Erfolg: Artenschutzmaßnahmen für Küstenvögel an der Ostsee

Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Kleine Küken, große Erfolge: Seltene Küstenvögel erobern neue Brutplätze an der Ostsee

Gezielte Schutzmaßnahmen und der Einsatz haupt- und ehrenamtlicher Naturschützer*innen haben 2026 wichtige Bruterfolge an Schleswig-Holsteins Ostseeküste ermöglicht.

Gemeinsam mit NABU-Gruppen, dem Verein Jordsand e. V. und weiteren Partner*innen schützt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die seltenen Küstenvögel und ihre Brutplätze.

Oehe-Schleimünde: Zusätzliche Schutzzäune sichern Brutplätze

Nach hohen Verlusten in den beiden Vorjahren entwickelte das Team um Projektleiter Oliver Granke die Schutzmaßnahmen im Stiftungsland Oehe-Schleimünde weiter. Bestehende mobile Schutzzäune wurden im Frühjahr durch einen aufwendigeren Zaun nach dem Vorbild des Naturschutzgebietes Bottsand an der Kieler Außenförde ergänzt. Zusätzliche stromführende Drähte sollten Steinmarder und andere Nesträuber fernhalten.

Als Ende Mai acht Zwergseeschwalbennester außerhalb der geschützten Bereiche entdeckt wurden, handelten Mitarbeitende des Vereins Jordsand e. V. und ehrenamtliche Helfer*innen noch am selben Tag: Sie errichteten einen rund 150 Meter langen Schutzzaun am Strand und sicherten ihn mit zusätzlichen Stromdrähten. Alle zehn Bruten innerhalb dieses neuen Strandzauns waren erfolgreich. Zusammen mit vier weiteren Gelegen in einem bestehenden Zaunfeld schlüpften insgesamt 34 Küken. Das Brutvogelmonitoring erfasste schließlich 14 flügge Jungvögel im gesamten Untersuchungsgebiet.

Sandregenpfeifer: Zehn bis zwölf Jungvögel werden flügge

Auch Sandregenpfeifer brüteten 2026 erfolgreich in Oehe-Schleimünde. Zehn Paare nutzten das Untersuchungsgebiet. Mit Nestkameras beobachteten die Küstenvogelschützer*innen 33 Gelege; aus neun davon schlüpften insgesamt 31 Küken. Nach Einschätzung der Fachleute wurden zehn bis zwölf Jungvögel flügge. Gleichzeitig dokumentierten die Kameras weiterhin Verluste durch Steinmarder und Rabenkrähen – auch in einem eingezäunten Bereich. Außerhalb der Schutzzäune kam nur eines von zehn überwachten Gelegen zum Schlupf. Diese Beobachtungen helfen, die Schutzmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln.

Sehlendorfer Binnensee: Neue Brutkolonie dank Lebensraumpflege und Ehrenamt

Am Sehlendorfer Binnensee in der Hohwachter Bucht im Kreis Plön entstanden durch die Entfernung der nicht heimischen Kartoffelrose wieder offene Brutflächen. Im Frühjahr siedelten sich zunächst vier Zwergseeschwalbenpaare an. Die neue Kolonie wuchs: Gesichert brüteten elf Paare erfolgreich, mindestens 15 Jungvögel wurden flügge. Im Sommer interessierten sich insgesamt bis zu 35 Zwergseeschwalben für die Fläche – das lässt auf weitere Brutpaare im kommenden Jahr hoffen.

Entscheidend war das engagierte Schutzgebietsbetreuerteam des NABU Lütjenburg. Die ehrenamtlichen Naturschützer*innen entwickelten die Idee für den Schutzzaun, übernahmen eigenständig die gesamte Ausführungsplanung und bauten ihn in mehrtägiger Arbeit auf. Anschließend betreuten und kontrollierten sie die geschützte Brutfläche über Monate hinweg täglich während der gesamten Brutzeit.

Auch Sandregenpfeifer mit vier und Austernfischer mit zwei Bruten nutzten das Gebiet erfolgreich. Jeweils vier Küken wurden flügge – ein Beitrag zur Bestandssicherung. Als Nestflüchter verlassen beide Arten die geschützte Fläche allerdings früh und sind außerhalb größeren Gefahren ausgesetzt.

Flussseeschwalben profitieren von Brutflößen und Verstecken

Die schwimmenden Brutplätze am Sehlendorfer Binnensee waren auch bei Flussseeschwalben dicht besiedelt. Nach Einschätzung der Fachleute wurden 50 bis 60 Jungvögel flügge. Die Webcam dokumentierte zugleich, dass ein Uhu mindestens 14 Küken erbeutete. Kleine Unterschlupfe aus Holz und Hohlsteinen boten Schutz: Bei mehreren Besuchen des Uhus blieben die darin versteckten Küken unversehrt.

Erfolgsmodell Zusammenarbeit: Ehrenamt und Naturschutz Hand in Hand

Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein setzt sich gemeinsam mit dem Verein Jordsand e. V., dem NABU Bottsand, dem NABU Geltinger Birk, der Integrierten Station Geltinger Birk und dem NABU Lütjenburg am Sehlendorfer Binnensee für seltene Küstenvögel ein. Die Bruterfolge zeigen, wie wichtig das Zusammenspiel von hauptamtlicher Facharbeit und ehrenamtlichem Engagement ist: vom schnellen Zaunbau in Oehe-Schleimünde bis zur eigenständigen Planung und täglichen Betreuung durch den NABU Lütjenburg.

Neue Chancen für Zwergsseeschwalben an der Ostseeküste

Geeignete Brutplätze sind an der Ostseeküste selten geworden. Zwergseeschwalben legen ihre gut getarnten Eier direkt auf offene Sand- und Kiesflächen, wo Nesträuber leichtes Spiel haben können. