Margarete Beutler: Der kühle Tag

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Der kühle Tag

O Tag, so kühl und sonnensatt
hast du dich in die Welt geschmiegt!
So kühl wie dieses Rosenblatt,
das zwischen meinen Lippen liegt,
so kühl wie jene Mädchenhand,
die über meine Stirne ging,
kühl wie ein seiden Nachtgewand,
kühl wie ein weißer Schmetterling!
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Selma Merbaum: Poem

Selma Merbaum
(* 5. Februar 1924 in Czernowitz, Rumänien/Ukraine bis † 16. Dezember 1942 im Zwangsarbeitslager Michailowka, Rumänien/Ukraine)

Poem

Die Bäume sind von weichem Lichte übergossen,
im Winde zitternd glitzert jedes Blatt.
Der Himmel, seidig-blau und glatt,
ist wie ein Tropfen Tau vom Morgenwind vergossen.
Die Tannen sind in sanfte Röte eingeschlossen
und beugen sich vor seiner Majestät, dem Wind.
Hinter den Pappeln blickt der Mond aufs Kind,
das ihm den Gruß schon zugelächelt hat.
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Luise Büchner: Schönes Bild

Luise Büchner
(* 12. Juni 1821 in Darmstadt bis † 28. November 1877 in Darmstadt)

Schönes Bild

Wie bist du schön, o Rose,
Und hold in deiner Pracht,
Vom ersten Sonnenstrahle
Geküsst nach tauger Nacht;
Von Tränen übergossen
Dein leuchtend Angesicht,
Stehst lächelnd du im Schimmer
Des Lichts, das dich umflicht.
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Rainer Maria Rilke: Wilder Rosenbusch

Rainer Maria Rilke
(* 4. Dezember 1875 in Prag bis † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz)

Wilder Rosenbusch

Wie steht er da vor den Verdunkelungen
des Regenabends; jung und rein;
in seinen Ranken schenkend ausgeschwungen
und doch versunken in sein Rose-sein;
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Margarete Beutler: Der Hügel am Flusse

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Der Hügel am Flusse

Hier stockt der Fuß, hier strecken sich die Glieder
in seidnes Gras zu Füßen wilder Schlehen
und hier muss nun die Seele immer wieder
die Schattenstraße des Vergangnen gehen:
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Ernst Ziel: Das Schlossfräulein

Ernst Ziel
(* 5. Mai 1841 in Rostock bis † 16. Februar 1921 in Berlin)

Das Schlossfräulein

In den lauen Lenzestagen
Wehn im Wald die Lüfte weich;
Lerchen singen, Drosseln schlagen,
Busch und Baum stehn blütenreich,
Und der Schwan zieht leis und leise
Auf dem Weiher seine Kreise,
Dem die Welle silbern schwoll.
Zeit der Düfte, Zeit der Rosen,
Wo die Lüfte lauer kosen,
Sprich, was all dein Locken soll?
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Margarete Beutler: Im Spiegel

Margarete Beutler
* 13. Januar 1876 in Gollnow bis † 3. Juni 1949 in Gammertingen

Im Spiegel

Ach, du Verliebte,
wie mein ich mich selber
in dir zu erkennen,
wenn deine kleinen
sehnsüchtigen Füße
wandern im Zwielicht!
Da wissen die Büsche
von Obdach und Zuflucht
in Schauer und Dunkel,
da lachen die Quellen
mit blitzenden Augen
und senden dir eifrig
das rieselnde Rinnsal,
die purzelnden Bäche
und stürzenden Wasser,
den Durst dir zu löschen!
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