
Auch auf den Großpflasterflächen entlang der Kaistraße in Hafennähe hat das Bruchkraut Fuß gefasst. Auf älteren größeren Parkflächen aus Granit-Großpflaster habe ich es bisher in allen Stadtteilen Kiels gefunden, in denen ich nach Bruchkraut gesucht habe (u.a. Mitte, Vorstadt (u.a. bei Sell-Speicher), Gaarden, Hassee, Wik, Friedrichsort (u.a. auf MFG5), Wellingdorf, Dietrichsdorf).
Das Foto zeigt ein jüngeres Exemplar (rechts im Bild) zusammen mit Breit-Wegerich, Plantago major agg..
Interessanterweise ist Herniaria aber in Straßenflächen aus Granit nicht oder zumindest viel seltener zu finden. Beispiel hierfür ist der Straßenzug Altenrade (Hassee). Die dortige Granitpflasterung ist sehr alt. Das Bruchkraut suchte ich dort vergeblich während es wenige Meter weiter in den Parkstreifen der Straße Zum Hasseer Bahnhof zu finden ist. In dieser Straße (Sackgasse zwischen Citti-Park und Hasseer Straße) gibt es einen kleineren Bestand auf den von der Hasseer Straße aus betrachtet hinteren Parkplätzen. Möglicherweise finden sich auf den vorderen Parkplätzen keine Exemplare wegen der intensiveren Nutzung vor allem durch PKW. Gründe für das Fehlen des Kahlen Bruchkrauts in den Straßenflächen könnte die höhere Streusalzexposition sowie intensiveres Befahren und vielleicht auch die Straßenreinigung sein.

Mit einer Lupe kann man z.B. Kindern die Blüte zeigen: Sie besiedelt einen Extremstandort (Betritt, Trockenheit, Hitze…) und alles an ihr ist winzig klein. Das allein kann ein Staunen hervorrufen.

Aufgrund der vergleichsweise geringen Frequentierung ist die gesamte Straßenoberfläche mehr oder weniger stark besiedelt von u.a. Kahles Bruchkraut Herniaria glabra subsp. glabra, Gewöhnliche Schafgarbe (Achillea millefolium L.), Breit-Wegerich (Plantago major agg.), Löwenzahn (Taraxacum spec.) und Schaf-Schwingel (Festuca ovina L., s. str.).
In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands wird Herniaria glabra ssp. glabra als ungefährdet eingestuft. Gleichwohl liegen bisher vglw. wenige Daten über die Pflanze in fast jeder Hinsicht vor. Die Einschätzung der Expert:innen in S-H ist etwas anders: In Schleswig-Holstein wird sie in der Roten Liste in der Vorwarnstufe geführt. Die Vorwarnstufe bedeutet einen merklichen Rückgang, aber aktuell noch keine Gefährung im Sinne der RL. Bei Fortbestehen der bestandsreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ wahrscheinlich.
Das Kahle Bruchkraut gehört zur Familie der Nelkengewächse, Caryophyllaceae.
Linktipp
Schleswig-Holstein.de: Übersicht der Roten Listen in S-H

Giftige Schlackesteine auch in Kiel und Umgebung im Küstenschutz, NOK…
Schlackesteine als Straßenbelag