Maria Luise Weissmann: Imago | Der Einsiedler

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Der Einsiedler

Er hatte seit Jahren nicht mehr gesät
Verstreut noch reifte ihm das Getreide
Zuletzt ließ er den Hafer ungemäht
Sein Pferd verlor sich auf der Weide.
Maria Luise Weissmann: Imago | Der Einsiedler weiterlesen

Maria Luise Weissmann: Imago | Park im Vorfrühling

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Park im Vorfrühling

O halte dich, aus dir nicht zu entgleiten
Ins Grenzenlose! Folg der Hunde Spiel
Nicht mit dem Blick, wies weiß in dunkeln Weiten
Der Büsche schwindet. Lausch nicht auf ein Ziel
Im unruhvollen Trab der schnellen Pferde,
Von fern her klopfend. Achte, daß die Sohle
Der Füße dir nicht, schwindelnde Geberde,
Der Hügel Fall und Anstieg wiederhole,
Schmeck nicht zu tief den bittern Knospenduft!..
Und doch zuletzt, ein Trunkener und schwer
Brichst taumelnd du durch trügerische Luft
Tief in des Himmels schwarz beschäumtes Meer.
Maria Luise Weissmann: Imago | Park im Vorfrühling weiterlesen

Oskar Kanehl: Vormarsch im Winter

Oskar Kanehl
(* 5. Oktober 1888 in Berlin bis † 28. Mai 1929 in Berlin)

Vormarsch im Winter

Bespannt von grauem Leichentuche ist der Himmel.
Das Land schneeüberweht.
Eiswind peitscht splittriges Glas in unser Fleisch.
Kein Wetter hemmt den Befehl zum Vormarsch.
Und kein Opfer.
Auf gefrorenem Boden hallt unser Schritt hohl
als gingen wir auf Sargdeckeln riesiger Massengräber.
Einzeln stoßen Strauchstrunke durch den Schnee
wie Hände eines der noch leben wollte.
Vielleicht eines meiner getöteten Freunde.
Bleibt wach! Ihr werdet alle mit uns auferstehen!
Baumkronen, hängen als groteske Fesselballons über der Erde.
Wegweiser zeigen mit schwarzer Hand
in unbekannte Tode.
Seltene Stimmen sprechen wie in leeren Kellergewölben.
Verfluchter Tag.
Die eingewickelten Feldgrauen schleichen neben dem langen Zügel ihrer Tiere
und haben Eisbärte, die Pferde Eisschwänze.
Schritt für Schritt bleibt eins stehen.
Hustet und schüttelt sich vor Kälte.
Die Magenwände schlagen aneinander.
Schleimhäute funktionieren ohne Hilfe.
Im Gleichtakt wiegend wankt die Last
der Berggeschütze auf dem Rücken der Tragtiere.
Öfter muss nachgegürtet werden. Dann stockt es.
Oft umgepackt.
Aber das Ganze kommt vorwärts. Muss vorwärts.
Nur diese einzige wache Freude:
wenn von den Stollen an den Hufen der Pferde
ab und zu ein warmer Feuerfunke springt.
Vor uns gähnt ein dunkles Gebirge
von dessen Gipfel wir heut noch schießen müssen.
Aber es ist noch weit.
Inzwischen fällt ein Pferd um. Ein Mann fällt um.
Am Wegrand ragt ein Kreuz an dem ein Christus friert.

Giftig: Behangener Düngerling, Panaeolus papilionaceus

Behangener Düngerling, Panaeolus papilionaceus, auf Pferdemist am Wegesrand des Segeberger Forstes
Behangener Düngerling, Panaeolus papilionaceus, auf Pferdedung am Wegesrand des Segeberger Forstes
Der Behangene Düngerling (Panaeolus papilionaceus) ist ein Giftpilz, der von Frühjahr bis Herbst seine Fruchtkörper zeigt. Auf dem Foto ist er auf mehrere Wochen altem Pferdedung zu sehen.

Die Aufnahme entstand am Wegesrand des Segeberger Forstes (Schleswig-Holstein). Für Panaeolus papilionaceus scheinbar ein eher untypischer Standort, für gewöhnlich ist er auf Wiesen anzutreffen.

Der Folgezersetzer ist vor allem angewiesen auf Tierdung von z.B. Kühen oder Pferden.
Giftig: Behangener Düngerling, Panaeolus papilionaceus weiterlesen

Fugenvegetation – wichtig für Stadtklima, Biotopverbund…

Fugenvegetation in Straßenpflaster
Fugenvegetation in Straßenpflaster
Fugenvegetation ist im Straßenbild seltener anzutreffen: Bei der Sanierung alter Wege werden oftmals Fugen annähernd vollständig verschlossen oder fugenarme bis fugenfreie Straßenbeläge gewählt.
Fugenvegetation – wichtig für Stadtklima, Biotopverbund… weiterlesen

Gottlieb Konrad Pfeffel: Der Apfelbaum

Gottlieb Konrad Pfeffel:

Der Apfelbaum

In eines Bauers Garten stand
Ein schöner Apfelbaum; doch neigten Hang und Winde
Und Alter ihn zu weit nach linker Hand.
Der Bauer sahs; berief sein Hausgesinde,
Und hielt geheimen Rat. In diesem ward erkannt:
Den Baum mit umgelegten Stricken
Und mit vereinter Kraft ins Gleichgewicht zu rücken.
Man schritt zum Werk, das rasch von Statten ging.
Kein Wunder, zwanzig Ärzte zogen
So derb, daß sie den Stamm noch mehr zur Rechten bogen,
Als er zuvor sich nach der Linken hing.
Zum Teufel! fluchte Kunz, ihr seid so dumm als Pferde,
Der Baum soll aufrecht stehn. Nun schritten klein und groß
Zur zweiten Kur; allein die Wurzeln rissen los
Und krachend fiel der Baum zur Erde.

(1791)