Hedwig Lachmann: Im Schnee

Hedwig Lachmann
(* 29. August 1865 Stolp (Pommern) bis † 21. Februar 1918 in Krumbach)

Im Schnee

Schneegeriesel. Flocken über Flocken.
In der weichen Luft zerfliesst der Schaum,
Und kein Windhauch weht die Erde trocken.

Aber, wenn im Frost erstarrt der Flaum,
Reift er schnell zu glitzernden Kristallen
Und blinkt dann am Boden und am Baum.
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Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Der Heilige

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Der Heilige

Meine Schritte schreiten mir entwandt,
Meine Finger gehen nach der Frau,
Doch im Muttergottesmantel stirbt die Hand.
Bläue meines Blicks lockt Meer ins Blau,
Das in Sturm dem Feind Zerstörung sann,
Und das gelbe Haar schwebt segnend überm Weizenfelde des Verfluchten.
Ach, da ich mit List die Netze spann
Ihn zu stellen, kamen Engel, die mich suchten,
Und sie grüßten mich: den Toderretter des Verhaßten, demuthaft.
Mord stand rot im Abend um mich her,
Doch ich sank ins Aug des Rehs, mir ganz entrafft,
Und am Stamm des schmerzenlosen Leibes brach der Speer.
So entflohn, – oh Tränen meiner Klage,
Milder Sünde sehnend zugesandt! –
Schreiten meine Schritte mir entwandt:
Steil die weiße Lilie meiner Tage
Hält der Gott in seiner harten Hand.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Louise Otto-Peters: Nebel

Louise Otto-Peters
(* 26. März 1819 † 13. März 1895)

Nebel

Es lagert rings umher ein grauer Flor –
Ich weiß es nicht: bricht noch die Sonn‘ hervor?
Wird dieser Nebel heut sie ganz verhüllen?
Und ob er steigt, und ob er niederfällt?
So frag‘ ich wohl – doch schweigend ruht die Welt
Und Flur und Thal mit Dunst sich füllen.
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Neue Zauneidechsen-Burgen im Stellbrookmoor

Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Neue Zauneidechsen-Burgen im Stiftungsland Stellbrookmoor

Zauneidechsen sind scheue Tiere. Sie besiedeln einen Lebensraum nur dann, wenn sie sich sicher fühlen, sie ausreichend Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten finden. Dazu brauchen die wechselwarmen Reptilien noch sandige Stellen, in die sie ihre Eier ablegen können, die von der Sonne ausgebrütet werden.
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Elisabeth Kulmann: Das Eichhorn

Elisabeth Kulmann
(* 17. Juli 1808 in Sankt Petersburg bis † 1. Dezember 1825 in Sankt Petersburg)

Das Eichhorn

O allerliebstes Eichhorn!
Schon lang steh‘ ich vor deinem,
Dir unbequemen Käfig,
Und kann nicht satt mich sehen
An deinen raschen, holden
Bewegungen und Spielen.
Ich möchte gern dich streicheln,
Doch fürcht‘ ich deine Zähne,
So scharf, so fein, wie Nadeln.
Nicht ich fürwahr, o Eichhorn,
Hab‘ dich in dies Gefängniß
Gesperrt; ich säh‘ viel lieber
Dich auf den hohen Gipfeln
Der nahen Bäume hüpfen
Mit Vögeln in die Wette.
Ich möchte gern dein Nest sehn
Mit seinen bald geschloßnen,
Bald offnen Thüren, daß ja
Kein rauher Wind die zarten,
Noch unbedeckten Kinder
Mit kaltem Hauch berühre.
O glücklich Thier! Bewohner
Von zweien Elementen!
Die Erde beut zur Nahrung
Auf niedrigen Gesträuchen
Die Fülle dir der Früchte
Und klaren Thau auf Blättern;
Und deine Freuden findest
Du auf der Eiche Gipfel
Im hohen Reich der Lüfte.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Gesang der Frühvollendeten

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Gesang der Frühvollendeten

Wir denken euch im Gleiten manchmal, Lebende,
Durch Traum und Ahnung und die Flut des Abends:
Ihr Schmerzlichen, wenn ihr in schweren Taten
Zur Tiefe sinkt.
Wir stiegen steil empor,
Da unserm Aufbruch keine Ziele standen,
Uns grenzenlos die Wanderschaft empfing.
Nun sind wir über euch, und euer fernstes
Geschehen löscht, Erinnerung, vertan,
Uraltes Lächeln unserer Vergangenheit.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.