Kiel: Robinie am Russee: Austrieb nach Stockhieb

Stockhieb und Beschädigung bei Gewöhnlicher Robinie, Robinia pseudoacacia
Stockhieb und Beschädigung bei Gewöhnlicher Robinie, Robinia pseudoacacia
Die Fotos zeigen eine Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia L.) nach einem Pflegeeingriff. Der Baum wurde auf den Stock gesetzt (Pflegehieb; radikale Verjüngung; Knicken; Stockhieb). Außerdem wurde er zusätzlich durch tiefen Einschnitt geschädigt. Ziel dabei: Mit möglichst geringem Arbeitsaufwand eine möglichst starke Verletzung verursachen, um die Ausschlagfähigkeit der Pflanze zu verringern, im Idealfall ein Absterben des Baumes zu erreichen.

Austrieb nach Stockhieb bei Gewöhnlicher Robinie, Robinia pseudoacacia
Austrieb nach Stockhieb bei Gewöhnlicher Robinie, Robinia pseudoacacia
Das gelingt in aller Regel nicht. Auf dem ersten Bild zu sehen ist, dass einige Austriebe abgestorben sind. Die Robinie ist aber aus anderen schlafenden Knospen ausgetrieben wie auf dem zweiten Bild zu erkennen ist.

In der Bekämpfung der Pflanze geht es wahrscheinlich weniger um die sehr spitzen Dornen (umgebildete Nebenblätter):
Sie verletzen die Haut sehr leicht und lösen meist allergische Reaktionen wie Schwellung und Juckreiz aus – Robinie ist zwar Heilpflanze aber auch giftig.

Dornen der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Dornen der Gewöhnlichen Robinie, Robinia pseudoacacia
Auch Fahrradreifen und Robinien-Dornen sind nicht wirklich gut befreundet.

U.a. deswegen sind sie im Wegebereich nicht ratsam, was aber die LH Kiel seit Jahren nicht abhält, als Straßenbaum ausgefallene Robinien wieder durch Robinie zu ersetzen (z.B. in Gaarden).

Die LH Kiel bekommt ihre Verkehrssicherungspflicht nicht immer angemessen hin:
Jedes Jahr ragen z.B. in der Schulstraße (Gaarden) stark dornenbewehrte Schösslinge in den Verkehrsraum.

Robinie mit bedornten Wurzelschösslingen ragen in den Verkehrsraum
Robinie mit bedornten Wurzelschösslingen ragen in den Verkehrsraum
Die Jahrestriebe werden bis zu über 2 Meter lang und gefährden Augen und mehr von Kindern und Erwachsenen beim Radfahren und beim Weg zu Fuß.

Naturschutzbedenken gibt es auch: In der Umgebung von Robinienpflanzungen im Stadtgebiet Kiel ist der Baum „überall“ verwildert anzutreffen:
Als Fugenvegetation am Hausrand, in Grünanlagen von Wohnungskonzernen, auf städtischen Grünflächen…: Russee, Hassee, Friedrichsort, Holtenau, Wik, Gaarden, Wellingdorf, Elmschenhagen… (In welchem Stadtteil nicht?). Sie reduzieren Vielfalt in verschiedenen Pflanzengesellschaften.

Robinie wandert in städtische Trockenrasen-Fläche ein
Robinie wandert in städtische Trockenrasen-Fläche ein (Kiel-Russee).
Kein gelungenes Beispiel für Nachhaltigkeit: Einerseits die Pflanze als invasiven Neophyten bekämpfen. Dies aus Kapazitätsgründen / Geldmangel aber nur punktuell durchführen zu können. Andererseits die Ausbreitungsspirale durch Neupflanzung weiter zu unterstützen…

Robinia breitet sich sowohl über Saat als auch durch Wurzelschösslinge aus. Letzteres kann zu Schäden am „Baukörper Weg“ führen.

Die Bekämpfung mit geringen Mitteln am Russee hat mglw. als Haupt-Grund: Es wird versucht die weitere Ausbreitung der Art im Landschaftsschutzgebiet Drachensee, Russee und Umgebung zu verhindern bzw. zu verringern.

Die gewählte Methode (Stockhieb und Beschädigung) kann dabei zielführend sein, wenn sie regelmäßig vollzogen wird, im Idealfall jährlich oder halbjährlich. Sind die Pflegeintervalle zu lang, ist mit Ausbreitung durch Wurzelschösslinge zu rechnen.

Fragwürdige Neupflanzung: Robinie als Straßenbaum in der Johannesstraße in Kiel-Gaarden.
Fragwürdige Neupflanzung: Robinie als Straßenbaum in der Johannesstraße in Kiel-Gaarden.
Da kommt die strukturelle Unterversorgung der Kommunen durch Bund und Land ins Spiel: Grünflächenämter sind personell und logistisch zusammengespart, Umweltbehörden haben für die enorme Aufgabenfülle auch viel zu wenige Mitarbeiter:innen. Geld für Sachmittel und Fremdvergabe ist knapp…
Seltsames „Phänomen“ dabei: Die LH Kiel wird seit Jahrzehnten (!) „regiert“ von Parteien, die auf Landes- und Bundesebene dafür sorgen, dass sehr viele Kommunen am Rande der Möglichkeiten für freiwillige Ausgaben sind und Schwierigkeiten haben, ihre Pflichtaufgaben zu erfüllen. Warum stellen sich weder die Mitglieder, noch innerparteiliche oder parlamentarische Strukturen dagegen? Warum bedeutet Regierungsverantwortung: Kaputt-Sparen?

Ökologische Zeigerwerte

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Links zur Robinie

planten.de:
Etablierter Neophyt: Gewöhnliche Robinie, Robinia pseudoacacia
Von Mimosen und Akazien
Fehler bei der Pflanzenauswahl im Garten
Botanik – Einwanderungsproblematik
Armer Stadtbaum
Zeigerpflanze für Vollfrühling: Robinia pseudoacacia
Bauholz im Garten
Schale aus Holz der Gewöhnlichen Robinie

extern:
BfN: BfN Schriften 275 – Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich
BfN: BfN-Schriften 731 – Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen und Gesamtartenliste der in Deutschland wild lebenden gebietsfremden Gefäßpflanzen S. 522ff.
FloraWeb: Robinia pseudoacacia L., Gewöhnliche Robinie
Schleswig-Holstein.de: Rote Liste Farn- und Blütenpflanzen – Band 1

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