Gewöhnlicher Wasserdost als Fugenvegetation in Klinker-Mauerwerk

Gewöhnlicher Wasserdost, Eupatorium cannabinum, in Mauerwerksfuge
Gewöhnlicher Wasserdost, Eupatorium cannabinum, in Mauerwerksfuge
Der Gewöhnliche Wasserdost (Eupatorium cannabinum L.) wächst hier in Fugen eines mit Beton verbundenen Ton-Klinker-Mauerwerks. Wie der Name schon nahelegt wächst die ausläufertreibende Staude bevorzugt auf feuchteren Böden. Wasserdost (Wasserhanf) schätze ich auch wegen der großen Attraktivität der Pflanze für die Tierwelt (Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wildbienen, Hummeln u.v.a.m.).

Da die Blütezeit im Juli beginnt und sich bis September zieht, stellt sie für viele Tierarten eine wichtige Nektarquelle in einer Zeit dar, in der die Blüten weniger werden.

Wie viele „Wasserrand-Pflanzen“ ist sie in gärtnerischer Kultur vergleichsweise breit anbaufähig. Selbst auf reinen Sandböden mit geringer Humusauflage kenne ich alte Stöcke in Privatgärten, die nicht oder extrem selten bewässert werden. Auf den wasserhaltefähigeren Lehmböden kenne ich auch bei langanhaltender Trockenheit keine Kulturprobleme, wenn man als Maßstab das Überleben der Pflanze setzt (und nicht ein optimiertes Aussehen / einen optimierten Ertrag für Floristik).

Insofern war ich nicht komplett überrascht, als ich in den Mauerfugen des ehemaligen Militärgebäudes auf dem MFG5-Gelände in Kiel-Holtenau zwei Exemplare von Eupatorium cannabinum fand. Es sind eindeutig Pflanzen, die dort seit mehrere Jahren wachsen. Erstaunt hat mich aber doch der standortbezogen prächtige Zustand der Pflanzen. Wir hatten in Kiel im Verhältnis zu großen Teilen des Bundesgebietes viel Glück in Bezug auf Hitze und Trockenheit in diesem Sommer. Trotzdem waren sehr heiße Tage und auch Trockenheit für viele Pflanzen (und auch die hier lebenden Menschen) in diesem Jahr ein Problem.

Eupatorium cannabinum, Gewöhnlicher Wasserdost, in Mauerwerksfuge
Eupatorium cannabinum, Gewöhnlicher Wasserdost, in Mauerwerksfuge
Allerdings scheint die ausreichende Wasserversorgung durch das Mauerwerk des ehemaligen Bundeswehr-Gebäudes gut gewährleistet. Das spricht für einen suboptimalen Zustand des Bauwerks, der durch den Bewuchs mit Wasserdost und anderen Pflanzen nicht verbessert wird.

FloraWeb zitiert zu Standort der Pflanze: „Sickerfrische bis -feuchte Auen-Wälder und ihre Säume, Waldschläge u. -verlichtungen, an Ufern u. Gräben, basenhold, nährstoffanspruchsvoll“

Nach Heinz Ellenberg hat Eupatorium cannabinum folgende Ökologische Zeigerwerte :
L7 T5 K3 R7 F7N8 S0 M- (Erklärung: siehe Links)
Die fett unterlegten Zeigerwerte bedeuten:
Feuchtezahl (F): 7 Feuchtezeiger: Schwergewicht auf gut durchfeuchteten, aber nicht nassen Böden
Stickstoffzahl (N): 8 ausgesprochener Stickstoffzeiger: zwischen 7 und 9 stehend

Der Standort ist also nach den von Ellenberg u.a. ermittelten Kennzahlen sehr untypisch. Dies auch in Bezug auf die Stckstoffzahl N: Zwar haben wir unnatürlicherweise durch menschliches Handeln sehr hohe Stickstoffniederschläge auf alle Flächen – aber in das Mauerwerk? Möglicherweise hat die Pflanzenart in Bezug auf den Stickstoffwert eine ähnlich hohe Toleranz wie in Bezug auf die Wasserversorgung.

