Hans Schiebelhuth: Blume Drangsal

Hans Schiebelhuth
(* 11. Oktober 1895 in Darmstadt bis † 14. Januar 1944 in East Hampton, New York)

Blume Drangsal

Blühmüd, mühmüd, nie gereift,
Nie Frucht geworden, Mahl, noch Bitterbeere, Zierde
einem Tische
Heftest du wertlos am Weg, ein Ätzkraut, bis
der zerstörerische
Fuß des Verfemten versehrend dich streift.
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Emmy Hennings: Ätherstrophen

Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg bis † 10. August 1948 in Sorengo)

Ätherstrophen

Jetzt muss ich aus der großen Kugel fallen.
Dabei ist in Paris ein schönes Fest.
Die Menschen sammeln sich am Gare de l’est
Und bunte Seidenfahnen wallen.
Ich aber bin nicht unter ihnen.
Ich fliege in dem großen Raum.
Ich mische mich in jeden Traum
Und lese in den tausend Mienen.
Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer.
Mich hypnotisiert sein letzter Blick.
Wir sehnen einen Sommertag zurück…
Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer…

Richard Dehmel: Sommerabend

Richard Dehmel
(* 18. November 1863 † 8. Februar 1920)

Sommerabend

Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.
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Annette von Droste Hülshoff: Der Weiher

Annette von Droste Hülshoff
(* 10. oder 12. Januar 1797 auf Burg Hülshoff bei Münster bis † 24. Mai 1848 in Meersburg)

Der Weiher

Er liegt so still im Morgenlicht,
so friedlich, wie ein fromm Gewissen;
wenn Weste seinen Spiegel küssen,
des Ufers Blume fühlt es nicht;
Libellen zittern über ihn,
blaugoldne Stäbchen und Karmin,
und auf des Sonnenbildes Glanz
die Wasserspinne führt den Tanz;
Schwertlilienkranz am Ufer steht
und horcht des Schilfes Schlummerliede;
ein lindes Säuseln kommt und geht,
als flüstr‘ es: Friede! Friede! Friede!
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Margarete Beutler: Als ich ein Zimmer verließ

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Als ich ein Zimmer verließ

Du lieber Raum, nun müssen wir uns trennen!
Ins Fenster grüßt die schlanke Rosenranke
noch einmal wie ein glücklicher Gedanke
aus Tagen, die mich ganz ihr eigen nennen.
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