Die Baustelle von Coop im Stadtteil Gaarden wird begrenzt durch Teile der Straßen Heischstraße, Bielenbergstraße, Theodor-Heuss-Ring und Sörensenstraße. Wer lernen möchte , was man beim Baumschutz bei Baustellen alles falsch machen kann, findet hier reichlich Ausbildungsmal. Didaktisch hat der Ort also eine Wertigkeit. Es sind die Klassiker – seit Jahrzehnten und überall in Kiel und überall in anderen Städten: Symbolischer Baumschutz durch unmittelbaren Stammschutz gegen mechanische Beschädigung (hier: Drainrohr und Holz) wird artig aufgebaut.
Danach (und wahrscheinlich auch schon vorher) wird alles oder zumindest sehr vieles falsch gemacht.
Eine unvollständige Auswahl:
– Mutmaßlich maschinelle Aufgrabung im Wurzelbereich. Im Sinne des Baumschutzes ist nur die händische Arbeit (Spaten, Schaufel) zulässig. Dabei auftretende Wurzeln sind ggf. mit einem sauberen (desinfizierten) und scharfen Schneidwerkzeug zu trennen – Motorsägen und dgl. sind unzulässig.
– Keine Abdeckung offengelegter Wurzeln auch Wochen(?) nach der Aufgrabung – in einem der heißesten Sommer, die Schleswig-Holstein je erlebte. Fördert Trockenheitsstress u.a.m.
– Aufschüttungen von Substraten
– Ablagerung von pflanzen- und bodentoxischen Stoffen wie Betonresten und Abfällen verschiedener Art, deren Lagerung auch auf eigenen Grünflächen zum Teil unzulässig ist.
– Nutzung des Wurzelbereiches für Baustofflagerung (u.a. wird der Gasauastausch im Boden gestört)
– Abstellen von Baustelleninfrastruktur wie etwa Toilettenhäuschen im Wurzelbereich
Glücklicherweise bin ich geübt im Durchleiten dieser massiven Gewalt oder anders ausgedrückt: dieser massiven negativen Energie, die mir entgegenschlägt. Wenn ich das nicht könnte, müsste ich sehr traurig oder sehr wütend werden oder beides. Menschen, die professionell mit Gewaltopfern arbeiten werden mich vielleicht verstehen. Es gibt professionelle Ebenen, um den Umgang mit extremer Gewalt ertragen zu können, aber die Arbeit an den Abgründen menschlichen Verhaltens ist nicht einfach.
Wenn ich eine dermaßen desorganisierte Baustelle sehe stellt sich mir zwanghaft die Frage, was wohl in den Bereichen passiert ist, die schon verdeckt sind, beispielsweise am Theodor-Heuss-Ring. Dort sind die abgegrabenen Wurzelbereiche schon mit Betonwänden verdeckt. Wurde dort von Hand gegraben? Wurden die Wurzeln fachgerecht geschnitten? Wurden Schutzmaßnahmen gegen Austrocknung getroffen? usw. usw.
All diese Dinge schädigen Baumwurzeln mit oft dramatischen Folgen. Ihre Wirkung zeigt sich meist erst nach Jahren in Krankheitsbildern oder gar Absterben. Handelt es sich dabei um kommunale Bäume werden – sofern es sich um eine private Baustelle handelt – die Kosten und Schäden vergesellschaftet. Dabei geht es nicht nur um den Wertverlust des Baumes als solchen, der früher eintritt als es sein müsste. Auch die „Dienstleistungen“, die ein Baum für uns alle und die Lebensgemeinschaften erbringt werden geschmälert: Sauerstoffproduktion, Kohlenstoffbindung, Kühlungseffekte durch Verdunstung und Schatten, Lärmminderung u.v.a.m..
In einer volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise ein enormes Verlustgeschäft für die Gesellschaft.
Beispielhafte Baumschädigungen
die jedes Jahr in Kiel stattfinden und in allen Stadtteilen zu finden sind. Leider nicht nur in Kiel, sondern in allen Städten von Flensburg bis München. Dänemark kann das auch. Und Italien. Und Holland, Frankreich und Belgien. Und da war noch ein Land glaube ich – aber es fällt mir partout nicht ein.
Ich gebe es zu: Ich habe etwas gemogelt: Ich habe gar keine Statistik über alle deutschen Städte. ich habe einfach von meiner Beobachtung in allen bisher von mir besuchten deutschen Städten geschlossen: Brokdorf ist überall…. Ach nee, das war was anderes: Nicht-Baumschutz ist überall…