Verwendung der Pflanze in Floristik, Küche und Naturheilkunde

Gewöhnlicher Wasserdost wird in der Floristik verwendet für Blumensträuße. Sie hat einen aromatischen Duft, der an Oregano (Gewöhnlicher Dost), Origanum vulgare L., erinnert. Als Ersatz für diese bekannte Gewürz- und Heil-Pflanze wurde Eupatorium cannabinum seit Jahrhunderten verwendet. Die Verwendungsmöglichkeiten sind in Pflanzenheilkunde und in Küche ähnlich: Die Pflanze schmeckt oregano-ähnlich – allerdings wesentlich herber.
Von diesen Verwendungen wird mittlerweile Abstand genommen wegen des vergleichsweise hohen Gehalts an Pyrrolizidinalkaloiden, die leberschädigend wirken können. Sie ist daher als Giftpflanze eingestuft.

Die Pflanze ist in Schleswig-Holstein weit verbreitet und in ihrem Bestand nicht gefährdet. Aufgrund der geringen Toleranz gegenüber Salz (siehe Zeigerwerte) ist sie an der Nordseeküste deutlich seltener vorkommend oder auch fehlend.

Als Hinweis für die besondere tierökologische Bedeutung sind im Anhang Schmetterlingsarten veröffentlicht, denen der Wasserdost als Futterpflanze dient. Die Liste ist ein Volltextzitat von Floraweb (siehe Linkliste).

Links

FloraWeb: Eupatorium cannabinum L. (Gewöhnlicher Wasserdost)
FloraWeb: Eupatorium cannabinum: Schmetterlinge.
planten.de: Ellenberg-Zeigerwerte

Bedeutung für Schmetterlinge

(Volltextzitat von Floraweb (siehe Linkliste))

Die Pflanze ist Nektar- oder Raupenfutter-Pflanze für folgende Schmetterlingsarten:

Amata phegea (LINNAEUS, 1758) (Weißfleck-Widderchen)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Eilema depressa (ESPER, 1787) (Nadelwald-Flechtenbärchen)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Eilema griseola (HÜBNER, 1803) (Bleigraues Gelbsaumflechtenbärchen)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Eilema lurideola (ZINCKEN, 1817) (Grauleib-Flechtenbärchen)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag

Euplagia quadripunctaria (PODA, 1761) (Spanische Fahne)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag, Vor der Überwinterung an Kräutern, danach an div. Gehölzarten

Euplagia quadripunctaria (PODA, 1761) (Spanische Fahne)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Spilosoma lubricipeda (LINNAEUS, 1758) (Gelber Fleckleibbär)
Gruppe Arctiidae; Spinnerartige
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Chloroclystis v-ata (HAWORTH, 1809) (Weiderich-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Eupithecia absinthiata (CLERCK, 1759) (Wermut-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag, nach Weigt (1977) verschiedene Typen (A-C) mit eigenen Fraßpflanzen

Eupithecia expallidata (DOUBLEDAY, 1856) (Fuchs-Kreuzkraut-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Eupithecia goossensiata (MABILLE, 1869) (Heidekraut-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Eupithecia icterata (DE VILLERS, 1789) (Gehölzstaudenflur-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Eupithecia pimpinellata (HÜBNER, 1813) (Bibernellen-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, auch an Apiaceen

Eupithecia subfuscata (HAWORTH, 1809) (Waldkräuter-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag, diverse Kräuter, Stauden und Sträucher

Eupithecia succenturiata (LINNAEUS, 1758) (Rainfarn-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Eupithecia tripunctaria (HERRICH-SCHÄFFER, 1852) (Brustwurz-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Eupithecia tripunctaria (HERRICH-SCHÄFFER, 1852) (Brustwurz-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, div. Apiaceen; Saugpflanze ist oft auch Eiablageort

