Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Gesang der Frühvollendeten

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Gesang der Frühvollendeten

Wir denken euch im Gleiten manchmal, Lebende,
Durch Traum und Ahnung und die Flut des Abends:
Ihr Schmerzlichen, wenn ihr in schweren Taten
Zur Tiefe sinkt.
Wir stiegen steil empor,
Da unserm Aufbruch keine Ziele standen,
Uns grenzenlos die Wanderschaft empfing.
Nun sind wir über euch, und euer fernstes
Geschehen löscht, Erinnerung, vertan,
Uraltes Lächeln unserer Vergangenheit.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Kiel: Öffentlichkeitsbeteiligung Vorentwurf Bebauungsplan Nr. 1023 Altes Postareal

Geltungsbereich Bebauungsplan Nr. 1023 „Altes Postareal“
Geltungsbereich Bebauungsplan Nr. 1023 „Altes Postareal“

Öffentlichkeitsbeteiligung Vorentwurf Bebauungsplan Nr. 1023 Altes Postareal

Alle Kieler:innen und sonstige Interessierte / Betroffene, Vereine, Unternehmen… können bis zum 23.02.2026 ihre Stellungnahme (Anregungen, Einwendungen, Widersprüche) zum Bebaungsplan schriftlich z.B. per E-Mail einreichen oder mündlich zur Niederschrift beim Stadtplanungsamt vortragen.
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Oskar Kanehl: Vormarsch im Winter

Oskar Kanehl
(* 5. Oktober 1888 in Berlin bis † 28. Mai 1929 in Berlin)

Vormarsch im Winter

Bespannt von grauem Leichentuche ist der Himmel.
Das Land schneeüberweht.
Eiswind peitscht splittriges Glas in unser Fleisch.
Kein Wetter hemmt den Befehl zum Vormarsch.
Und kein Opfer.
Auf gefrorenem Boden hallt unser Schritt hohl
als gingen wir auf Sargdeckeln riesiger Massengräber.
Einzeln stoßen Strauchstrunke durch den Schnee
wie Hände eines der noch leben wollte.
Vielleicht eines meiner getöteten Freunde.
Bleibt wach! Ihr werdet alle mit uns auferstehen!
Baumkronen, hängen als groteske Fesselballons über der Erde.
Wegweiser zeigen mit schwarzer Hand
in unbekannte Tode.
Seltene Stimmen sprechen wie in leeren Kellergewölben.
Verfluchter Tag.
Die eingewickelten Feldgrauen schleichen neben dem langen Zügel ihrer Tiere
und haben Eisbärte, die Pferde Eisschwänze.
Schritt für Schritt bleibt eins stehen.
Hustet und schüttelt sich vor Kälte.
Die Magenwände schlagen aneinander.
Schleimhäute funktionieren ohne Hilfe.
Im Gleichtakt wiegend wankt die Last
der Berggeschütze auf dem Rücken der Tragtiere.
Öfter muss nachgegürtet werden. Dann stockt es.
Oft umgepackt.
Aber das Ganze kommt vorwärts. Muss vorwärts.
Nur diese einzige wache Freude:
wenn von den Stollen an den Hufen der Pferde
ab und zu ein warmer Feuerfunke springt.
Vor uns gähnt ein dunkles Gebirge
von dessen Gipfel wir heut noch schießen müssen.
Aber es ist noch weit.
Inzwischen fällt ein Pferd um. Ein Mann fällt um.
Am Wegrand ragt ein Kreuz an dem ein Christus friert.

Oskar Kanehl: Nacht vor Sturm

Oskar Kanehl
(* 5. Oktober 1888 in Berlin bis † 28. Mai 1929 in Berlin)

Nacht vor Sturm

Tage und Nächte hat uns Artilleriefeuer betäubt.
In uns ist es unendlich tot.
Unser Leben ist längst ohne Sinn.
Der gestern neben mir lag, sagte mir leise:
Du, ich schieße nicht.
Da sprengte ihm ein Splitter,
der nichts von Menschenliebe weiß, den Schädel.
Diese Nacht ist tiefer und grauenvoller als alle Nächte.
Morgen werden wir aus den Gräben springen.
Zum Sturm. Es ist alles bereit.
Manche schlafen noch einen zufriedenen Schlaf.
Die müssen keine Seele mehr haben.
Ich fühle in der unheimlichen Dunkelheit
das spärliche Denken der Kameraden.
Sprache verliert. Tierischer Gleichmut.
Wir sind beherrscht von dem Befehl
den uns der Nachbar zurufen wird.
Atemnot. Dunkelheit. Feuer und dumpfes Einschlagen.
Drüben in den feindlichen Drahtverhauen
hängen schon die vierte und fünfte.
Nun gehts an unsre Kompagnie.
Uns friert so. Nicht aus Angst.
Aber vor diesem fremden Sterben.
O! Betet eine Frau für mich?
Ich bringe eine letzte Mühe auf, leben zu wollen.

Infrastruktur-Zukunftsgesetz schwächt Klagerechte

Pressemitteilung des BUND S-H
Wer Klagen einschränkt, verdeckt Planungsfehler
+++ Infrastruktur-Zukunftsgesetz würde gerichtliche Kontrolle und Verbandsklagerecht bei Autobahnneubau schwächen
+++ BUND SH fordert die Landesregierung Schleswig-Holstein zur Ablehnung des Gesetzes im Bundesrat auf
Infrastruktur-Zukunftsgesetz schwächt Klagerechte weiterlesen

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Abenteuer

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Abenteuer

Nun hat der weite Weg mich ganz verloren,
Wie floh mich Anfang, Ende und die Mitte!
Ich bin in einem tiefen Kreis geboren,
Ich höre meine leichten Schritte
In einem fernen Lande widerhallen,
Ich höre meine leisen Worte
In eine dunkle Stille niederfallen,
Ich schreite durch viel fremde Orte,
Fühl mich gehalten, stille, wie zu Haus,
Und muß doch gehn, und gehe wie für immer,
Und schau nach meiner Rückkehr lächelnd aus –
Ich weiß so viel: Ich kenne schon das Zimmer,
Der blauen Ampel süß gestilltes Licht,
Ich hörte schon vor tausend Jahren diese Stimme,
Wie sie mir zitternd das Willkommen spricht.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.