Charlotte von Ahlefeld
Im Herbst
Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
Graue Nebel sinken feucht und schwer,
Und der Raben hungriges Gewimmel
Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.
Charlotte von Ahlefeld: Im Herbst weiterlesen
Gedichte; Aphorismen (Sinnsprüche)
Charlotte von Ahlefeld
Im Herbst
Wie mit Flor bezogen ist der Himmel,
Graue Nebel sinken feucht und schwer,
Und der Raben hungriges Gewimmel
Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.
Charlotte von Ahlefeld: Im Herbst weiterlesen
Paul Zech
(* 19. Februar 1881 † 7. September 1946)
Der Wald
Reißt mir die Zunge aus: so habe ich noch Hände,
zu loben dieses inselhafte Sein.
Es wird ganz Ich und geht in mich hinein,
als wüchsen ihm aus meiner Stirn die Wände,
Paul Zech: Der Wald weiterlesen
Marie Ebner-Eschenbach
Sommermorgen
Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.
Marie Ebner-Eschenbach: Sommermorgen weiterlesen
Ada Christen
(* 6. März 1839 in Wien bis † 19. Mai 1901 in Inzersdorf)
Nach dem Regen
Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.
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Hermann von Lingg:
Frühlingsmorgen
Tief im Winter hör‘ ich’s gerne,
Eh‘ die Sonn‘ hervorgewallt,
Wie durchs Dunkel aus der Ferne
Eine Morgenglocke schallt.
Im August, wenn Donner rollen,
Freut mich’s wie die Windfahn‘ ächzt,
Und im Herbst, wenn auf den Schollen
Abends spät ein Rabe krächzt.
Doch was kann mein Herz erweitern
Wie der erste Finkenschlag,
Wie der Lerche Lied am heitern,
Wundervollen Frühlingstag?
Francisca Stoecklin
(* 11. September 1894 Basel bis † 1. September 1931 Basel)
Schweigen der Nacht
Die Nacht trägt gar ein stilles Kleid,
Aber in seinen Falten wacht das Leid.
Die Nacht ist voll Ruhe und wie ein Grab.
Vor Dunkelheit sehn wir keine Klippen.
Jetzt wirft einer sein Lächeln ab,
Und sehnen Frauen mit durstigen Lippen.
Jetzt entfällt meinen Kinderhänden das Ziel
Jetzt schweigen alle – nur der Tod spricht viel.
Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)
Wappen von Berlin
In Silber, aufgerichtet, ein schwarzer Bär.
Die Bärin spricht: Ich habe sie getragen,
Die Stadt in meinem Schoße, Höhlenbrut.
Uns kam der Jäger, und ich musst ihn schlagen.
Ihr Schlaf in dickverschneiten Wäldertagen
War gut.
Gertrud Kolmar: Wappen von Berlin weiterlesen