Eupithecia virgaureata (DOUBLEDAY, 1861) (Rötlicher Goldruten-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Stadium ohne Angabe

Gymnoscelis rufifasciata (HAWORTH, 1809) (Zwerg-Blütenspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Hypoxystis pluviaria (FABRICIUS, 1787) (Blaßgelber Besenginsterspanner)
Gruppe Geometridae; Spanner
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Hesperia comma (LINNAEUS, 1758) (Komma-Dickkopffalter)
Gruppe Hesperiidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Maculinea nausithous (BERGSTRÄSSER, 1779) (Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling)
Gruppe Lycaenidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Polyommatus icarus (ROTTEMBURG, 1775) (Gemeiner Bläuling)
Gruppe Lycaenidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Saugt auch an Kot.

Thecla betulae (LINNAEUS, 1758) (Nierenfleck-Zipfelfalter)
Gruppe Lycaenidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Honigtau.

Aetheria bicolorata (HUFNAGEL, 1766) (Korbblütler-Haldeneule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Autographa bractea ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) (Silberblatt-Goldeule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Autographa jota (LINNAEUS, 1758) (Jota-Goldeule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Raupen-Futterpflanze, Stadium ohne Angabe

Diachrysia chryson (ESPER, 1789) (Wasserdost-Goldeule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag

Gortyna flavago ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) (Kletteneule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Raupen-Futterpflanze, Phagiestufe polyphag, lebt im Mark dickstengeliger Hochstauden

Heliothis viriplaca (HUFNAGEL, 1766) (Karden-Sonneneule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag

Ipimorpha retusa (LINNAEUS, 1761) (Weidenbusch-Blatteule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag

Lasionycta proxima (HÜBNER, 1809) (Violettgraue Kapseleule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag, auch an Disteln

Xestia ochreago (HÜBNER, 1809) (Gelbliche Alpen-Erdeule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Xestia sexstrigata (HAWORTH, 1809) (Gelbbraune Quecken-Erdeule)
Gruppe Noctuidae; Eulenfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Apatura iris (LINNAEUS, 1758) (Großer Schillerfalter)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Nasse Erde, Kot, Aas, Schweiß, Tau, Baumsäfte, faules Seegras

Araschnia levana (LINNAEUS, 1758) (Landkärtchen)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Saugt auch an feuchter Erde, Kot und Aas.

Argynnis paphia (LINNAEUS, 1758) (Kaisermantel)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Hipparchia fagi (SCOPOLI, 1763) (Großer Waldportier)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Saftsauger (blutende Bäume, Fallobst), seltener an Pflanzen

Hipparchia semele (LINNAEUS, 1758) (Ockerbindiger Samtfalter)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Kot, Urin, Saftsauger an Birken.

Polygonia c-album (LINNAEUS, 1758) (C-Falter)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Saugt auch an Fallobst, feuchter Erde, Kot und Baumwunden.

Vanessa atalanta (LINNAEUS, 1758) (Admiral)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe, Saftsauger an Obst (Pflaume, Zwetschge, Birne).

Vanessa cardui (LINNAEUS, 1758) (Distelfalter)
Gruppe Nymphalidae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Pieris napi (LINNAEUS, 1758) (Raps-Weißling)
Gruppe Pieridae; Tagfalter
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Chamaesphecia empiformis (ESPER, 1783) (Wolfsmilch-Glasflügler)
Gruppe Sesiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag

Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) (Bremsen-Glasflügler)
Gruppe Sesiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

Synanthedon tipuliformis (CLERCK, 1759) (Johannisbeer-Glasflügler)
Gruppe Sesiidae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Phagiestufe polyphag

Thyris fenestrella (SCOPOLI, 1763) (Waldreben-Fensterfleckchen)
Gruppe Thyrididae; Spinnerartige
Phagie Nektarpflanze, Stadium ohne Angabe

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