
NABU-Kehrtwende bei Speicherkoog-Plänen – BINS begrüßt Entscheidung der Mitgliederversammlung
Die Mitgliederversammlung der NABU Kreisgruppe Dithmarschen hat die Planungen des Kommunalunternehmens Tourismusförderung Speicherkoog (kurz: KU) ablehnt. Mit 12-Stimmen bei zwei Enthaltungen ohne Gegenstimme entschieden die Mitglieder, dass sie eine Rücknahme der unkritischen Stellungnahme des NABU zu der geplanten Ferienhaussiedlung fordern und eine neue Stellungnahme abgegeben werden soll, mit der der NABU die Pläne ablehnt.
Der NABU hatte im August 2016 im Rahmen des Bauleitverfahrens mitgeteilt, keine Einwendungen gegen die geplante Ferienhaussiedlung und die weiteren Projekte zu haben. Die Planer hatten sich in der Vergangenheit stets darauf berufen, die touristischen Erweiterungen gemeinsam mit dem Naturschutz zu planen. „Die Entscheidung der Mitglieder führt zu einem längst überfälligen Schritt, nämlich die Fehleinschätzung aus 2016 zu revidieren.“ meint Tanja Matthies, ebenfalls NABU-Mitglied und Mitantragstellerin. Nicht nur sie, auch andere Mitglieder hatten die Haltung des Landesverbandes und der Kreisgruppe bezüglich der Pläne des KU seit mehreren Jahren kritisiert.
Ungewöhnlich erschien die Entscheidung des Vorstands der Kreisgruppe, Herrn Oing vom Amt Mitteldithmarschen als Vorstand des KU, über die derzeitigen Pläne im Speicherkoog referieren zu lassen. Letztlich ergab sich durch seinen Bericht und im Rahmen der anschließenden Diskussion für die Mitglieder der NABU-Kreisgruppe aber die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von den Plänen zu machen, bevor über die gestellten Anträge zu entscheiden war. Die Zweifel der Mitglieder an der naturverträglichen Umsetzbarkeit der geplanten Übernachtungsmöglichkeiten im Speicherkoog Dithmarschen konnte Herr Oing nicht ausräumen. Besonders zweifelhaft empfanden die Mitglieder die Erklärungen Oings, wie die Einhaltung der Regeln aus dem noch zu erstellenden Besucherlenkungskonzepts kontrolliert werden soll. Dafür sei nach Auffassung Oings nicht das KU zuständig. Diese Aufgabe obliege vielmehr dem Kreis und den Schutzgebietsbetreuern. Den Mitgliedern bereitete außerdem großes Unbehagen, dass die Fläche am Meldorfer Hafen, auf der die Ferienhaussiedlung entstehen soll, an die Investorengruppe Tertius GmbH veräußert werden soll. „Damit gibt man sämtliche Kontrolle über das Gebiet aus der Hand“ wandte eines der NABU-Mitglieder ein. Die Ausführungen Oings, dass man dies durch Verträge mit der Betreibergesellschaft regeln wolle, überzeugten die Mitglieder nicht. Nicht ausgeschlossen werden könne, dass die Betreibergesellschaft die Fläche weiterverkaufe. „Dann ist der Speicherkoog in der Hand von TUI oder einem ähnlichen Unternehmen“ befürchtete das NABU-Mitglied Wiebke Claußen. „Mit unserem Speicherkoog für die Dithmarscher hat das Gebiet dann bald nichts mehr zu tun – und mit einem Schutzgebiet für die Natur erst recht nicht.“ Neben der Ablehnung der geplanten Übernachtungsmöglichkeiten im Speicherkoog fordern die Mitglieder mit dem gefassten Beschluss, dass sich der NABU-Landesverband, der offizieller Schutzgebietsbetreuer der Naturschutzgebiete im Speicherkoog ist, stärker für effektiven Naturschutz einsetzen und einer Ausweitung der freizeittouristischen Nutzung entgegenwirken möge.
„Wir freuen uns sehr über diese einstimmige Entscheidung der Mitglieder und hoffen, dass nun die Naturschutzverbände gemeinsam die im Raum stehenden touristischen Erweiterungen verhindern und den Natur- und Artenschutz im Speicherkoog stärken“, zeigte sich Tanja Matthies, Vorsitzende der Bürgerinitiative für Naturschutz im Speicherkoog e.V., erleichtert.