Georg Trakl
(* 3. Februar 1887 † 3. November 1914)
Im Herbst
Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
Still sitzen Kanke im Sonnenschein.
Im Acker mühn sich singend die Frau’n,
Die Klosterglocken läuten darein.
Georg Trakl: Im Herbst weiterlesen
Gedichte; Aphorismen (Sinnsprüche)
Georg Trakl
(* 3. Februar 1887 † 3. November 1914)
Im Herbst
Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
Still sitzen Kanke im Sonnenschein.
Im Acker mühn sich singend die Frau’n,
Die Klosterglocken läuten darein.
Georg Trakl: Im Herbst weiterlesen
Daniel Georg Morhof
(* 6. Februar 1639 † 30. Juli 1691)
Er klaget wegen der bösen Kriegszeit /
und bittet umb des Krieges Abwendung
Ach / wo will die Welt hinaus!
Dieses schnöde Buben-Haus /
Das dem Laster Leben
Auff den Grund ergeben!
Sieht man doch
Jmmer noch /
Sich mit starcken Zügen
Alle Welt bekriegen.
Daniel Georg Morhof: Er klaget wegen der bösen Kriegszeit / und bittet umb des Krieges Abwendung weiterlesen
Annette von Droste-Hülshoff
Die Taxuswand
Ich stehe gern vor dir,
Du Fläche schwarz und rauh,
Du schartiges Visier
Vor meines Liebsten Brau,
Gern mag ich vor dir stehen,
Wie vor grundiertem Tuch,
Und drüber gleiten sehen
Den bleichen Krönungszug;
Annette von Droste-Hülshoff: Die Taxuswand weiterlesen
Margarete Beutler
13. Januar 1876 – 3. Juni 1949
Die Kommenden
Ein Kinderplatz, mit Sand und Ruß bedeckt,
von kläglich blassen Sträuchern eingeheckt.
Da wächst es auf, das kommende Geschlecht,
das einst – vielleicht! – der Mutter Tränen rächt.
Margarete Beutler: Die Kommenden weiterlesen
Francisca Stoecklin
(* 11. September 1894 † 1. September 1931)
Ein Herbstlied
Der Sommer verglüht
in Blutlaub und Traube.
Noch einmal blüht
Sonnenglaube.
Francisca Stoecklin: Ein Herbstlied weiterlesen
Paul Gerhardt
(* 22. März 1607 in Gräfenhainichen bis † 6. Juni 1676 in Lübben)
Abendlied
Nun ruhen alle Wälder,
Vieh, Menschen, Städt und Felder,
es schläft die ganze Welt;
ihr aber, meine Sinnen,
auf, auf, ihr sollt beginnen,
was eurem Schöpfer wohlgefällt.
Paul Gerhardt: Abendlied weiterlesen
Luise von Plönnies
(* 7. November 1803 in Hanau bis † 22. Januar 1872 in Darmstadt)
Auf der Eisenbahn
Rascher Blitz, der mich trägt
Pfeilschnell, von der Gluth bewegt,
Sausend durch des Tages Pracht,
Brausend durch die dunkle Nacht,
Donnernd über Stromesschäumen,
Blitzend an des Abgrunds Säumen,
Durch der Berge mächt’ge Grüfte,
Durch der Thäler nächt’ge Klüfte,
Durch der Saaten goldne Wogen,
Ueber stolze Brückenbogen,
Durch der Dörfer munter Leben,
Durch der Städte bunter Weben. –
Könnt‘, wie du, das freie Wort
Sausend zieh’n von Ort zu Ort!
Alle Herzen, die ihm schlagen,
Stürmisch so von dannen tragen,
So aus einem Land zum andern
Siegend die Gedanken wandern! –
Freies Wort, wer gründet Schienen,
Deinem Bahnzug stark zu dienen? –
Luise von Plönnies: Auf der Eisenbahn weiterlesen