindestens “äußerst ungewöhnlich” so dass Verwahrlosung und baldige Entfernung einer vorgeschriebenen Fassadenbegrünung niemanden stört…. Entsprechend ist das oben genannte gesetzliche Instrument in der Praxis wohl eher ein Papiertiger. Wenn der Bauherr kein Geld für Fassadenbegrünung ausgeben will, kann er dies meistens auch vermeiden. Solange entsprechende Kontrollen nicht erheblich verbessert werden, entstehen durch entsprechende Bauauflagen eher mangelhaft und abschreckende als nützliche Fassadenbegrünungen. Gute Fassadebegrünungen sind nur von Bauherren zu erwarten, die ihnen einen wirklichen Wert beimessen. ‘Interview mit Thorwald Brandwein über Fassadenbegrünung – Teil 3′ weiterlesen


Interview mit Thorwald Brandwein über Fassadenbegrünung – Teil 2

Ich dokumentiere hier Teil 2 eines längeren Interviews, dass ich diesen Herbst mit Thorwald Brandwein geführt habe. Wegen der Länge veröffentliche ich es in mehreren Teilen. Vorherige Teile: 1

Frage: Ich bin zum ersten Male in den 90iger Jahren über Dich gestolpert, als ich zu Fassadenbegrünung recherchierte und das Ulmer-Fachbuch Fassaden- und Dachbegrünung kaufte, das ein von Dir geschriebenes Kapitel enthielt. Siehst Du seit der damaligen Zeit wesentliche Änderungen im öffentlichen Bewusstsein zu begrünter Fassade erreicht?

Zum Buch “Fassaden- und Dachbegrünung” möchte ich anmerken, dass ich es seinerzeit initiiert habe, weil ich eine Aktualisierung des Informationsangebotes für geboten hielt. Damit war ich seinerzeit – ab Herbst 1988 – wohl noch etwas zu früh. Erstens galt Fassadenbegrünung allein noch nicht als – sagen wir mal “fachbuchwürdig” – zweitens habe ich selbst erst 1999 m.E. brauchbare und offenbar auch inzwischen allgemein anerkannte Prinzipien zur Schätzung der Maximallasten von Kletterpflanzen gefunden.
Noch jünger ist meine persönliche Entscheidung, Kletterhilfen auf der Basis von Spanntechnik nur noch bei dafür günstigsten Voraussetzungen zu empfehlen. M.E. eignen sich Seile und elastische Stäbe, die durch Verspannung fixiert werden müssen, viel weniger zum Bewuchs mit sogenannten Starkschlingern, als schlanke biegesteife Profile.

Deine eigentliche Frage nach der Entwicklung des “öffentlichen Bewusstseins” erfordert meiner Meinung nach eine differenzierte Betrachtung.
Wer sich speziell mit Planung und Herstellung oder Verwaltung und Unterhaltung von Bauwerken befasst, macht hinsichtlich Fassadenbegrünung konkretere Erfahrungen als jemand, der sie eher “konsumiert” – sei es als unbeteiligter Mieter oder auch nur als “oberflächlicher” Betrachter begrünter Hauser. Letzterer wird nicht so schnell merken, was alles hinter einer Fassadenbegrünung steckt.
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Wildgehölze

Auswahl lieferbarer Wilgehölze

Autor: Andreas Regner

  • Acer campestre, Feldahorn, Wuchs: 3 – 15 m
  • Acer platanoides, Spitzahorn
  • Acer pseudoplatanus, Bergahorn
  • Aesculus hippocastanum, Rosskastanie, Verbreitung: in Schleswig-Holstein nicht heimisch
  • Alnus glutinosa, Erle. Verbreitung: Feuchte Standorte, z.B. Auenwälder
    Amelanchier ovalis, Gemeine Felsenbirne. Verbreitung: Süd- und Mitteleuropa bis Kleinasien und Nordafrika. D: Mittel-, Südwest- und Süddeutschland (selten). Früchte: essbar, süsslich
  • Arctostaphylos uva-ursi, Bärentraube. Niederliegender, dichte Teppiche bildender Kleinstrauch auf sandig-humosen Lehmböden. Trockenheit nur mässig ertragend. Verbreitung: Flachland bis Alpen. In Nordeutschland sehr selten. Frucht: essbar, Heilpflanze
  • ‘Wildgehölze’ weiterlesen


giftpflanzen – kinder

Giftpflanzen und Kinder

Die Veröffentlichung meines Manuskriptes löste zahlreiche Reaktionen aus, von denen Sie einige auf der Seite giftpflanzen – antworten lesen können. Einige der Kritiken konnte ich mittlerweile in diese Internetseite einarbeiten. Danke!

