Elisabeth Kulmann
5. Juli 1808 † 19. November 1825
Mailied
Pflücket Rosen, um das Haar
Schön damit zu kränzen,
Reihe dich, o junge Schaar,
Dann zu frohen Tänzen!
Elisabeth Kulmann: Mailied weiterlesen
Kunst. Freie und bildende Kunst.
Elisabeth Kulmann
5. Juli 1808 † 19. November 1825
Mailied
Pflücket Rosen, um das Haar
Schön damit zu kränzen,
Reihe dich, o junge Schaar,
Dann zu frohen Tänzen!
Elisabeth Kulmann: Mailied weiterlesen
Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt; † 7. November 1929 in München)
Der Einsiedler
Er hatte seit Jahren nicht mehr gesät
Verstreut noch reifte ihm das Getreide
Zuletzt ließ er den Hafer ungemäht
Sein Pferd verlor sich auf der Weide.
Maria Luise Weissmann: Der Einsiedler weiterlesen
Emmy Hennings
(* 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo)
Mädchen am Kai
Hab keinen Charakter, hab nur Hunger,
Ich, Passagier im Zwischendeck des Lebens,
Geliebt und gehasst hab ich vergebens
Und jeden Abend auf der Lunger.
Und diese Kunst, die geht nach Brot.
Und kann man sterben denn vor Scham?
Ich bin so müde, lendenlahm,
Und dennoch, Zähne gesund, mein Mund ist rot.
Madonna, lass mich fallen in tiefen Schacht.
Nur einmal noch behütet sein.
Lieb mich von allen Sünden rein.
Sieh, ich hab manche Nacht gewacht!
Sophie Mereau
(* 27. März 1770 in Altenburg – † 31. Oktober 1806 in Heidelberg)
Mitgefühl
Wer nicht, voll reiner Menschenhuld,
mit rascher, schöner Ungeduld,
der Brüder tiefes Leiden sieht,
und tätig es zu lindern glüht;
Sophie Mereau: Mitgefühl weiterlesen
Kurt Schwitters
(* 20. Juni 1887 † 8. Januar 1948)
Alle Vögel…
Um zehn nach drei
Ist de Lenz vorbei.
Alle Fliegen, die schon da sind,
Alle Mütter, die Mamma sind,
Alle Herren, die Pappa sind,
Singen Lieder, die dada sind;
Alle Vögel alle.
Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)
Die Jüdin
Ich bin fremd.
Weil sich die Menschen nicht zu mir wagen,
Will ich mit Türmen gegürtet sein,
Die steile, steingraue Mützen tragen
In Wolken hinein.
Gertrud Kolmar: Die Jüdin weiterlesen
Conrad Ferdinand Meyer
(* 11. Oktober 1825 in Zürich bis † 28. November 1898 in Kilchberg)
Möwenflug
Möwen sah um einen Felsen kreisen
Ich in unermüdlich gleichen Gleisen,
Auf gespannter Schwinge schweben bleibend,
Eine schimmernd weiße Bahn beschreibend,
Und zugleich in grünem Meeresspiegel
Sah ich um dieselben Felsenspitzen
Eine helle Jagd gestreckter Flügel
Unermüdlich durch die Tiefe blitzen.
Und der Spiegel hatte solche Klarheit,
Daß sich anders nicht die Flügel hoben
Tief im Meer, als hoch in Lüften oben,
Daß sich völlig glichen Trug und Wahrheit.
Conrad Ferdinand Meyer: Möwenflug weiterlesen