Peru: Viele Tote nach Polizeimassaker am Rande des Regenwalds

Nachfolgend wird eine geringfügig gekürzte und veränderte Pressemitteilung von Rettet den Regenwald e.V. dokumentiert.

Polizei löst gewaltsam Strassenblockade der Ureinwohner auf

Bei der gewaltsamen Auflösung einer Strassenblockade der Ureinwohner nahe dem Ort Bagua in der Provinz Amazonas im Norden Perus sind am gestrigen Freitag, dem 5. Juni 2009, mindestens 9 Polizisten und 7 Zivilisten ums Leben gekommen. Andere Quellen sprechen gar von bis zu 27 toten Zivilisten. Etwa 100 Verletzte sind außerdem zu beklagen, darunter vier Kinder. Die friedlich demonstrierenden Indianer sollen sogar von Hubschraubern aus beschossen worden sein.

30.000 Ureinwohner blockierten bereits seit April die Zufahrstrassen zu ihren angestammten Territorien im peruanischen Amazonasgebiet. Sie protestieren damit gegen Gesetzesänderungen und die Politik der peruanischen Regierung, den Regenwald zur Förderung von Bodenschätzen zu zerstören. Die Ausbeutung von Öl-, Gas- und Mineralienvorkommen im Regenwald sowie die Konzessionierung der Urwaldgebiete an Holzfirmen und Palmölplantagenbetreiber bedroht das Überleben der Ureinwohner, darunter sogar mehrere unkontaktierte, in freiwilliger Isolation lebende Gruppen.

„Es ist wichtig zu erkennen, dass unser exzessiver Konsum in den reichen und Schwellenländern die Wurzel dieser für die Ureinwohner und den Regenwald tödlichen Konflikte ist“, erklärt Reinhard Behrend, Vereinsvorsitzender von Rettet den Regenwald. „Wir bitten die Menschen, keine Hölzer aus industriellem Holzeinschlag zu nutzen, kein Erdöl und Mineralien aus Regenwaldgebieten einzusetzen und bei den peruanischen Botschaften in aller Welt gegen die sinnlose Gewalt zu protestieren.“

Die Gesetze wurden im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen verabschiedet, das Peru mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet hat. Diese ermöglichen vor allem ausländischen Öl- und Bergbaukonzernen sowie Investoren den Zugriff auf die Ressourcen des südamerikanischen Landes. Die Indianergemeinschaften beklagen, dass bereits jetzt rund 70% des peruanischen Amazonasgebiets für die Öl- und Gas-Exploration konzessioniert ist, die Holzindustrie die letzten intakten Regenwaldgebiete plündert und Firmen Ölpalmplantagen zur Produktion von „Biodiesel“ im Urwald roden. Diese Aktivitäten gefährden das Leben der Menschen und die Artenvielfalt des Amazonasgebiets.

„Wir fordern die peruanische Regierung auf, die Proteste friedlich auf dem Verhandlungsweg zu lösen“, erklärt Klaus Schenck, Waldcampaigner und Lateinamerikaexperte von Rettet den Regenwald. „Die anerkannten Rechte der Indigenen müssen eingehalten, ihre angestammten Territorien und der Regenwald geschützt werden. Sie dürfen nicht den Motorsägen, Baggern und Bohrtürmen der Industriefirmen zum Opfer fallen. Der Amazonasregenwald ist ein unersetzlicher Schatz der gesamten Menschheit und die grüne Lunge der Erde.“

Bereits am 9. Mai hatte die peruanische Regierung den Notstand für 60 Tage für mehrere Provinzen im Amazonasgebiet ausgerufen. Militär-und Sondereinheiten der Polizei wurden entsendet, um die friedlichen Proteste gewaltsam zu unterdrücken und die Interessen der überwiegend großen Unternehmen aus dem Ausland zu schützen. Mehrere Fälle von Gewalt gegen indigene Demonstranten waren zu verzeichnen. Das Massaker an der Strassenblockade ist der traurige Höhepunkt der Konflikte. Die Indigenenorganisationen haben zu einer nationalen Mobilisierung am 11. Juni 2009 aufgerufen und ein nationales Kampfkomitee gebildet.

HINWEIS: Seit dem 28. Mai läuft die Protest- und Solidaritätsaktion von Rettet den Regenwald e.V.: Schreiben Sie auf unserer Webseite an den peruanischen Präsidenten Alan Garcia und fordern sie einen Stopp der Zerstörung der Indianer- und Regenwaldgebiete sowie die Rückkehr zum friedlichen Dialog: www.regenwald.org