Veloroute 10: Radwegschaden durch Wurzelwachstum

Der im Bild dargestellte Radwegschaden befindet sich auf der Veloroute 10 ungefähr auf Höhe der Langenbeckstraße in Kiel. Insbesondere bei Dunkelheit kann er schon jetzt Benutzer:innen gefährden. Schäden wie diesen gibt es an mehreren Stellen auf dieser Veloroute.
Die technische Bauausführung ist auf der Gesamtstrecke unterschiedlich. Es gibt aber Gemeinsamkeiten. Eine offensichtliche ist die verbesserungsfähige Absicherung des Baukörpers gegen Wurzelwachstum und Wurzelschösslinge. Auf dem Foto zu sehen sind Wurzelschösslinge der Silber-Pappel (Populus alba agg.)

Dieser bis zu 35 Meter hohe Großbaum steht in unmittelbarer Nähe des Radweges. Er gehört zur Familie Weidengewächse (Salicaceae). Wie viele der Arten in dieser Familie ist neben der Vermehrung über Saat (geschlechtliche Vermehrung) die vegetative (ungeschlechtliche) Vermehrung sehr bedeutungsvoll. Eine weitere Gemeinsamkeit ist bei vielen der Arten der Familie Salicaceae ein rasches Wachstum.

Populus alba agg. verursacht Radwegschaden - begünstigt durch die Art der Bauausführung
Populus alba agg. verursacht Radwegschaden – begünstigt durch die Art der Bauausführung
Die ungeschlechtliche Vermehrung findet statt über Astabrisse, die z.B. bei starkem Wind entstehen: Äste schlagen aneinander und brechen ab, fallen auf den Boden und können bei ausreichender Feuchtigkeit und weiteren geeigneten Standortbedingungen anwurzeln. Absenker (niederliegende Äste haben Bodenkontakt und bewurzeln) sind auch denkbar, haben bei älteren Silber-Pappeln aber eher selten Bedeutung.

Wurzelwachstum (bzw. Wurzelschösslinge, wenn sie denn anatomisch getrennt wären) ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit der Verursacher des Schäden am Radweg.

Das ist aber kein Unglücksfall, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorhersagbar. Man kann dieses absehbare Ereignis verhindern, indem man eine der Situation (Pflanzenart und anderes) angemessene Wurzelsperre einbaut. Das ist hier unterblieben.

Die Gründe sind mir unbekannt, infrage kommen u.a. Kosteneinsparungswille bei der Erstellung, Unkenntnis, Planungsfehler oder auch mangelnde Kontrolle bei Bauabschnitts-Abnahmen.
Eine angemessene Wurzelsperre einzusparen ist aber weder umweltbezogen noch betriebs- und volkswirtschaftlich nachhaltig: Die Folgekosten (Geld, Umwelt, Nutzungseinschränkungen durch verkürzte Sanierungsintervalle, Gefahrenpotential, Energieaufwand,…) sind erheblich höher als wenn man vorausschauend mehr Geld in die Hand nimmt und dadurch den Baukörper länger funktionsfähig hält.

Linktipp: Silber-Pappel auf FloraWeb

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