BUND SH fordert landesweite Strategie für Rechenzentren

Pressemitteilung BUND S-H
BUND SH fordert landesweite Strategie für Rechenzentren

+++ Rechenzentrums-Planungen in Busdorf, Langenhorn und Schuby: BUND SH warnt vor überdimensionierten Anlagen mit unklaren Konsequenzen für die Umwelt
+++ Landesweite Strategie und Konzepte für nachhaltige Stromversorgung und Wärme-Abnahme gefordert

Busdorf/ Kiel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) lehnt die vorgelegte Planung für ein Rechenzentrum in Busdorf entschieden ab. Wie der Umweltverband in seiner Stellungnahme schreibt, erfüllt das Projekt weder die Anforderungen an einen nachhaltigen noch an einen sicheren oder transparenten Planungsprozess.

Außerdem sieht der BUND SH den Zusammenhang zu den ebenfalls geplanten Rechenzentren in Schuby (3 km Entfernung) und Langenhorn (60 km). Zusammen hätten sie eine Anschlussleistung von insgesamt 1.900 Megawatt (MW). Das entspricht der Zubaurate für erneuerbare Energien in Schleswig-Holstein von mehr als einem Jahr. Der Flächenbedarf der Anlagen entspricht mit 100 Hektar demjenigen von Northvolt in Dithmarschen. „Wie verträgt sich das mit dem Ziel der Landesregierung, nur noch maximal 1,3 Hektar Fläche pro Tag im ganzen Land zu verbrauchen?“, fragt Wilhelm Langes, Autor der BUND-Stellungnahme zum Rechenzentrums-Projekt in Busdorf.

Nach bisherigen Standards landen 80 bis 90 Prozent der von Rechenzentren aufgenommenen Energie als Abwärme in der Umwelt. Die zu vermutende Abwärme der drei Anlagen entspricht damit dem Gebäudewärmebedarf großer Teile Schleswig-Holsteins. Es ist zwar löblich, wenn ein Teil davon in Fernwärmenetze eingespeist wird, allerdings wird ein Großteil der Wärme der drei Anlagen nicht in der Region genutzt werden können. Der BUND fordert deshalb die Anlagen gemeinsam zu betrachten und ihre Leistungsgrößen an die abführbaren Wärmemengen zu koppeln. Dazu müssen die Projektierer verpflichtet werden. verbindliche Wärmekonzepte vorzulegen.

Grundsätzlich können Rechenzentren ein wesentlicher Baustein für die digitale Infrastruktur sein, insbesondere um unabhängig von Rechendienstleistern aus Übersee zu werden. Unbedingte Voraussetzung ist jedoch, dass sie klimaneutral betrieben werden, europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards entsprechen, ihre Abwärme genutzt wird und ihre sehr erheblichen Auswirkungen auf Natur, Landschaft und Bevölkerung gering gehalten wird. Der Betrieb muss ohne zusätzliche fossile Energieträger wie Diesel-betriebene Notstrom-Aggregate gewährleistet sein. In Zeiten des Klimawandels wird der BUND SH ein besonderes Augenmerk darauf richten, wie viel Wasser die Kühlung der Anlagen verbraucht. Bisher gibt es noch keine Angaben zum Wasserverbrauch. Die Anlagen dürfen nicht zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führen.

Was als Zukunftsprojekte verkauft wird, wirft in Wahrheit grundlegende Fragen zu Energieverbrauch und -versorgung, Flächenversiegelung, Belastungen für Infrastrukturen, Umwelt und direkt betroffene Anwohner auf, so der BUND SH. „Schnelligkeit darf nicht vor Gründlichkeit gehen. Gerade in einer ländlich geprägten Region darf ein Vorhaben dieser Größenordnung nicht im Eilverfahren beschlossen werden. Ein Desaster wie mit Northvolt darf sich nicht wiederholen“, sagt Gerd Simon vom Landesvorstand BUND SH.

Der Umweltverband fordert die Landesregierung deshalb auf, eine landesweite Strategie für den Ausbau von industriellen Rechenzentren mit mehr als 10 MW Leistung vorzulegen und nicht weiter die Verantwortung dieser komplexen Entscheidungen auf ehrenamtliche Gemeindevertretungen zu übertragen.

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