Maria Luise Weissmann: Gesammelte Dichtungen | Nachdichtungen | Blaise Cendrars | Sequenzen

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)
veröffentlicht in: Gesammelte Dichtungen. Mit 2 Photographien von Mary Hausner. Pasing bei München, Bachmair 1932. 199 S. Gesamtauflage 800 Exemplare.

Nachdichtungen

Blaise Cendrars

Sequenzen

I.

             „Asperges me, Domine, hyssopo . . . “
             Ps. L.

Die Kostbare war da, gebreitet und enthüllt,
Ihre Vergangenheit löste sie wie ihr Haar.
Ein nie erfahrner Duft bestürzte ihre Augen;
Und dennoch wagten ihre Hände nicht zu mir.
Ihr Leib rief hingebettet preisgegeben mir,
Gedämpft ein dunkelfließender Akkord in Moll,
Von Liebe rot bespült im Purpur ihrer Lippen,
Und dennoch wagten meine Hände nicht zu ihr.
Des Sehnsuchtsbleichen, meine Hände wagten nicht
Zu brechen ohne Furcht der Liebe düstern Mohn,
Gebrannt in die Vergangenheit wie in ihr Haar . . .
– Die Kostbare war da, gebreitet und enthüllt.
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Maria Luise Weissmann: Imago | Weg im Nebel

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Weg im Nebel

Nun wird die Spur der Füße langsam ungetan,
Und aus der Tiefe, aus der tiefen Tiefe steigt
Das Trübe, schwadengrauer Nebel himmelan.
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Luise Büchner: Die Zürcher Glocken

Luise Büchner
(* 12. Juni 1821 in Darmstadt bis † 28. November 1877 in Darmstadt)

Die Zürcher Glocken

O, du wunderbarer grüner
See, im schönen Schweizerland,
Wie so lieblich sich die stolze
Zürich schmiegt an deinen Rand!
Hüben sanfte Rebenhügel
Hingestreut wie ein Idyll,
Drüben majestätsche Alpen,
Schneebedecket, ernst und still.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson schreitet den Zaun eines Geheges ab

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson schreitet den Zaun eines Geheges ab

Weiß einer sonst, wohin die Zeit ihm schwand?
Fand er wie ich sie je versammelt wieder?
Dies ist der Zaun um ein betreutes Land.
Wie eine Schar von Vögeln ließ sich nieder
Mein Leben hier: ein Tag auf jedem Pfahl,
Und sie sind aufgereiht zu langen Jahren…
O seltsame Verwandlung! Aus der Qual
Sinnloser Fron muß ich zuletzt erfahren
Ein Glück. Verständlicher um wenig zwar
Als jene Last. Jedoch ein Glück. Als zeugte
Einst einem Fragenden der Zaun: Er war.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Das Erdbeben

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Das Erdbeben

Erkenne nun: du konntest ärmer sein
Stets noch um vieles. Nicht das Moos zur Nacht,
Der Quelle Trunk, ein Schatten, die allein
Verlierbar noch; o hier ward mehr vollbracht
An Aufzugebendem: daß, jäh beraubt
Ums Ziel, Gedanken stehn, die sonst dich brachten
Schnell ins Gerettete: bedrohte dich
Gewässer, riefst du „Land“; und als entfachten
Nach dir sich Flammen, o wie stürzte sich
Ins Kühle deine Sehnsucht. Was geschah
An schmerzlich Spürbarem, vertrieb
Zum Gegensatz dich hoffend: Heil war nah.
Wohin nun denkst du rettend? Was verblieb?
Nicht Erde, die sich öffnet; Meer, das steigt,
Tödliches Wasser; Himmel nicht, in Brand;
Tal nicht, aufberstend; Berg nicht, der sich neigt:
Kein Ausweg mehr ins Andre:
              O halt stand!
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson ruht unter seinem Laubgezelt

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson ruht unter seinem Laubgezelt

Aber mit einem Male erstrahlen
Tage der Nähe wie selige Segel,
Die auf dem Blau des Wassers sich malen.
Aber der Glückliche kennt nur Beharren.
Ach, er vergaß ganz die Sehnsucht der Tage
Gestern und vorher, die Jahre gehegte.
Ach, ihm erstarb ganz die brennende Frage
Wann? Und er sieht die Errettung verweilen,
Aber vom Glück?! – Und träumend entgleiten
Sieht er die Tage, die Segel enteilen
Silbern hinaus in verfließende Weiten.
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