Frucht essbar: Kirsch-Pflaume (Blut-Pflaume), Prunus cerasifera (‚Nigra‘)

Frucht essbar: Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera 'Nigra'
Frucht essbar: Kirsch-Pflaume ‚Nigra‘ („Blut-Pflaume“), Prunus cerasifera ‚Nigra‘
Die Kirsch-Pflaume (Prunus cerasifera Ehrh.) hat standortabhängig in den letzten Wochen ihre Früchte verloren oder sie hängen jetzt vollreif im Baum. Sie sind roh essbar und auch als Verabeitungsfrucht gut geeignet. Allerdings lösen sich die Kerne recht schwer vom Fruchtfleisch. Geschmacklich fällt die in Schleswig-Holstein nichtheimische Wildobstart unterschiedlich aus: Von wohlschmeckend bis fad oder auch vergleichsweise sauer.

Frucht und Kern von Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera 'Nigra'
Frucht und Kern von Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera ‚Nigra‘
Im Siedlungsgebiet ist sie verwildert häufiger anzutreffen als in der Landschaft. Es gibt nach meiner Einschätzung einen Zusammenhang mit menschlicher Nutzung: Handelt es sich um einen „wohlschmeckenden Baum“ ist die Wahrscheinlichkeit einer Ernte höher und ein Teil des Obstes wird vor Ort oder in der näheren Umgebung verzehrt und die Kerne ausgespuckt. Gelegentlich findet sicher auch eine gezielte Ausbringung der Kerne statt.

Habitus der Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera 'Nigra'
Habitus (Erscheinungsbild) der Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera ‚Nigra‘
Größerfrüchtig und sicher gut schmeckend sind die gärtnerischen Züchtungen (Sorten) ‘Nigra’ („Blut-Pflaume“) und ‚Hollywood‘. Beide Sorten ähneln der Wildform des Kleinbaumes (5-10 m) unterscheiden sich jedoch durch rötliches (‚Hollywood‘) oder dunkelrotes („schwarzes“) Laub (‚Nigra‘). Die Früchte sind größer als bei der Art. ‚Nigra‘ hat im Vergleich zu ‚Hollywood‘ deutlich weniger Früchte.

Diese Züchtungen kommen aber meist nicht wegen der Früchte in Garten oder Grünanlage sondern wegen der Laubfärbung. Neben diesen beiden in Schleswig-Holstein vergleichsweise oft gepflanzten Sorten gibt es noch weitere Züchtungen, die sich in Blattfärbung, Fruchtfarbe, Erscheinungsbild (Habitus), Größe u.a.m. unterscheiden.

Blätter der Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera 'Nigra'
Blätter der Kirsch-Pflaume (Blut-Pflaume), Prunus cerasifera ‚Nigra‘

Die Pflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) blüht etwa März bis April mit weißen Blüten mit geringem und eher unauffälligem Rosaanteil. Die Blüten der Sorten ‚Nigra‘ und ‚Hollywood‘ sind hingegen rosa.

Bei der Art ist die Frucht kugelig, hat 2-3 cm Durchmesser und varriiert in den farben rot, braunrot, gelb und gelb-rot. ‚Nigra‘ und ‚Hollywood‘ haben rote Früchte, die etwas größer sind.

Gefährlich sind wie bei allen Steinobstarten die Kerne: Wenn man einen oder mehrere unbeschädigte Kerne verschlucken sollte, ist eine Vergiftung sehr unwahrscheinlich – selbst für Kinder oder andere „Risikogruppen“. Und die Vergiftungswirkung wäre in diesem Ausnahmefall sehr mild.

Wegen der Härte der Kerne kommt ein Zerkauen nur sehr selten vor. Nicht umsonst heißt die Obstgruppe Steinobst. Wenn die Kerne allerdings beschädigt sind oder gar fein zerkleinert sind wenige Kerne für Kinder gefährlich und abhängig von Dosis usw. sind auch tödliche Vergiftungen mit wenigen Kernen möglich.

Grund dafür ist das in den Kernen enthaltene Amygdalin. Beschädigte Kerne setzen daraus in Zusammenwirkung mit menschlichen Enzymen Blausäure frei. Dies ist allerdings nicht spezifisch für die Kirsch-Pflaume und ihre Sorten sondern gilt für alle mir bekannten Steinobstarten wie z.B. Mandel, Pflaume, Vogel-Kirsche, Sauer-Kirsche, Schlehe, Aprikose, Pfirsich…

Starker Austrieb nach Rückschnitt bei Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera 'Nigra'
Starker Austrieb nach Rückschnitt bei Kirsch-Pflaume, Prunus cerasifera ‚Nigra‘
Die Kirsch-Pflaume reagiert auf Gehölzschnitt meist recht stark. Auf dem Foto zu sehen sind drei starke Neuaustriebe aufgrund eines starken Schnitteingriffe, der technisch auf nur mässigem fachlichen Niveau durchgeführt wurde. Wichtig wäre gewesen innerhalb spätestens eines Jahres eine Nachkontrolle des Schnittes und hier die Entfernung von mindestens zwei der drei Neuaustriebe. Das unterblieb leider und so entstehen zwangsläufig ungünstige Konkurrenzsituationen im inneren Raum der Pflanze, die langfristig zu unnötigen Verletzungen führen werden. Es gibt weitere Ungunstfaktoren einer mangelhaften Nachpflege. Einer von ihnen ist die vglw. große Eingriffsstärke die durch die verspätet durchgeführte Arbeit entstehen wird.
Will man das Gehölz langfristig gut entwickeln empfiehlt sich eine jährliche Sicht-Kontrolle und ein möglichst frühzeitiger Schnitt von fehlentwickelten Ästen, um die Eingriffsstärken so gering wie möglich zu halten.

Die Fotos wurden aufgenommen in einer Grünanlage im Kieler Stadtteil Russee.

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