Johann Wolfgang von Goethe: Frühling übers Jahr

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Frühling übers Jahr

Das Beet, schon lockert
Sichs in die Höh,
Da wanken Glöckchen
So weiß wie Schnee;
Safran entfaltet
Gewaltge Glut,
Smaragden keimt es
Und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren
So naseweis,
Schalkhafte Veilchen,
Versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles
Da regt und webt,
Genug, der Frühling,
Er wirkt und lebt.
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Johann Wolfgang von Goethe: Der Park

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Der Park

Welch ein himmlischer Garten entspringt aus Oed‘ und aus Wüste,
Wird und lebet und glänzt herrlich im Lichte vor mir!
Wohl den Schöpfer ahmet ihr nach, ihr Götter der Erde!
Fels und See und Gebüsch, Vögel und Fisch und Gewild.
Nur daß euere Stätte sich ganz zum Eden vollende,
Fehlet ein Glücklicher hier, fehlt euch am Sabbat die Ruh.

Johann Wolfgang von Goethe: Die Nektartropfen.

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Die Nektartropfen

Als Minerva jenen Liebling,
Den Prometheus, zu begünst’gen,
Eine volle Nektarschale
Von dem Himmel niederbrachte,
Seine Menschen zu beglücken,
Und den Trieb zu holden Künsten
Ihrem Busen einzuflößen:
Eilte sie mit schnellen Füßen,
Daß sie Jupiter nicht sähe;
Und die goldne Schale schwankte,
Und es fielen wenig Tropfen
Auf den grünen Boden nieder.
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Johann Wolfgang von Goethe: Harzreise im Winter

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Harzreise im Winter

Dem Geier gleich,
Der auf schweren Morgenwolken
Mit sanftem Fittich ruhend
Nach Beute schaut,
Schwebe mein Lied.
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Johann Wolfgang von Goethe: Wolkenbildung

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Wolkenbildung

Stratus

Wenn von dem stillen Wasserspiegel-Plan
Ein Nebel hebt den flachen Teppich an,
Der Mond, dem Wallen des Erscheins vereint,
Als ein Gespenst Gespenster bildend scheint,
Dann sind wir alle, das gestehn wir nur,
Erquickt‘, erfreute Kinder, o Natur!
Dann hebt sichs wohl am Berge, sammelnd breit,
An Streife Streifen, so umdüsterts weit
Die Mittelhöhe, beidem gleich geneigt,
Obs fallend wässert oder luftig steigt.
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Johann Wolfgang von Goethe: Elfenlied

Johann Wolfgang von Goethe
(* 28. August 1749 in Frankfurt am Main bis † 22. März 1832 in Weimar)

Elfenlied

Um Mitternacht, wenn die Menschen erst schlafen,
Dann scheinet uns der Mond,
Dann leuchtet uns der Stern;
Wir wandeln und singen
Und tanzen erst gern.
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