
Allerdings ist die Verbreitung im Norden im Verhältnis zu anderen Bundesländern moderat. In der Roten Liste S-H wird das Vorkommen des bis 25m hoch werdende Baumes in der Gesamtschau als mittelhäufig eingestuft, in der Landschaft als vereinzelt.

Im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist kurz- und mittelfristig m.E. mit einer Begünstigung der Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) zu rechnen, u.a. durch die Abnahme feuchter Standorte.

Wichtig für die Verbreitung der Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) ist die geschlechtliche (generative) Vermehrung mit Saat UND die ungeschlechtliche (vegetative) Verbreitung durch Wurzelschösslinge.


Straßenbäume müssen z.B. zur Erhaltung des Lichtraumprofiles regelmäßig geschnitten werden. Darauf reagiert die Robinie mit Wurzelschösslingen. Dieselbe Reaktion zeigt die Pflanze bei Verletzungen im Wurzelbereich. Schneidet man diese Wurzelschösslinge zurück reagiert die sommergrüne Pflanze mit Wurzelschösslingen usw. usf….
Im Privatgarten mag man diese Risiken händeln können. In einer Großstadt ist das Grünflächenamt leicht überfordert. Die regelmässige Pflege der Wurzelschössling ist zeitaufwändig und die Sicherheit im Umfeld der Pflanze ist oft nicht gewährleistet.
In die Grünflächen der Umgebung ist die Robinie vielfach ungewollt verwildert. Die privaten Wohnungseigentümer schneiden diese Pflanzen zwar z.T. zurück, aber das produziert v.a. neue Wurzelschösslinge.
Die volkswirtschaftlichen Kosten (kontinuierlicher Schösslings-Rückschnitt, kaputte Luftreifen, Verletzungen, Bekämpfungsmassnahmen im Umfeld, relative Kurzlebigkeit) sehen für mich unverhältnismäßig aus. Erschwerend kommt hinzu, dass Pflegemaßnahmen am Gehölz besonderer Vorsicht und Schutzmaßnahmen bedürfen: Augenschutzbrille und besonders stichfeste Arbeitshandschuhe und Kleidung. Das macht (fast) jeden Pflegegang aufwändiger im Verhältnis zur Durchführung vergleichbarer Pflegemaßnahmen (Baumpflege) oder Stockausschlag-Rückschnitt bei z.B. einer gleich großen Winter-Linde (Tilia cordata Mill.).
Die Pflanzung der im Stadtgebiet oftmals nur wenige Jahrzehnte alt werdenden Bäume (Naturstandort bis 200 Jahre) erscheint mir nicht nachhaltig zu sein. Dies insbesondere, weil keine Verantwortung übernommen wird zur Verhinderung der Ausbreitung der Pflanze in die Umgebung. Die Nachpflanzung ausgefallener Robinien kann ich daher nicht empfehlen.
Das Holz der Robinie ist ein ausgezeichnetes Bauholz für den Außenbereich (Klasse 1–2 nach DIN EN 350). In der Resistenzbewertung steht sie besser da als Ess-Kastanie oder Stiel-Eiche.
(1) Erläuterung zum 2. Foto auf dem Robinia in den (Halb)Trockenrasen einwandert
Das Foto wurde aufgenommen auf einer an der Rendsburger Landstraße in Kiel gelegenen städtischen Grünfläche. Sie befindet sich zwischen Aldi-Parkplatz (B-Plan 965) und Straße und wird durch einen Trampelpfad durchquert. Ganz grob die Hälfte der Fläche hat eher Trockenrasencharakter (Parkplatznähe), der höher gelegene strassenseitige Teil zeigt andere Standortbedingungen, u.a. finden sich dort in Bezug auf die Bodenfeuchte frischeanzeigende Pflanzen. Die Robinie wächst in unmittelbarer Parkplatznähe im Bereich des städtischen (Halb)Trockenrasens. Dort finden sich (wahrscheinlich angesähte) Pflanzenarten wie
Cota tinctoria (L.) J.Gay, Färber-Hundskamille (Syn.: Anthemis tinctoria L.)
Daucus carota L., Gewöhnliche Möhre
Echium vulgare L., Gewöhnlicher Natternkopf
Melampyrum arvense L., Acker-Wachtelweizen
Trifolium arvense L., Hasen-Klee
Koordinaten ETRS89/UTM: 32570834,02/6017421,10
Grad/Minute/Sekunde: 54° 17′ 58.9092, 10° 5′ 18.69
Linktipps
BfN: BfN Schriften 275 – Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich
BfN: BfN-Schriften 731 – Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen und Gesamtartenliste der in Deutschland wild lebenden gebietsfremden Gefäßpflanzen S. 522ff.
FloraWeb: Robinia pseudoacacia L., Gewöhnliche Robinie
Schleswig-Holstein.de: Rote Liste Farn- und Blütenpflanzen – Band 1