Rendsburg-Eckernförde: Floß am Holmer See schützt Flussseeschwalben

Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Hand in Hand fürs schwimmende Kükenzimmer: Spender*innen bauen Rettungsinsel für Flussseeschwalben

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bringt spendenfinanziertes Brutfloss auf dem Holmer See zu Wasser – Menschenkette befüllt neuen sicheren Brutplatz gemeinsam mit Kies.

Viele Hände, viele Eimer, zweieinhalb Tonnen Kies und ein gemeinsames Ziel: am Holmer See bei Kosel im Kreis Rendsburg-Eckernförde wird eine neue Rettungsinsel für die besonders gefährdete Flussseeschwalbe zu Wasser gelassen.

Spender*innen, Unterstützerinnen und das Team der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein packen gemeinsam an und befüllen das neue etwa 16 Quadratmeter große Brutfloß per Menschenkette mit Kies. Anschließend geht das schwimmende Kükenzimmer zu Wasser. Dort schwimmt es dann und ist bereit für seine ersten gefiederten Bewohner, die im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurückkommen und schon aus der Luft dieses fertig eingerichtet Kinderzimmer ausmachen können.

Möglich wird das Artenschutzprojekt vor allem durch Spenden. Insgesamt 18.000 Euro steuern die Förde Sparkasse, das Reformhaus Kaubisch, TRIXIE Heimtierbedarf und ein Mitglied des Freundeskreises, dem Förderverein der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein bei. Hinzu kommen Spenden zahlreicher Privatpersonen, die sich unter anderem an der Oster-Spendenaktion der Stiftung für neue Brutflösse beteiligt haben.

„Dieses Projekt zeigt auf wunderbare Weise, was gemeinsames Engagement für die Natur bewegen kann. Unsere Spender*innen finanzieren nicht einfach nur ein Brutfloß – sie helfen mit ihren eigenen Händen dabei einen neuen sicheren Ort für die Flussseeschwalbe zu schaffen“, sagt Karen Marggraf von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, die das Spendenprojekt initiiert und koordiniert hat. „Wenn der Kies über die Menschenkette von Hand zu Hand wandert und am Ende daraus eine kleine Rettungsinsel für die Vögel entsteht, wird Naturschutz im wahrsten Sinne des Wortes greifbar.“

Ein schwimmendes Kükenzimmer mit eingebauten Räuberschutz

Fluss-Seeschwalben brauchen offene, möglichst störungsarme Brutplätze mit Sand und Kies. Genau solche Küstenbereiche aus Kies sind an Nord- und Ostsee selten und viel zu riskant. Denn: Die Bodenbrüter wühlen nur eine kleine Mulde in das steinige, kiesige Ufer und legen dort ihre – wie Steine aussehenden – gesprenkelten Eier ab. Eine leichte Beute für Fressfeinde wie Fuchs, Mink und Waschbär.

Das schwimmende Brutfloß bietet den Vögeln mit dem charakteristisch roten Schnabel, perfekte Bedingungen – wie am Ufer – nur besser geschützt. Ein geschützter Ersatzbrutplatz also. Seine robuste Unterkonstruktion besteht aus langlebigem, witterungsbeständigem Kunststoff. Vollständig geschlossene Auftriebskörper machen die Konstruktion unsinkbar, ihr hohes Eigengewicht sorgt für Stabilität auch bei Wind und Wetter. Die glatten Außenflächen erschweren schwimmenden Räubern wie Fuchs oder Marderhund den Aufstieg auf die Insel.

Obendrauf wartet dagegen, alles, was eine Fluss-Seeschwalben-Familie braucht: Kies und Sand ahmen die natürlichen Brutplätze an sandig-kiesigen Ufersäumen nach. Kleine Unterschlupfe bieten den Küken zusätzlich Schutz vor schlechtem Wetter und Greifvögeln.

„Für uns sieht es vielleicht nur nach einer schwimmenden Kiesfläche aus. Für eine Flussseeschwalbe kann genau dieser Platz darüber entscheiden, ob sie ihre Jungen erfolgreich großziehen kann“, sagt Oliver Granke, Projektleiter sämtlicher Wiesen- und Küstenvogelschutzprojekte der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Wir haben mit den Brutflößen an anderen küstennahen Gewässern in Schleswig-Holstein bereits gute Erfahrungen gemacht. Diese Erfolgsgeschichte möchten wir jetzt am Holmer See fortsetzen.“

Jetzt wird aus den Spenden schließlich etwas Handfestes: Die Unterstützer*innen bilden gemeinsam mit weiteren Helfer*innen eine Menschenkette zwischen Kieslieferung und Brutfloß. Eimer für Eimer wandert das Material durch viele Hände auf die schwimmende Insel, bis der neue Brutplatz fertig ist.

Ein neuer Logenplatz für die Vogelwelt am Holmer See

Nach dem das Brutfloss zu Wasser gelassen wurde, wird es nicht sich selbst überlassen. Ein Team der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein kontrolliert die Insel regelmäßig und kümmert sich um ihre Instandhaltung. Ob die Fluss-Seeschwalben das neue Angebot annehmen, wird sich in der kommenden Brutsaison zeigen.

Wer das Geschehen am Holmer See beobachten möchte, findet seit September einen pas-senden Logenplatz: Direkt am vorbeiführenden Wander- und Radweg hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ihre erste Naturgenuss-Station eingerichtet. Von der kleinen Ruhe-Oase öffnet sich der Blick über die Wilde Weide und den See – und künftig vielleicht auch auf Fluss-Seeschwalben, die auf ihrer neuen schwimmenden Rettungsinsel ihre Küken großziehen.

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