Luise Büchner: Die Buche

Luise Büchner
(* 12. Juni 1821 in Darmstadt bis † 28. November 1877 in Darmstadt)

Die Buche

Allein steht eine Buche
Entfernt vom Waldesplan,
Von Sträuchern nur umgeben
Zu klein, sie zu erstreben,
An die sie sich nicht lehnen kann.
Luise Büchner: Die Buche weiterlesen

Emmy Hennings: Nach dem Kabarett

Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo)

Ich gehe morgens früh nach Haus.
Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell,
Doch brennt das Licht noch im Hotel.
Das Kabarett ist endlich aus.
In einer Ecke Kinder kauern,
Zum Markte fahren schon die Bauern,
Zur Kirche geht man still und alt.
Vom Turme läuten ernst die Glocken,
Und eine Dirne mit wilden Locken
Irrt noch umher, übernächtigt und kalt.

Anna Louisa Karsch: Der Weidenbaum

Anna Louisa Karsch
(* 1.12.1722 † 12.10.1791)

Der Weidenbaum

Die Muse flieht zu dir, einsamer Kranz von Weiden!
Wo ihr dein West in kühle Schatten winkt.
Ihr Bäume! die ringsum der Spree Gestade kleiden,
Wie oft mein Herz, die Ruhe in Strömen trinkt.
Anna Louisa Karsch: Der Weidenbaum weiterlesen

Emmy Hennings: Gefängnis

Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg bis † 10. August 1948 in Sorengo)

Gefängnis

Im Süden rauscht das Wasser Seide,
Wir wohnen in den schmalen Zellen,
Durchs Gitter dringt in kleinen Wellen
Die Sehnsucht nach der fernen Heide.
Emmy Hennings: Gefängnis weiterlesen

Max Dauthendey: Der Wachtelruf

Max Dauthendey
(* 25. Juli 1867 i † 29. August 1918)

Der Wachtelruf

Wir gingen sacht dem Abend nach,
Der Himmel war ein goldnes Dach,
Der Tann voll dunkler Kammern stand,
Und wie ein Bett das Ährenland.
Ein Lockruf tat ans Ohr mir gehen,
Andächtig blieb der Fuß uns stehen.
Der Wachtel Herz noch spät anschlug,
Sie hatte nicht vom Tag genug,
Sie fand noch keine Abendzeit,
Rief noch ihr Glück aus meilenweit.