Immer wieder erkundigen sich besorgte Eltern nach Giftpflanzen, deren Verwendung sie in ihrem Garten zu vermeiden suchen. Oder es gibt eine (halb-)öffentliche Diskussion, die das Verbot von Giftpflanzen im öffentlichen Raum fordert. Hierbei wird an der Wirklichkeit vorbeidiskutiert:

Es gibt annähernd kein Giftpflanzen-Problem.
Dazu einige Zahlen (nach Oberholzer / Lässer, S. 159): In der gesamten Schweiz gab es im Zeitraum 1966 bis 1986 mehrere tausend tödliche Unfälle von Kindern. Davon entfielen ca. 50 % auf den Verkehr. Jeweils etwa 20 Prozent entfielen auf die Ertrinken und Ersticken. Im gesamten Beobachtungszeitraum gab es keine tödlichen Vergiftungen durch Pflanzen, wenn man Pilzvergiftungen ausser betracht lässt (die zum überwiegenden Teil von den Eltern zubereitet wurden).

Dieses spricht vor allem dafür, dass Aufklärungsarbeit in Bezug auf Giftpflanzen Wirkung zeigt. Gleichwohl wäre in dieser Hinsicht viel zu tun, zumal die Pflanzenkenntnis von Erwachsenen und Kindern eher ab- als zunimmt. Viele Eltern verbieten ihren Kindern daher einfach, Pflanzen überhaupt zu essen. Das ist im Einzelfall als Notbremse sicherlich richtig. Gesellschaftlich betrachtet hat dies aber fatale Auswirkungen. Die Pflanzen-Unkenntnis potenziert sich.

Oftmals wird dann der Ruf nach Pflanzenlisten laut, die giftige Pflanzen aufzählen sollen (und die dann nicht mehr gepflanzt werden sollen.)
Das ist die falsche Richtung. Zum einen sollte es ein wichtiges erzieherisches Ziel für ein Kind sein, dass es keine Pflanzen isst, die es nicht sicher ansprechen kann und deren Ungiftigkeit ihm bekannt ist. Zum anderen setzen derartige Listen voraus, dass die Anwender/innen (z.B. Eltern oder pädagogisches Personal) diese Pflanzen auch bestimmen können.
Und: Derartige Listen erwecken den Eindruck der Vollständigkeit. Diese ist aber illusorisch. Es gibt in Mitteleuropa etwa 2500 Blütenpflanzen. Dazu kommen tausende Arten und Sorten von Ziergehölzen und -stauden bzw. Pflanzen anderer Kontinente, tausende Arten Zimmerpflanzen sowie eine Unzahl von Kultursorten. Niemand wird auch nur über eine der Gruppen Übersicht im Hinblick auf die Giftigkeit haben. D.h. solche Listen sind extrem unvollständig, eher ein botanisches Persönlichkeitsprofil des/der Autors/Autorin. Damit besteht die Gefahr, dass eine derartige Liste Erzieher/innen z.B. in einer falschen Sicherheit wiegen.

