Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Herbst
Auf einmal musste ich singen…
und ich wusste nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich.
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Kunst. Freie und bildende Kunst.
Else Lasker-Schüler (1869-1945)
Herbst
Auf einmal musste ich singen…
und ich wusste nicht warum.
Doch abends weinte ich bitterlich.
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Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg bis † 10. August 1948 in Sorengo)
Ätherstrophen
Jetzt muss ich aus der großen Kugel fallen.
Dabei ist in Paris ein schönes Fest.
Die Menschen sammeln sich am Gare de l’est
Und bunte Seidenfahnen wallen.
Ich aber bin nicht unter ihnen.
Ich fliege in dem großen Raum.
Ich mische mich in jeden Traum
Und lese in den tausend Mienen.
Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer.
Mich hypnotisiert sein letzter Blick.
Wir sehnen einen Sommertag zurück…
Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer…
Richard Dehmel
(* 18. November 1863 † 8. Februar 1920)
Sommerabend
Klar ruhn die Lüfte auf der weiten Flur;
fern dampft der See, das hohe Röhricht flimmert,
im Schilf verglüht die letzte Sonnenspur,
ein blasses Wölkchen rötet sich und schimmert.
Richard Dehmel: Sommerabend weiterlesen
Richard Dehmel
(* 18. November 1863 † 8. Februar 1920)
Der Stieglitz
Die Sonne blitzt, ein Distelfeld
Belebt die stille Mittagswelt;
Im starrgezackten Blättermeer
Glühn purpurlockig kreuz und quer
Die Blütenköpfe.
Richard Dehmel: Der Stieglitz weiterlesen
Der Weiher
Er liegt so still im Morgenlicht,
so friedlich, wie ein fromm Gewissen;
wenn Weste seinen Spiegel küssen,
des Ufers Blume fühlt es nicht;
Libellen zittern über ihn,
blaugoldne Stäbchen und Karmin,
und auf des Sonnenbildes Glanz
die Wasserspinne führt den Tanz;
Schwertlilienkranz am Ufer steht
und horcht des Schilfes Schlummerliede;
ein lindes Säuseln kommt und geht,
als flüstr‘ es: Friede! Friede! Friede!
Annette von Droste Hülshoff: Der Weiher weiterlesen
Elisabeth Kulmann
5. Juli 1808 † 19. November 1825
Das Vergißmeinnicht
In feuchter Erde Schooße,
Im tiefsten öden Thal,
Sprieß‘ ich bei Westes Wehen
Und mildem Sonnenstrahl.
Elisabeth Kulmann: Das Vergißmeinnicht weiterlesen
Richard Dehmel
(* 18. November 1863 † 8. Februar 1920)
Ein Blütenblatt
Von deinen Tulpen fiel das erste Blau.
Es liegt am Fuß der stolz geschwungnen Vase
und lehnt sich auf am gletscherblauen Glase,
und drüber flammt der Strauß mit dreizehn Bränden.
Und eine von den Blüten züngelt so
in sich gekrümmt, als suche farbensatt
ihr Leben eine kalte Ruhestatt
und rette sich aus halbverbrannten Wänden.
Doch eine andre ist so lichterloh
geöffnet, daß wie zwischen Feuerwiegen
die gelbgekrönte Samenpuppe prangt,
die nach der Blüte nicht zurückverlangt,
wenn alle Blätter abgefallen liegen.