Gertrud Kolmar: Verwandlungen

Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)

Verwandlungen

Ich will die Nacht um mich ziehn als ein warmes Tuch
Mit ihrem weißen Stern, mit ihrem grauen Fluch,
Mit ihrem wehenden Zipfel, der die Tagkrähen scheucht,
Mit ihren Nebelfransen, von einsamen Teichen feucht.
Gertrud Kolmar: Verwandlungen weiterlesen

Nebel an der irischen Westküste – Foto von Jacob Zimmermann

Im Nebel an der irischen Westküste - Foto von Jacob Zimmermann
Im Nebel an der irischen Westküste – Foto von Jacob Zimmermann
Im Nebel an der irischen Westküste.
Foto von Jacob Zimmermann, Hamburg.

Links im Bild findet sich eine alte Trockenmauer, die zur Sicherung des Hanges gebaut wurde.

Stefan George: Die Gärten schliessen

Stefan George
(* 12. Juli 1868 in Büdesheim bis † 4. Dezember 1933 in Locarno)

Die Gärten schliessen

Frühe nacht verwirrt die ebnen bahnen –
Kalte traufe trübt die weiher –
Glückliche Apolle und Dianen
Hüllen sich in nebelschleier.
Stefan George: Die Gärten schliessen weiterlesen

Charlotte von Ahlefeld: Im Herbst

Charlotte von Ahlefeld
(* 6. Dezember 1777 in Stedten bis † 27. Juli 1849 in Teplitz)

Im Herbst

Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
Graue Nebel sinken feucht und schwer,
Und der Raben hungriges Gewimmel
Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.
Charlotte von Ahlefeld: Im Herbst weiterlesen

Paul Zech: Abgeräumter Park

Paul Zech
(* 19. Februar 1881 † 7. September 1946)

Abgeräumter Park

Alle Dächer ducken sich, vor dem gestrengen Wind
und noch einmal hat die Sonne einen Regenschauer
überstanden und bestrahlt ein elendes Proletenkind
und den kranken Efeu an der Kirchhofsmauer.
Paul Zech: Abgeräumter Park weiterlesen

August Stramm: Mairegen

August Stramm
(* 29. Juli 1874 † 1. September 1915)

Mairegen

Der Himmel hängt auf dem Pferderücken
Tropfen um Tropfen
Blankt
Das Fell!
Die Hufe streichen Ungeduld
Das Maul fetzt Schaum!
Zack
Zackelt der Trott die flackrigen Sehnen
In Zügel klammert die Nässe und Stemmt!
Hoch rammt der Kopf
Und stäubet Nebel!
Zack Zack
Zack Zack
Die Pfützen kreisen
Zack Zack
Zack Zack
Die Tropfen schleifen
Zack Zack
Zack Zack
Das Wittern streicht am Boden
Schritt um Schritt!
Die Erde schwült
Die Schwüle gleißt!
Mein Pferd und ich
Zerdampfen
In
Himmel und Düsen!