Und das nächste Problem: Wie definiert der/die Autor/in giftig? Viele dieser Listen enthalten keinerlei Angaben über die Definition und so kann eine Pflanze in einem Buch als ungiftig aufgeführt werden, weil sie nach dem Genuss grösserer Mengen allenfalls Erbrechen herbeiführen kann – ein anderer Autor sieht die Pflanze deswegen schon als giftig an.
Viele Eltern richten bei der Giftpflanzen-Diskussion den Blick auch nur nach draussen. Was oftmals nicht berücksichtigt wird, ist die Giftigkeit von Zimmerpflanzen. Dazu gehören beispielsweise beliebte Pflanzen wie Gummibaum, Weihnachtsstern und Diefenbachie. Auch die Küche bleibt bei der Betrachtung oftmals aussen vor: Kartoffelkraut ist tödlich giftig und einige normale Küchengemüse wie etwa die Bohne sind roh ebenfalls giftig. Unterschätzt wird bei der Giftpflanzen-Diskussion auch oftmals die Auffassungsgabe der Kinder. Auch zweijährige Kinder kann man sehr gut auf die Gefährlichkeit aufmerksam machen, selbst, wenn sie zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort sprechen können sollten. Das ersetzt natürlich nicht die sinnvolle Aufsicht, grade auch für die kleinsten Kinder.

Um Missverständnissen vorzubeugen:
Sicherlich sollte Laburnum anagryoides, Goldregen, nicht auf einem Kinderspielplatz gepflanzt werden. Ebenso hat hier eine Herkulesstaude nichts zu suchen. Dies gilt insbesondere, wenn das Spielgelände nicht durch entsprechend geschultes pädagogisches Personal betreut wird.
Aber beispielsweise auf Efeu, Hedera helix, zu verzichten, weil er (minder)giftig ist, wäre falsch. Abgesehen davon, dass keine tödlichen Efeuvergiftungen bekannt sind, schmeckt diese Pflanze einfach nicht. Das ist eine Grosszügigkeit, die uns viele (leider nicht alle) Giftpflanzen gewähren: Durch Bitterstoffe u.a. wird einem oftmals der Apetit vergällt.

Im Privatgarten hingegen kann, entsprechende Beaufsichtigung und Aufklärung vorausgesetzt, relativ grosszügig verfahren werden.
Verzichten würde ich in für die Kleinkinder erreichbaren Bereichen allerdings auf Pflanzen, deren blosse Berührung grosse Schädigungen hervorrufen kann. Hierzu zählt insbesondere die schon erwähnte Herkulesstaude, Heracleum mantegazzianum (Synonyme: Riesenbärenklau, Herkuleskraut). Diese führt durch Berührung mit dem Pflanzensaft zur Photosensibilisierung der Haut. Diese gesteigerte Lichtempfindlichkeit hat wiederum nach Einstrahlung von Sonnenlicht Symptome wie nach schweren Verbrennungen zur Folge, die z.T. irreparabel sind und auch tödlich verlaufen können. Auch zahlreiche andere Doldenblüter, wie die Pastinake, Pastinaca sativa oder der heimische Wiesenbärenklau enthalten die gefürchteten Phototoxine – allerdings in wesentlich geringerem Umfang. Gleichwohl sind auch nach Berührung des Pflanzensaftes der Pastinake z.B. verbrennungsähnliche Erscheinungen möglich.

Auch die Standorte von Seidelbast-Arten, Daphne spec. und Essigbaum, Rhus spec. wollen gut überlegt sein. Die meisten Menschen zeigen starke Hautreaktionen nach Berührung dieser Pflanzen. Die Gefährlichkeit (bezüglich der Berührung) ist aber ungleich geringer als bei der Herkulesstaude. Gegessen wiederum sind sie beide tödlich giftig, weswegen auch für beide Pflanzen verschiedene deutsche Namen existieren, die auf die Giftigkeit dieser Pflanzen hinweisen: Kellerhals (wie von hinten erwürgt zu werden) für den Seidelbast und Gift-Sumach für den Essigbaum.

Veröffentlichungen im Internet:

Giftzentralen im deutschsprachigen Raum finden Sie auf einer gesonderten Seite auf planten.de.
botanikus-Seite zu Giftpflanzen mit Datenbanken.
http://www.botanikus.de/botanik3.html
Interessanter Beitrag eines Arztes zu der Thematik:
Bosch, Stefan (1995): Mit Giftpflanzen leben lernen. Naturschutz heute 1, 1995: 60-61
http://www.nabu.de/nh/archiv/gift195.htm
Giftpflanzen und Tiere (Seite der Uni Zürich)

Erstveröffentlichung: 26.8.2000.





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