Kleiner Trost: Zahntrost… aber absterbende Bäume am Grünen Weg in Kiel
Säulen-Eiche abgestorben, schwer geschädigt und fast gesundDie drei Säulen-Eichen(Quercus robur ‘Fastigiata’) zwischen Veloroute 10 und Grüner Weg in Kiel sind von den letzten Jahren schwer mitgenommen. Die linksstehende weist nur leicht Schäden auf. Schwer getroffen hat es die mittlere, u.a. ist ihre Krone abgestorben und die vorne stehende Stiel-Eiche ist abgestorben.
Kleiner Lichtblick: Die etwa dreieckige Wiesenfläche ist sehr artenreich. Und es findet sich dort eine in Schleswig-Holstein seltene Pflanze in mehreren Exemplaren: Acker-Zahntrost(Odontites vernus agg.)
Gefährdet (RL 2) und im Bestand in S-H rückläufig: Acker-Zahntrost, Odontites vernus agg. Der Acker-Zahntrost wird in der Rote Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen Schleswig-Holsteins in Stufe 2 (gefährdet) eingruppiert. Die Prognosen für die weitere Bestandsentwicklung der jetzt schon gefährdeten Pflanze sind in Schleswig-Holstein leider negativ. Insofern ist jedes gefunde Exemplar ein kleiner Lichtblick. Eine unvollständige Artenliste dieses Wiesenbereichs findet sich am Ende dieses Beitrags.
Grüner Weg Kiel – Sterbender Berg-AhornDie Fläche befindet sich zwischen Veloroute 10 und dem Grünen Weg kurz hinter der Bundesautobahn. Rund um den Grünen Weg sind in mindestens zwei Schritten Baumpflanzungen durchgeführt wurde ich vermute, dass es sich dabei um sogenannte „Ausgleichspflanzungen“ handelt. Neben den drei Eichen wurde auch eine Hainbuche (Carpinus betulus L.), drei Berg-Ahorne (Acer pseudoplatanus L.), eine Hänge-Birke (Betula pendula Roth) sowie 8 Kultur-Äpfel (Malus domestica (Suckow) Borkh.) und 5 Süß-Kirschen (Prunus avium (L.) L.) geplanzt.
Ahorn-Runzelschorf, Rhytisma acerinumDie gesamte Pflanzung der letzten Jahre zeigt im günstigsten Falle leichte Schäden. Ansonsten sind alle Abstufungen von Schäden bis hin zum Absterben und abgestorbenen Bäumen zu finden.
Wenn meine Mutmaßung stimmt und es sich um eine „Ausgleichspflanzung“ handelt: Bei all meiner Liebe für Stehendes Totholz dürfte der „Ausgleich“ weit verfehlt sein. Das ist aus vielen Gründen bedauerlich. Auch für uns Menschen direkt: Mit den Gewerbeflächen von Citti, Höffner/Sconto („Möbelkraft / Kurt Krieger“) und der nahen Autobahn gehen die Minderungseffekte für diesen Hitze-Hotspot fast vollständig verloren.
Schwerer Kronenschaden an Apfelbaum – Grüner Weg in KielMeine Mutmaßung zur Frage „Ausgleichspflanzung oder nicht?“ ist keineswegs aus der Luft gegriffen. Die Landeshauptstadt Kiel muss so viele „Ausgleichsmaßnahmen“ durchführen, dass sie für jede Fläche dankbar ist, auf der sie einen Baum pflanzen kann. Im Gegenteil: Der städtische Raum reicht lange schon nicht mehr und es finden „Ausgleichmaßnahmen“ auch in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde statt – für Naturzerstörung in Kiel. Ob diese Form kommunaler Zusammenarbeit immer sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln.
Sterbender Apfelbaum – Grüner Weg in KielDer weiter oben auf dem Bild gezeigte Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum) schwächte den Ahorn u.a. durch verminderte Photosynthese-Möglichkeit. Das ist in dem Zusammenhang aber völlig bedeutungslos. Ursache der Baumschäden ist eindeutig Trockenheit und Hitze. Ursache dafür wiederum: Homo sapiens mit dem von ihm verursachten Klimawandel. Dabei geht es aber nicht nur um Dinge wie Kohlendioxid, Methan usw.
Auffällig ist, dass bei den Süßkirschen die Schäden weniger stark ausgeprägt sind. Da Süß-Kirsche (Vogel-Kirsche) etwas trockenheitsverträglicher als z.B. der Kultur-Apfel ist, vermute ich, dass die Standorteignung der gewählten Pflanzen nicht ganz optimal ist. Das könnte auf eine Schwäche in der Pflanz-Planung hindeuten.
Japanischer Staudenknöterich mit Trockenheitsschaden an BlattspitzenDie gesamten Wiesenbereiche sind artenreich. Siehe dazu die unvollständige Liste für den Teilbereich bei den Eichen ganz unten im Text. Allerdings sind auch Neophyten dabei, von denen eine Art den Artenreichtum kontinuierlich verringern wird, wenn er nicht zeitnah entfernt wird: Japanischer Staudenknöterich(Fallopia japonica (Houtt.) Ronse Decr. .). Zwar zeigt auch er Trockenheitsschäden u.a. an den Blattspitzen. Sein tiefreichendes Wurzelsystem verhilft ihm aber auch in Extremsituationen zu großer Regenerationsfähigkeit. Auf den Fotos befindet er sich jeweils in Stammnähe bei der gesündesten Eiche und auf dem letzten Apfelbaum-Bild, das einen sterbenden Baum zeigt.