Felix Dörmann: Herbstschauer

Felix Dörmann
(* 29. Mai 1870 in Wien bis † 26. Oktober 1928 in Wien)

Herbstschauer

Hinter fernen dunklen Häusermassen,
Versinkt die Sonne,
Ein tränenverschleiertes,
Müdegeweintes,
Riesengroßes Menschenauge.
Der Himmel aber leuchtet
Aus schwarzen Wolkenbänken
Matt und fahl,
Schier wie ein totenblasses Menschenkind,
Ein gramgebeugtes,
Das gern, so gerne sterben möchte –
Und leben muß.
Es klingt so schaurig
Wie Krankenstöhnen
Durch kahle Bäume
Das Ächzen des Windes,
Und gelbe, dürre, verfaulende Blätter
Sie tanzen mit ihm einen taumelnden Reigen
Und flüstern und rauschen
Geschichten sich zu,
Sterbenstraurig,
Verwesungsduftig
Und totentanzlustig.
Schwer auf die kalte, starre Erde
Tropft meiner Tränen brennende Saat…
Nicht der Taumel schreiender Lust,
Nicht verspäteter Arbeit eherne Fessel
Tilgt aus der Seele den marternden Stachel,
Den das Bewußtsein
Eines verlorenen,
Achtlos verstreuten Lebens
Qualvoll hineinbohrt.

Gerrit Engelke: Katzen

Gerrit Engelke
(* 21. Oktober 1890 in Hannover bis † 13. Oktober 1918 in Etaples bei Cambrai, Frankreich)

Katzen

Bleib noch länger goldnes Dämmern –
Wie wird der Tag schon matt und blauer –
Verstummt ist Lärm und Werkstatthämmern.
Die Nacht liegt auf der Lauer –
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Justinus Kernern Wer machte dich so krank?

Justinus Kerner
(* 18. September 1786 in Ludwigsburg bis † 21. Februar 1862 in Weinsberg)

Wer machte dich so krank?

Dass du so krank geworden,
Wer hat es denn gemacht?
Kein kühler Hauch aus Norden
Und keine Sternennacht.
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Selma Merbaum: Poem

Selma Merbaum
(* 5. Februar 1924 in Czernowitz, Rumänien/Ukraine bis † 16. Dezember 1942 im Zwangsarbeitslager Michailowka, Rumänien/Ukraine)

Poem

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
Der Himmel, seidig-blau und glatt,
ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,
das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.
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