Maria Luise Weissmann: Imago | Aber öffne…

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Aber öffne…

Aber öffne nur die Türe,
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Hebe kaum den Blick und spüre
Schon die ungeheure Helle,
Schon den Glanz der leeren Räume,
Die wie Wiese rasch erblühten,
Schon den Tanz der schweren Träume,
Die sich hoben, die erglühten…
Zärtliche beschwingte Welle,
Sieh, kein Lufthauch, der nicht rühre –
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Aber öffne nur die Türe!
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Maria Luise Weissmann: Imago | Kakteen

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Kakteen

Sie stehen jahrelang im Topf aus Ton,
Verstockte in sich, selbstverliebte Käuze,
In einer rätselhaft verbißnen Fron
Der Form: sind Kugel, Kegel, Kreuze,

Sie gleichen Birnen, mißgebornen Köpfen,
Sind Stein-Gespenster, Schlange, Hand:
Verfeindet so dem Außen, daß in Schöpfen
Stacheln aufstehn um sie wie eine Wand,

Dahinter sie verharrn, anarchisch, kündend,
Prophet und Gott, ihr selbstbeseßnes Ich,
Bis sie auf einmal stumm, in Blumen mündend,
Sich ganz verschweigen, opfern, löschen sich.
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Georg Herwegh: Bundeslied für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein

Georg Herwegh
(* 31. Mai 1817 in Stuttgart bis † 7. April 1875 in Lichtental)

Bundeslied für den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein

You are many, they are few.
(Eurer sind viele, ihrer sind wenige.)

Bet und arbeit! ruft die Welt,
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
An die Türe pocht die Not –
Bete kurz! denn Zeit ist Brot.
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Maria Luise Weissmann: Imago | An den Vater

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

An den Vater

Ganz früh: Du tauchtest Dampf der morgendlichen Gärten
In meine Seele. Der blauen Sichel des Mondes
Namen gabst du, verwandt. Es reihten die Tiere
Dir sich gehorsam, Zauberer, der du die Blumen
Fremd im Abend beschworst zwischen Farrnkraut und Steinen.
Mich auch einmal. Und gehst mir weiter die fremden
Wege wie damals voran. Weißt schon den weißen
Schimmer des Haars. So reichst du, das Endliche kennend
Immer zuerst, den Tod wie damals den Tau, wie die Blumen.
Aber die Liebe verfließt, ein dunkles Gewässer
Ferne unendlich von Jedem einsam befahren.
Spülte mir niemals zur Seite, der dich trägt, den Nachen,
Hilfe verheißend. Es reichte mein Schrei
Nicht ins Land dir der Nacht: versink ich, erstrahlst du,
Tröstlich vielleicht, ein Letztes, verwandelt, als Stern.
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Sidonia Hedwig Zäunemann: Auf die Natur

Sidonia Hedwig Zäunemann
(1714-1740)

Auf die Natur

Wie künstlich ist nicht die Natur?
Sie weiß aus denen schlechten Sachen
Ein groß und prächtig Werk zu machen;
Man findet da die schönste Spuhr.
Ihr unterirdisches verrichten
Ist so vollkommen und geschickt,
Daß man nicht kan was bessers dichten.
Weil ihr es nur allein in allen Sachen glückt.
Kein Mensch weis ihr
In Kunst und Bildung beyzukommen,
So gut er auch den Stof genommen.