Marie Ebner-Eschenbach: Sommermorgen

Marie Ebner-Eschenbach

Sommermorgen

Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.
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Hermann von Lingg: Frühlingsmorgen

Hermann von Lingg:

Frühlingsmorgen

Tief im Winter hör‘ ich’s gerne,
Eh‘ die Sonn‘ hervorgewallt,
Wie durchs Dunkel aus der Ferne
Eine Morgenglocke schallt.

Im August, wenn Donner rollen,
Freut mich’s wie die Windfahn‘ ächzt,
Und im Herbst, wenn auf den Schollen
Abends spät ein Rabe krächzt.

Doch was kann mein Herz erweitern
Wie der erste Finkenschlag,
Wie der Lerche Lied am heitern,
Wundervollen Frühlingstag?

Francisca Stoecklin: Schweigen der Nacht

Francisca Stoecklin
(* 11. September 1894 Basel bis † 1. September 1931 Basel)

Schweigen der Nacht

Die Nacht trägt gar ein stilles Kleid,
Aber in seinen Falten wacht das Leid.
Die Nacht ist voll Ruhe und wie ein Grab.
Vor Dunkelheit sehn wir keine Klippen.
Jetzt wirft einer sein Lächeln ab,
Und sehnen Frauen mit durstigen Lippen.
Jetzt entfällt meinen Kinderhänden das Ziel
Jetzt schweigen alle – nur der Tod spricht viel.

Gertrud Kolmar: Wappen von Berlin

Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)

Wappen von Berlin

In Silber, aufgerichtet, ein schwarzer Bär.
Die Bärin spricht: Ich habe sie getragen,
Die Stadt in meinem Schoße, Höhlenbrut.
Uns kam der Jäger, und ich musst ihn schlagen.
Ihr Schlaf in dickverschneiten Wäldertagen
War gut.
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