Brand eines Gartenhauses und von Garagen in Kiel: Vegetationsschäden und Umweltgifte

Brand eines Gartenhauses in Kiel
Brand eines Gartenhauses in Kiel
Wenn man den oberen Teil des Fotos abdeckt, könnte man ein größeres Lagerfeuer vermuten. Tut man das nicht läßt sich erahnen, dass dort nicht ein Familienfest stattfindet. Um es zu entschärfen: Menschen und Wohngebäude kamen durch das Feuer unmittelbar nicht zu schaden. Dafür gebührt den Anwohner:innen Dank, die schnell die 112 wählten und der Feuerwehr, die schnell vor Ort war. Der Brand umfasste letztlich ein vollständig niedergebranntes Gartenhaus sowie Teile von Garagen, die mit Dachpappe abgedeckt sind bzw. waren.

Feuerwehr kämpft mit Schwelbrand
Feuerwehr kämpft mit Schwelbrand
Hört sich im ersten Moment nach glimpflichen Ausgang an. Und ja, verglichen mit den Großbränden, die in Europa und der übrigen Welt wüteten ist das marginal. Dieser kleine Brand in der LH Kiel wird in den EU-Statistiken zu abgebrannten Vegetationsflächen nicht auftauchen. Die EFFIS-Datenbank erfasst nur Vegetationsflächen ab einem Hektar (10.000 qm).
In Kiel wie in anderen Städten hat es dieses Jahr mehrfach gebrannt: hier 50 qm und da 100qm und dort 500. Alles „nicht viel“ aber in der Summe schon ein Faktor.

Starkast- und Kronenschäden nach Brand: Winter-Linde
Starkast- und Kronenschäden nach Brand: Winter-Linde
Auf der Ebene der Vegetationsschädigung ist das für die betroffenen Grundstücke schon relevant: Auf zwei (oder drei?) Grundstücken wurden Rasenfläche, Stauden, Kletterpflanzen und kleine Bäume zerstört oder schwerst geschädigt. Dazu kommen drei Großbäume, von denen einer so schwer geschädigt ist, dass ich der Eigentümerin die Fällung empfehlen würde. Der wird in ein paar Jahren gefährlich. 2 weitere Großbäume sind geschädigt haben aber wahrscheinlich mit einer guten Baumpflege noch eine Chance bei verringerter Gesamtlebenszeit.

Leicht vergessen wird aber etwas anderes: Jeder Brand verursacht die Freisetzung von Umweltgiften für Luft, Wasser und Boden. Durch die Verbrennung verschiedener Materialien enstehen komplexe Schadstoffgemische deren Wechselwirkung meist schwer abschätzbar sind und zum Teil auch unzureichend erforscht.

Ich weiß nur, dass das Gartenhaus ein Kunststoffdach (welche Art von Kunstoff?) hatte. Mir unbekannt ist, ob das Holz des Gartenhauses KDI-Holz war oder andere Arten von Imprägnierung oder Lacken enthielt. Ich weiß auch, dass dort „irgendwas“ für Garten oder Freizeitgestaltung, also „irgendwelche“ Kunststoffe, „irgendwie“ behandeltes Holz möglicherweise auch Gefahrstoffe lagerten. Letzere sind in Garagen nicht selten vorhanden. Das Motoröl für irgendeine Maschine, das Altöl, das den Weg zur Schadstoffsammelstelle noch nicht gefunden hat, Der Elektroroller mit Accu, Reifen u.v.a.m..

Bitte nicht falsch verstehen: Ich weiß nicht, was in diesen Garagen war. Ich habe nur ein paar Beispiele genannt, die wahrscheinlich jede:r schonmal in einer Garage gesehen hat. Dinge wie Kunststoffdünger, Pestizide, Hydrauliköle… habe ich absichtlich ausgelassen.
Angenommen, es war in den Garagen und dem Gartenhaus „irgendwas“ von dem oben genannten vorhanden, dann ergeben sich als sichere sowie wahrscheinliche Schadstoffe (wenige Auswahlbeispiele!):

Feinstaub
Kohlenmonoxid (CO)
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Dioxine und Furane
Schwermetalle (Blei, Cadmium, Zink)
Flüchtige organische Verbindungen
Stickoxide (NOₓ)
Schwefeldioxid (SO₂)

Nach Brand: Angeschmolzenes Plastik ist auf Komposthaufen geflogen
Nach Brand: Angeschmolzenes Plastik ist auf Komposthaufen geflogen
Diese Stoffe gehen mit dem Rauch nach „irgendwo“, z.B. in die Lunge eines Menschen in dieser oder einer anderen Stadt. Ebenso gehen sie nieder auf Böden und in Gewässer. Betroffen ist auch der unmittelbare Nahbereich der Brandstelle, an dem Beispiel dieses „Klein-Feuers“ also mehrere Gartengrundstücke. Auch auf z.B. Bereiche, in denen Menschen Kräuter für die Küche anbauen. Auch in der Nähe eines Schachtes, der dann beim nächsten Regen eine zusätzliche Fracht transportiert. Und auch in den Boden. Boden sind nicht einfach irgendwelche Substratkrümel und ein paar Steine. Boden ist ein hochkomplexes Ökosystem, das sehr empfindlich auf Störungen aller Art reagiert.

Noch ein Wermutstropfen: Das für die Löscharbeiten unbedingt notwendige Löschwasser richtet zusätzliche Schäden an. Ich denke dabei nicht an die mechanische Beschädigung von Pflanzen durch den enormen Druck. Problematisch ist, dass verschiedene Umweltgifte in den Nahbereich verteilt werden und z.B. ins Grundwasser gelangen können oder „gut“ pflanzenverfügbar sind. Grade in Zeiten von Wassermangel sind viele Pflanzen und Tiere durstig. Auch werden durch den Brand Aufbewahrungsgefäße für Öl beschädigt und das Öl läuft aus, verbrennt vielleicht zum Teil und wird aber auch mit dem Löschwasser in die Umgebung verbreitet. Jedenfalls war auf dem Garagenplatz eine Wasserlache von mehreren Quadratmeter zu sehen auf dem eine schwarze ölige Substanz schwomm.

EFFIS-Datenbank zu Wald- und Vegetationsflächen-Bränden

EFFIS erfasst Wald- und Vegetationsbrände i.d.R. erst ab einer Mindestgröße von 1 Hektar (10.000 m²). Die dort gelisteten Zahlenwerte sind tagesaktuell.
Für kleinere Brände gibt es andere Quellen, z.B. das Statistische Bundesamt.

EU – Europäische Union
Erfasste Zahl (kartiert): 671.468 Hektar
Davon Wald: 362.600 Hektar
Geschätzte Zahl (gesamt): 706.808 Hektar

„Europa“
Erfasste Zahl (kartiert): 1.477.388 Hektar
Davon Wald: ~797.790 Hektar
Geschätzte Zahl (gesamt): 1.555.145 Hektar

Bitte beachten: Die EFFIS-Kategorie „Europa“ erfasst EU, angrenzende Länder ohne Russland, den europäischen Teil der Türkei sowie Teile Nordafrikas. Bei den Nicht-EU-Ländern gibt es mehr oder weniger starke Erfassungsunschärfen. Dazu bitte die Erläuterungen auf der EFFIS-Site lesen.

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