Paul Zech: Abgeräumter Park

Paul Zech
(* 19. Februar 1881 † 7. September 1946)

Abgeräumter Park

Alle Dächer ducken sich, vor dem gestrengen Wind
und noch einmal hat die Sonne einen Regenschauer
überstanden und bestrahlt ein elendes Proletenkind
und den kranken Efeu an der Kirchhofsmauer.
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August Stramm: Gewitter

August Stramm
(* 29. Juli 1874 † 1. September 1915)

Gewitter

Schwarz fletscht in Weiß
Die blauspielfrohen Dünste starren hagelgelb.
Helle flackert
Täubt zu Boden.
Wüten
Steinigt
Schlossen!
Tottoll krallet um die Nacht.
Matt aufadert Blau das Recken
Bebet bäumet
Wuchtet
Hebt sich
Stemmt die Fäuste
Hartscharfkantig
Schellet Wolken
Hellet Ängste
Steht und streckt sich
Packt das Gurgeln
Und zerwürgt es
Nach ihm stürzend
Sich verbeißend
Kollernd rollend
In
Die
Leere!
Augen
Schleiern auf und schluchzen!
Tränen
Wellen
Lösen
Schrecken!
Lichter
Grellen
Hoch im Bogen!
Klänge
Schwingen
Freie
Starke
Sonnsiegklänge!

August Stramm: Mairegen

August Stramm
(* 29. Juli 1874 † 1. September 1915)

Mairegen

Der Himmel hängt auf dem Pferderücken
Tropfen um Tropfen
Blankt
Das Fell!
Die Hufe streichen Ungeduld
Das Maul fetzt Schaum!
Zack
Zackelt der Trott die flackrigen Sehnen
In Zügel klammert die Nässe und Stemmt!
Hoch rammt der Kopf
Und stäubet Nebel!
Zack Zack
Zack Zack
Die Pfützen kreisen
Zack Zack
Zack Zack
Die Tropfen schleifen
Zack Zack
Zack Zack
Das Wittern streicht am Boden
Schritt um Schritt!
Die Erde schwült
Die Schwüle gleißt!
Mein Pferd und ich
Zerdampfen
In
Himmel und Düsen!

August Stramm: Vorfrühling

August Stramm
(* 29. Juli 1874 † 1. September 1915)

Vorfrühling

Pralle Wolken jagen sich in Pfützen
Aus frischen Leibesbrüchen schreien Halme Ströme
Die Schatten stehn erschöpft.
Auf kreischt die Luft
Im Kreisen, weht und heult und wälzt sich
Und Risse schlitzen jählings sich
und narben
Am grauen Leib.
Das Schweigen tappet schwer herab
Und lastet!
Da rollt das Licht sich auf
Jäh gelb und springt
Und Flecken spritzen –
Verbleicht
Und
Pralle Wolken tummeln sich in Pfützen.

Francisca Stoecklin: Seele der Liebenden

Francisca Stoecklin
(* 11. September 1894 Basel bis † 1. September 1931 Basel)

Seele der Liebenden

Einmal schon liebte ich dich
Und das Meer, das Meer.
Doch lichter waren damals
Die Seelen, ungetrübt
Von dunklen Taten.
Es sangen unsere Liebe
Strahlend die Sterne,
Und das Meer, das Meer.
Wie viel hundert Jahre
Sind seitdem vergangen,
Wie viel Leiden und Tode
Und Sterne. Wo blieben
Die Seelen so lange?
Wir halten uns schweigend
Die schauernden Hände.
Wir blicken uns tief
In die fragenden Augen.
Noch singen die Sterne
Und das Meer, das Meer.
Aber unfassbar ewig
Ist die Vergangenheit
Der menschlichen Seele.

Francisca Stoecklin: Wenn der Mond groß ist

Francisca Stoecklin
(* 11. September 1894 Basel bis † 1. September 1931 Basel)

Wenn der Mond groß ist

Wenn es Abend wird, fällt mir dein Lächeln ein,
Schwarzer Engel, der meine Träume umnachtet.

Im Herbst saßen wir oft auf den Bänken am Strom,
Stille Kinder, in der abendlichen Sonne.
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