Etablierter Neophyt: Gewöhnliche Robinie, Robinia pseudoacacia

Dornen der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Dornen der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Auch in Schleswig-Holstein breitet sich die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia L.) in den letzten Jahrzehnten weiter aus. Sie ist wie im übrigen Bundesgebiet ein etablierter Neophyt.

Allerdings ist die Verbreitung im Norden im Verhältnis zu anderen Bundesländern moderat. In der Roten Liste S-H wird das Vorkommen des bis 25m hoch werdende Baumes in der Gesamtschau als mittelhäufig eingestuft, in der Landschaft als vereinzelt.

Robinie wandert in städtische Trockenrasen-Fläche ein
Robinie wandert in städtische Trockenrasen-Fläche ein
Die Ausbreitung von Robinia pseudoacacia wird in Schleswig-Holstein u.a. durch Baum- und Strauchkonkurrenz auf feuchteren Standorten beschränkt. Auf trockeneren Standorten breitet sie sich nach meiner Beobachtung aber stetig aus. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist kurz- und mittelfristig m.E. mit einer Begünstigung der Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) zu rechnen, u.a. durch die Abnahme feuchter Standorte.

In Kiel ist die Robinie selten als Straßenbaum gepflanzt (z.B. Norddeutsche Straße und Schulstraße in Gaarden). Gelegentlich ragten dort in vergangenenen Jahren einjährige stark bedornte Wurzelschösslinge in den Bereich der Fußwege und der Radwege.

Die knorrige Rinde und das schnelle Größenwachstum erwecken den Eindruck alter Bäume. Die ältesten der fiederblättrigen Bäume in den genannten Straßen sind aber erst wenige Jahrzehnte alt. Ein Ersatz beim Ausfall dieser Bäume durch dieselbe Art ist aus meiner fachlichen Einschätzung nicht sinnvoll.

Hauptgrund für meine Einschätzung ist die hohe Reproduktionsrate von Robinia pseudoacacia. In Zusammenhang mit dem Klimawandel vermutete ich zumindest temporär eine Gunstphase für die Robinie. Die Negativaspekte der von mir vermuteten Ausbreitung sind neben Verdrängung z.B. seltener heimischer Pflanzenarten auch die große Verletzungsgefahr, die von den stark bedornten Zweigen im Siedlungsgebiet ausgeht.

Gefiederte Blätter der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Gefiederte Blätter der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Wichtig für die Verbreitung der Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) ist zum einen die geschlechtliche (generative) Vermehrung. Ebenso bedeutsam ist aber auch die ungeschlechtliche (vegetative) Verbreitung durch Wurzelschösslinge.
Diese treten insbesondere nach Beschädigungen der sommergrünen Pflanze z.B. durch Schnitt auf. Je nach Verletzungsstärke bilden sich bis zu über 2 Meter hohe Jahrestriebe(!). Diese sind stark bedornt und befinden sich auch auf Augenhöhe für das Kleinkind und die größte Spielerin der Basketballmanschaft.
Die sehr spitzen Dornen (umgebildete Nebenblätter) verletzen die Haut sehr leicht und lösen meist allergische Reaktionen wie Schwellung und Juckreiz aus – Robinie ist zwar Heilpflanze aber auch giftig. Deswegen würde ich allein aus Sicherheitsgründen die Pflanzung dieser Art zumindest in Wegebereichen vermeiden.

Die Fotos wurden aufgenommen auf einer an der Rendsburger Landstraße gelegenen städtischen Grünfläche. Sie befindet sich zwischen Aldi-Parkplatz (B-Plan 965) und Straße und wird durch einen Trampelpfad durchquert. Ganz grob die Hälfte der Fläche hat eher Trockenrasencharakter (Parkplatznähe), der höher gelegene strassenseitige Teil zeigt andere Standortbedingungen, u.a. finden sich dort in Bezug auf die Bodenfeuchte frischeanzeigende Pflanzen. Die Robinie wächst in unmittelbarer Parkplatznähe im Bereich des städtischen (Halb)Trockenrasens. Dort finden sich Pflanzenarten wie
Cota tinctoria (L.) J.Gay, Färber-Hundskamille (Syn.:Anthemis tinctoria L.)
Daucus carota L., Gewöhnliche Möhre
Echium vulgare L., Gewöhnlicher Natternkopf
Melampyrum arvense L., Acker-Wachtelweizen
Trifolium arvense L., Hasen-Klee

Linktipps
FloraWeb: Robinia pseudoacacia L., Gewöhnliche Robinie
Schleswig-Holstein.de: Rote Liste Farn- und Blütenpflanzen – Band 1

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