Der Strich in der Landschaft – Kunstausstellung im BG Kiel

Eröffnung: Sonntag, 20. Juli: Der Strich in der Landschaft, Kunstausstellung der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Mediteranhaus und Innenhof der Schaugewächshausanlage um 11 Uhr.

Die Ausstellung Der Strich in der Landschaft ist noch bis zum 31. August 2008 im Freiland und in den Schaugewächshäusern des Botanischen Gartens zu sehen.

Faltblatt mit KünstlerInnen und Standorten als pdf-Datei (BG Kiel).

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Der Gorilla

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Der Gorilla

Er atmet ihre Schwüle längst nicht mehr,
Doch lastet seinem Nacken immer noch der Traum der großen Seen
Und läßt ihn tief zum Sand gebückt und schwer
Im Takt zur Wiederkehr der Eisenstäbe gehn.
Er möchte wohl der Glanz der Papageien sein,
Das Duften der Reseden und der Walzerklang,
Doch bricht kein Strahl den trüben Spiegel seines Auges ein:
Die Hand trägt still gefaltet den beträumten Gang
Dem fremden Leuchten still und fremd vorbei.
Manchmal, im Schrei,
Der fernher trifft, fühlt er sich jäh dem Schlund
Des Schlafes steil emporgereckt entragen
Und knirschend seiner Stirne aufgewandtes Rund
An steingewölbte Firmamente schlagen.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest | Juni 1919

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Juni 1919

Die dunkle Frühe trägt mich schwer im Schoß,
Sterbend die mich gebar dem blassen Morgen;
Mit Heckenrosen werd ich langsam groß,
Berg muß mir seine blauen Schatten borgen,
Wenn Mittag mich in steiler Glut versehrt.
Zum Abend führt, von müder Last beschwert,
Bachüberwankend scheu das schmale Brett.
Stumm stürzen nachts die weißen Wände ein,
Die schwarzen Wälder schreiten um mein Bett.

Maria Luise Weissmann: Das frühe Fest. Gedichte.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Pasing bei München, Bachmair 1922. 43 S.
Die Gedichte entstanden von 1918 bis 1920.

Margarete Beutler: Leb’ wohl, Bohème!

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Müde ward ich nunmehr der Torheit in dunstigen Schenken,
Und ich frage mich oft: Wie nur ertrugst du den Lärm,
Wie ertrugst du so lang die Luft jener stickigen Stuben,
Wo in Becher der Lust heimliche Tränen gemischt?
Und der emsigen Schar auf flinken Schiffen vergleichbar,
Die in eilender Hast giftigen Küsten entflieht,
Und ihr kostbarstes Gut in reinere Lande sich rettet,
Segelt ballastbeschwert – Sehnsucht geht mit ihm an Bord,
Liebe kürzt ihm den Weg – das tüchtige Volk der Gedanken,
Den Gefilden des Geists dürstend und hoffnungsvoll zu:
Dort in Ehrfurcht gesellt dem einen, dem anderen Meister
Atmet es freiere Luft, sieht es ein würdiger’ Ziel!

Novalis: Die Milbe

»Nichts ist gewisser«, sprach eine Milbe zu der andern, »als daß unser Käse der Mittelpunkt des erhabnen Weltsystems ist und daß wir die besondern Lieblinge des Allmächtigen sind, weil er uns die vollkommenste Wohnung erschuf.« »Törin«, sprach ein Mensch, indem er sie mit ihrem Käse verschlang. »Du denkst, wie viele meiner Brüder denken, du auf deinem Käse, sie auf den Ihrigen.«