Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Teamwork für den Wachtelkönig: Wie Landwirtschaft, Ehrenamt und Natur-schutz gemeinsam seltene Wiesenvögel im Stiftungsland Curauer Moor schützen
Es ist kurz nach vier Uhr an einem Sommermorgen im August. Über den Feuchtwiesen des Curauer Moors nordwestlich von Bad Schwartau liegt noch Nebel. Während viele Menschen noch schlafen, bereitet sich ein ungewöhnliches Team auf seinen Einsatz vor: Ein ehrenamtlicher Drohnenpilot startet seine Wärmebilddrohne. Naturschützer*innen stehen mit Bambusstöcken bereit, um mögliche Brut- und Aufenthaltsflächen der seltenen Wachtelkönige zu markieren. Die Landwirt*innen warten mit ihren Mähwerken auf das Startsignal.
Denn bevor die Wiesen gemäht werden, soll sichergestellt sein, dass die gut versteckten Bodenbrüter und ihre Küken nicht unter die Messer geraten. Ein Morgen, der zeigt, wie Landwirtschaft, Ehrenamt und Naturschutz Hand in Hand funktionieren können.
Erste Rufe in der Nacht
Bereits Mitte Mai hörte Oliver Juhnke vom NABU Ostholstein Süd während seiner nächtlichen Beobachtungstour den ersten Wachtelkönig rufen. Eine Woche später war der Ruf immer noch an derselben Stelle zu hören – ein erster Hinweis auf ein festes Revier dieses seltenen Wiesenvogels. Weitere nächtliche und tagsüber durchgeführte Kontrollen bestätigten den Verdacht: Mindestens fünf Wachtelkönig-Männchen hatten im Stiftungsland Curauer Moor ihre Reviere bezogen.
Wettlauf gegen die Zeit
Jetzt begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn ab dem 21. Juni durften die Feuchtwiesen erstmals wieder gemäht werden. In der Zeit vom 21. März bis 20. Juni gilt auf ökologisch sensiblen Flächen ein Mahdverbot, damit sich Pflanzen ungestört entwickeln können. Für die Wachtelkönige wäre eine unkoordinierte Mahd fatal gewesen. Die Bodenbrüter verstecken ihre Nester tief im hohen Gras. Eier und Küken hätten kaum eine Chance gehabt.
Sofort informierte Oliver Juhnke den Wiesenvogelschutz in Schleswig-Holstein, die Untere Naturschutzbehörde, die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und die beteiligten Landwirt*innen. Innerhalb weniger Tage wurden die Brutreviere gemeinsam möglichst exakt eingegrenzt. Je kleiner die geschützte Fläche, desto weniger Ernteausfall für die Landwirt*innen – und desto größer zugleich die Chance auf eine erfolgreiche Brut.
Wärmebilddrohne hilft beim Schutz
Dabei kam moderne Technik zum Einsatz: Als ehrenamtlicher Drohnenpilot vom NABU unterstütze Meinrad Hieble das Team mit einer Wärmebilddrohne. In den frühen Morgenstunden konnten die Brutbereiche noch genauer lokalisiert werden. Anschließend markierten Naturschützer*innen die Schutzbereiche mit gut sichtbaren Bambusstäben. Erst danach rückten die Mähwerke an. Die markierten Bereiche blieben unberührt.
Gute Zeichen für den Wachtelkönig-Nachwuchs
Der Einsatz macht Hoffnung: An zwei Stellen im Curauer Moor blieben mögliche Brut- und Aufenthaltsbereiche der Wachtelkönige bei der Mahd ausgespart. Um die genaue Anzahl der Küken und den Bruterfolg zu ermitteln, seien weitere Drohnenflüge nötig, erklärt Oliver Juhnke vom NABU Ostholstein Süd. In den beiden bei der Mahd ausgesparten Bereichen seien auch nach den Mäharbeiten tagsüber noch rufende Wachtelkönige festgestellt worden. Das deute auf eine erfolgreiche Brut hin. „So sieht erfolgreicher Wiesenschutz aus. Viele Menschen bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung zusammen, reagieren schnell und ziehen an einem Strang. Genau diese Zusammenarbeit macht den Erfolg“, sagt Oliver Juhnke vom NABU Ostholstein Süd.
Das Curauer Moor bietet dem Wachtelkönig ideale Bedingungen. Die extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen werden nur einmal jährlich gemäht oder mit wenigen Rindern beweidet. Das hohe Gras schützt die Nester, zugleich finden Küken hier in diesem artenreichen Lebensraum reichlich Insekten als Nahrung.
Davon profitiert längst nicht nur der Wachtelkönig. Mit jedem vernässten Hektar und jeder extensiv bewirtschafteten Wiese wächst ein Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten. „Naturschutz funktioniert dann besonders gut, wenn alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen. Unser gemeinsamer Einsatz für den Wachtelkönig zeigt eindrucksvoll, dass Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen, sondern gemeinsam Großes erreichen können“, sagt Heike Henning, zuständige Flächenmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Lebensraum soll weiterwachsen
Die Arbeiten im Curauer Moor gehen deshalb weiter. Durch weitere Wiedervernässungsmaßnahmen und eine extensive Bewirtschaftung sollen die Lebensräume für den Wachtelkönig und viele andere Wiesenvogelarten auch künftig erhalten und verbessert werden.