Maria Luise Weissmann: Mit einer kleinen Sammlung von Kakteen. (1926)

Maria Luise Weissmann

(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Mit einer kleinen Sammlung von Kakteen.

Privatdruck für die Gesellschaft Münchener Bücherfreunde. Pasing bei München, Bachmair 1926. 14 S.
(Entstanden 1918-1920.)

1. Wie jenem König Midas…

Wie jenem König Midas: Er vernarrte
Zuletzt dem Schein von Goldenem sich so,
Daß was er griff zu gelbem Glanz erstarrte,
Speise und Trank; die Erde, drauf er floh
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Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Mund

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Mund

Ich bin nur noch ein Mund, der zu Dir spricht,
So schwand ich hin, verlor sich mein Gesicht
Und all der Leib, zu dem ich mich versammelt.
Ich bin nur noch ein Mund, der zu Dir stammelt,
Der leben blieb, sein Sterben Dir zu künden:
Er tut sich auf, und muß schon in Dich münden.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Ich bin sehr müde

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)n

Ich bin sehr müde

Mein Fenster lehnt sich weit in den Abend hinaus,
Die Wolken stehen über den Dächern, ein Blumenstrauß,
Die Luft streichelt mich und ist sanft und voll großer Güte.
Ich aber halte die Hände gefaltet, denn ich bin müde,
Und höre verwundert auf das beschwingte Schreiten
Der Menschen, die auf der Straße vorübergleiten,
So sehr sind ihnen heute die Glieder leicht.
Nur ich liege, schwergebettet in meine Müde.
Manchmal höre ich einen Schritt, der Deinem gleicht,
Dann bin ich, Geliebter, wie die Musik der Schritte leicht
Und wie die Wolken über den Dächern silberne Blüte.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Anna Louisa Karsch: An den jungen Lenz

Anna Louisa Karsch
(* 1.12.1722 † 12.10.1791)

An den jungen Lenz

Du junger Frühling kommst herab
Vom Schöpfer, um ganz neues Leben
Geschöpfen seiner Hand zu geben.
Das Blumen-Volk verläßt sein Grab,
Und mit empor gehobnem Haupte
Beschämt es den, der keinen Gott
Und für sich selbst Vernichtung glaubte.
Der Vogel wiederspricht des Wiedersprechers Spott.
Die Saat mit Millionen Zungen
Aus schwarzer Erd herauf gedrungen
Bestätiget, was er gesungen!
Der Linde Blätter lispeln nach;
Die Elbe rauscht und murmelnd spricht der Bach:
„Es ist ein Gott, der laue Winde schickte,
„Den Schnee zerschmolz, das Eis zerbrach,
„Mit jungem Grün das Ufer schmückte
„Und diese Sonne scheinen läßt!
Nach sanft gefallnem Frühlingsregen
Quackt der erweckte Frosch sein Fest,
Und Fische scherzen ihr entgegen!
Der Hirt heißt seine Heerde leben!
Sie weidet jugendliches Graß,
Blöckt ihre Freuden laut, und hört ohn Unterlaß
Sich Thal und Hügel Antwort geben!
Die Honigträgerin verläßt ihr kleines Haus
Und saugt den Veilchen, wenn sie duften,
Die Süßigkeit des kleinen Kelches aus.
Die Schwalbe kommt aus Sumpf, wie aus verschloßnen Grüften
Einst unsre Leiber neu hervor,
Sie baut ihr Haus von Stroh und fetter Erde,
Und schwitzert froh dem Menschen vor,
Daß er auch wieder leben werde!
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