Dill macht was er will – Anethum graveolens

Dill, Anethum graveolens: Blüte und unreife Saat
Dill (Anethum graveolens L.) findet sich in Schleswig-Holstein selten in Siedlungsnähe verwildert. Diese Vorkommen sind unbeständig.
In der Gartenkultur ist die Pflanze nicht ganz einfach. Die Heil- und Gewürzpflanze hat recht hohe Ansprüche an ihre bevorzugte Keimungstemperatur und Bodenfeuchtigkeit.

Bei kleineren Abweichungen vom Optimum reagiert die Pflanze mit z.B. unregelmäßigem Auflaufen. Zwei der Aspekte, die zum Satz „Dill macht was er will“ geführt haben.

Verwendet wird v.a. das frische oder getrocknete Kraut als Küchengewürz und auch als Heilmittel.
Die Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) ist vergleichsweise einfach von anderen Doldenblütlern zu unterscheiden: Gelbblühende Arten gibt es recht wenige und Blattform sowie weitere Merkmale lassen nur eine Verwechslung mit Echtem Fenchel (Foeniculum vulgare Mill.) zu.
Gewöhnlicher Pastinak (Pastinaca sativa L.) und Garten-Liebstöckel (Levisticum officinale Koch) beispielsweise haben eine deutlich andere Blattform.

Am einfachsten ist die Unterscheidung von Dill und Fenchel durch Geruch und Geschmack:
Dill riecht und schmeckt nach Dill – leicht herb. Dill hat kein Anisaroma. Fenchel hingegen riecht und schmeckt süßlich nach Anis (Lakritz).

Der einjährige nach der Samenbildung absterbende Dill unterscheidet sich vom Fenchel auch durch den Lebenszyklus: Fenchel ist eine Staude, also mehrjährig. Als knollige Gemüseform wird Fenchel zweijährig kultiviert und bleibt vergleichsweise klein, ist aber sicher an der bekannten Gemüseknolle erkennbar.

Auch das Erscheinungsbild ist verschieden: Die „Gewürzform“ des Fenchels wird deutlich größer: 1,5 – 2,5 Meter. Dill hingegen wird nur 50-120 cm groß. Dill wächst oft eintriebig oder mit sehr wenigen Trieben und hat relativ dünne, zierliche Stängel. Fenchel hingegen ist vieltriebig und wirkt mächtig, fast wie ein „Gebüsch“.

Gifthinweis: Dill und Fenchel (Foeniculum vulgare) enthalten sehr geringe Mengen an Furanocumarinen. Der Pflanzensaft könnte bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht Hautreizungen hervorrufen. Menschen mit sehr empfindlicher Haut sollten daher Handschuhe tragen. Gleiches gilt für Menschen, die beruflich dem Pflanzensaft langanhaltend ausgesetzt sind wie z.B. Gemüse-Gärtner:innen bei der Ernte großer Mengen.
Die sehr selten auftretenden möglichen Hautreaktionen auf das Phototoxin sind aber nicht entfernt vergleichbar mit denen, die vom Pflanzensaft des Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum Sommier & Levier) verursacht werden können: Extrem hohe Furanocumarin-Konzentration verursachen Verbrennungen zweiten Grades und Brandblasen auf der Haut.
Bei Dill und Fenschel ist das nicht zu befürchten: Lediglich milde Hautreizungen sind nach sehr intensiven Kontakt selten möglich.

Das Foto wurde aufgenommen in der Arzneipflanzenabteilung des Neuen Botanischen Garten Kiel.

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