Kahles Bruchkraut – Herniaria glabra subsp. glabra

Kahles Bruchkraut – Herniaria glabra subsp glabra
Im Kieler Stadtgebiet findet sich u.a. in Fugen von Granit-Großpflaster die Unterart glabra des Kahlen Bruchkrautes, Herniaria glabra subsp. glabra. Größere Bestände kann man unter anderem auf dem Rathausplatz (!) in vielen Exemplaren finden.

Auch auf den Großpflasterflächen entlang der Kaistraße in Hafennähe hat das Bruchkraut Fuß gefasst. Auf älteren größeren Parkflächen aus Granit-Großpflaster habe ich es bisher in allen Stadtteilen Kiels gefunden, in denen ich nach Bruchkraut gesucht habe (u.a. Mitte, Vorstadt, Gaarden, Hassee, Wik, Friedrichsort, Wellingdorf, Dietrichsdorf).
Das Foto zeigt ein jüngeres Exemplar (rechts im Bild) zusammen mit Breit-Wegerich, Plantago major agg..
Interessanterweise ist Herniaria aber in Straßenflächen aus Granit nicht oder zumindest viel seltener zu finden. Beispiel hierfür ist der Straßenzug Altenrade (Hassee). Die dortige Granitpflasterung ist sehr alt. Das Bruchkraut suchte ich dort vergeblich während es wenige Meter weiter in den Parkstreifen der Straße Zum Hasseer Bahnhof zu finden ist. In dieser Straße (Sackgasse zwischen Citti-Park und Hasseer Straße) gibt es einen kleineren Bestand auf den von der Hasseer Straße aus betrachtet hinteren Parkplätzen. Möglicherweise finden sich auf den vorderen Parkplätzen keine Exemplare wegen der intensiveren Nutzung vor allem durch PKW. Gründe für das Fehlen des Kahlen Bruchkrauts in den Straßenflächen könnte die höhere Streusalzexposition sowie intensiveres Befahren und vielleicht auch die Straßenreinigung sein.

Die in der Literatur angegebene Größe von 5 bis 15 cm erreichen die o.g. Exemplare allerdings nicht. Sie nutzen den Schutz der Fuge und erreichen nur in unbetretenen Randbereichen Größen von über 1-2 cm. Über 5cm Größe konnte ich das Bruchkraut an diesen Standorten noch nie finden. Ein Exemplar von 5cm würde ich persönlich schon als „Riesen“ wahrnehmen.

In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands wird Herniaria glabra ssp. glabra als ungefährdet eingestuft. Gleichwohl liegen bisher vglw. wenige Daten über die Pflanze in fast jeder Hinsicht vor. Die Einschätzung der Expert:innen in Schleswig-Holstein ist etwas anders: In S-H wird sie in der Roten Liste in der Vorwarnstufe geführt. Die Vorwarnstufe bedeutet einen merklichen Rückgang, aber aktuell noch keine Gefährung im Sinne der RL. Bei Fortbestehen der bestandsreduzierenden Einwirkungen ist in naher Zukunft eine Einstufung in die Kategorie „Gefährdet“ wahrscheinlich.

Das Kahle Bruchkraut gehört zur Familie der Nelkengewächse, Caryophyllaceae.

Linktipp: Übersicht der Roten Listen in S-H