Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Der Heilige

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Der Heilige

Meine Schritte schreiten mir entwandt,
Meine Finger gehen nach der Frau,
Doch im Muttergottesmantel stirbt die Hand.
Bläue meines Blicks lockt Meer ins Blau,
Das in Sturm dem Feind Zerstörung sann,
Und das gelbe Haar schwebt segnend überm Weizenfelde des Verfluchten.
Ach, da ich mit List die Netze spann
Ihn zu stellen, kamen Engel, die mich suchten,
Und sie grüßten mich: den Toderretter des Verhaßten, demuthaft.
Mord stand rot im Abend um mich her,
Doch ich sank ins Aug des Rehs, mir ganz entrafft,
Und am Stamm des schmerzenlosen Leibes brach der Speer.
So entflohn, – oh Tränen meiner Klage,
Milder Sünde sehnend zugesandt! –
Schreiten meine Schritte mir entwandt:
Steil die weiße Lilie meiner Tage
Hält der Gott in seiner harten Hand.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Selma Merbaum: Trauer

Selma Merbaum
(* 5. Februar 1924 in Czernowitz, Rumänien/Ukraine bis † 16. Dezember 1942 im Zwangsarbeitslager Michailowka, Rumänien/Ukraine)

Trauer

Lichter spiegeln sich in schmutzig-nassen Pfützen,
gelb und fettig, schmutzig auch und schwer.
Helle Häuserfenster können gar nichts nützen.
Tore hallen hehr und leer.
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Schneelast: Bruchgefahr für Bäume

Schneelast drückt Linden und andere Bäume
Schneelast drückt Linden und andere Bäume
Schneelast kann nicht nur Dächer zum Einsturz bringen: Auch Bäume sind gefährdet.

Die gilt insbesondere für Regionen, die meist keine großen Schneemengen im Winter erleben. Das wintermilde Schleswig-Holstein ist dafür ein Beispiel.
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Jakob van Hoddis: Weltende

Jakob van Hoddis
(* 16. Mai 1887 in Berlin bis † 1942 vermutlich im Vernichtungslager Sobibor)

Weltende

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei.
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
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Theodor Fontane: Die Brück‘ am Tay

Theodor Fontane
(* 30. Dezember 1819 in Neuruppin bis † 20. September 1898 in Berlin)

Die Brück‘ am Tay

„Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?“
„Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.“
„Am Mittelpfeiler.“
„Ich lösche die Flamm‘.“
„Ich mit.“
„Ich komme vom Norden her.“
„Und ich von Süden.“
„Und ich vom Meer.“
„Hei, das gibt ein Ringelreihn,
Und die Brücke muß in den Grund hinein.“
„Und der Zug, der in die Brücke tritt
Um die siebente Stund‘?“
„Ei der muß mit.“
„Muß mit.“
„Tand, Tand,
Ist das Gebilde von Menschenhand.“
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