Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Herbst
Auf einmal musste ich singen…
und ich wusste nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich.
Else Lasker-Schüler: Herbst weiterlesen
Baum, Bäume. Großbaum, Großbäume. Kleinbaum, Kleinbäume. Trees.
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Herbst
Auf einmal musste ich singen…
und ich wusste nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich.
Else Lasker-Schüler: Herbst weiterlesen
Der Weiher
Er liegt so still im Morgenlicht,
so friedlich, wie ein fromm Gewissen;
wenn Weste seinen Spiegel küssen,
des Ufers Blume fühlt es nicht;
Libellen zittern über ihn,
blaugoldne Stäbchen und Karmin,
und auf des Sonnenbildes Glanz
die Wasserspinne führt den Tanz;
Schwertlilienkranz am Ufer steht
und horcht des Schilfes Schlummerliede;
ein lindes Säuseln kommt und geht,
als flüstr‘ es: Friede! Friede! Friede!
Annette von Droste Hülshoff: Der Weiher weiterlesen
Louise Aston (1814-1871)
Lied einer schlesischen Weberin
Wenn’s in den Bergen rastet,
Der Mühlbach stärker rauscht,
Der Mond in stummer Klage
Durch’s stille Strohdach lauscht;
Wenn trüb die Lampe flackert
Im Winkel auf dem Schrein:
Dann fallen meine Hände
Müd in den Schooß hinein.
Louise Aston: Lied einer schlesischen Weberin weiterlesen
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)
Sommermorgen
Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.
Marie von Ebner-Eschenbach: Sommermorgen weiterlesen
Joseph von Eichendorff
(* 10. März 1788 † 26. November 1857)
Frühlingsgruß
Es steht ein Berg in Feuer,
In feurigem Morgenbrand,
Und auf des Berges Spitze
Ein Tannbaum überm Land.
Joseph von Eichendorff: Frühlingsgruß weiterlesen
Ferdinand Hardekopf
(* 15. Dezember 1876 † 26. März 1954)
Baum
Zerdachter Turm,
Runenfels,
Furchensäule,
Gerieftes Bewusstsein:
Wagst Weite und Wolken, wie du willst,
Dich splitternd in die Nuancen,
In die Scheine deiner Dunkelheit.
Welchem Geiste gelänge solche Verzweigung,
Welcher Weisheit solche Verästelung,
Welchem Raffinement solche Zerblätterung?
Baum!
In zitternde Strahlen zerlegst du
Deine Nervosität.
Aber deine Äste leimt zart
Sphärenblauer Eiter des Mittags, zerschichtet von den kupfer-goldnen Telegraphenhaaren der Spinne.
Sehr absichtlich trägst du
Efeu, modernes Moos und die auffallende Lyrik einiger Vögel.
… Doch, bitte,
Bäume dich,
Und wehre dem Einkleid,
Zu bedrohen
Deine
Différenciation.