Peter Hille
(* 11. September 1854 in Erwitzen bis † 7. Mai 1904 in Groß-Lichterfelde)
Regentropfen
Regentropfen warm und groß
Machen aus der Nacht sich los,
Regentropfen warm und groß.
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Berlin
Peter Hille
(* 11. September 1854 in Erwitzen bis † 7. Mai 1904 in Groß-Lichterfelde)
Regentropfen
Regentropfen warm und groß
Machen aus der Nacht sich los,
Regentropfen warm und groß.
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Peter Hille
(* 11. September 1854 in Erwitzen bis † 7. Mai 1904 in Groß-Lichterfelde)
Baum
In den Himmel greifen und wachsen,
Erde ziehen und schwellend fühlen
Treue Bitternis
Saftatmenden Bodens.
Bess Brenck-Kalischer
(* 21. November 1878 in Rostock bis † 2. Juni 1933 in Berlin)
Das Auge flog voran
Das Auge flog voran.
Im Stern verstrickt der Fuß.
Die hingerissene Sonne
Sinkt im Spiegel.
Um jede Wassermühle
Blutet Licht.
Bess Brenck-Kalischer
(* 21. November 1878 in Rostock bis † 2. Juni 1933 in Berlin)
Die Tänzerin
Denn tanzen muss sie.
Dem tollen Rad verflochten
Gliedert sie Chaos,
Schwendet Quellen,
Stampft zuckende Krater.
Im Drang
Des großen Taktes
Tanzt sie Gestirne.
Peter Hille
(* 11. September 1854 in Erwitzen bis † 7. Mai 1904 in Groß-Lichterfelde)
Hagel
Schwer Verheeren
Wirft der Himmel,
Eingefrorener Zähren
Eisiges Gewimmel.
Oskar Kanehl
(* 5. Oktober 1888 in Berlin bis † 28. Mai 1929 in Berlin)
Vormarsch im Winter
Bespannt von grauem Leichentuche ist der Himmel.
Das Land schneeüberweht.
Eiswind peitscht splittriges Glas in unser Fleisch.
Kein Wetter hemmt den Befehl zum Vormarsch.
Und kein Opfer.
Auf gefrorenem Boden hallt unser Schritt hohl
als gingen wir auf Sargdeckeln riesiger Massengräber.
Einzeln stoßen Strauchstrunke durch den Schnee
wie Hände eines der noch leben wollte.
Vielleicht eines meiner getöteten Freunde.
Bleibt wach! Ihr werdet alle mit uns auferstehen!
Baumkronen, hängen als groteske Fesselballons über der Erde.
Wegweiser zeigen mit schwarzer Hand
in unbekannte Tode.
Seltene Stimmen sprechen wie in leeren Kellergewölben.
Verfluchter Tag.
Die eingewickelten Feldgrauen schleichen neben dem langen Zügel ihrer Tiere
und haben Eisbärte, die Pferde Eisschwänze.
Schritt für Schritt bleibt eins stehen.
Hustet und schüttelt sich vor Kälte.
Die Magenwände schlagen aneinander.
Schleimhäute funktionieren ohne Hilfe.
Im Gleichtakt wiegend wankt die Last
der Berggeschütze auf dem Rücken der Tragtiere.
Öfter muss nachgegürtet werden. Dann stockt es.
Oft umgepackt.
Aber das Ganze kommt vorwärts. Muss vorwärts.
Nur diese einzige wache Freude:
wenn von den Stollen an den Hufen der Pferde
ab und zu ein warmer Feuerfunke springt.
Vor uns gähnt ein dunkles Gebirge
von dessen Gipfel wir heut noch schießen müssen.
Aber es ist noch weit.
Inzwischen fällt ein Pferd um. Ein Mann fällt um.
Am Wegrand ragt ein Kreuz an dem ein Christus friert.
Oskar Kanehl
(* 5. Oktober 1888 in Berlin bis † 28. Mai 1929 in Berlin)
Nacht vor Sturm
Tage und Nächte hat uns Artilleriefeuer betäubt.
In uns ist es unendlich tot.
Unser Leben ist längst ohne Sinn.
Der gestern neben mir lag, sagte mir leise:
Du, ich schieße nicht.
Da sprengte ihm ein Splitter,
der nichts von Menschenliebe weiß, den Schädel.
Diese Nacht ist tiefer und grauenvoller als alle Nächte.
Morgen werden wir aus den Gräben springen.
Zum Sturm. Es ist alles bereit.
Manche schlafen noch einen zufriedenen Schlaf.
Die müssen keine Seele mehr haben.
Ich fühle in der unheimlichen Dunkelheit
das spärliche Denken der Kameraden.
Sprache verliert. Tierischer Gleichmut.
Wir sind beherrscht von dem Befehl
den uns der Nachbar zurufen wird.
Atemnot. Dunkelheit. Feuer und dumpfes Einschlagen.
Drüben in den feindlichen Drahtverhauen
hängen schon die vierte und fünfte.
Nun gehts an unsre Kompagnie.
Uns friert so. Nicht aus Angst.
Aber vor diesem fremden Sterben.
O! Betet eine Frau für mich?
Ich bringe eine letzte Mühe auf, leben zu wollen.