Friedrich Güll: Pflaumenregen

Friedrich Güll
(1812-1879)

Pflaumenregen

Es steht ein Baum im Garten,
von Pflaumen voll und schwer.
Die Kinder drunten warten
und lauschen ringsumher,
ob nicht der Wind ihn rüttelt
und all die Pflaumen schüttelt,
daß alle purzeln kreuz und quer.
Friedrich Güll: Pflaumenregen weiterlesen

Emmy Hennings: Morfin

Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg bis † 10. August 1948 in Sorengo)

Morfin

Wir warten auf ein letztes Abenteuer,
Was kümmert uns der Sonnenschein?
Hochaufgetürmte Tage stürzen ein,
Unruhige Nächte – Gebet im Fegefeuer.
Emmy Hennings: Morfin weiterlesen

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Die Heimkehr

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Die Heimkehr

Vielleicht, daß mich der schlanke Schaft der Birke trug?!
Nun wurzelt Fuß ins Wurzelwerk der Brombeerranken.
Auf blauem Teiche meines Blicks: Libellenflug,
Gräser im Südwind meines Atems wanken
Und das in sanften Wogen wehend fließt:
Kornfeld des blonden Haares, erdgeneigt.
Ein Käfertraum an Fingerstengeln sprießt,
Grille, die aus umlaubter Achselhöhle geigt –
Oh, ich ward Tiefe, Weite und der Wald,
Der müdverhängter Wimper grün entdämmert,
Und lausche: wie der kleine Specht, mein Herz,
Aus fernem Hügel sacht herüberhämmert.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Margarete Beutler: Liebeslied

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Liebeslied

Potz, Deubelsdreck und Schwerebrett,
ick jeh mit Jette Lück zu Bett.
Jette, komm int Heu mit mich;
sieben Kinder mach ick dich;
willstu nich, denn willstu nich,
aber haben muss ick dich,
denn mir puderts fürchterlich.
Jette, komm int Heu zu mich!

Gertrud Kolmar: Krähen

Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)

Krähen

Ich will den Tag verbringen in den Feldern,
Will lächerlich wie jene Scheuche stehn;
Die großen Vögel möchten aus den Wäldern
Auch so auf mein Gewand herniederwehn,
Gertrud Kolmar: Krähen weiterlesen

Bruno Wille: Der Mohnkopf

Bruno Wille
(* 6. Februar 1860 in Magdeburg bis † 31. August 1928 auf Schloss Senftenau in Aeschach)

Der Mohnkopf

Im herben Wind am Dornenzaun
Bei toten, raschelnden Ranken,
Verödet muss dies Greisenhaupt
Die trüben Tage durchwanken –
Bruno Wille: Der Mohnkopf weiterlesen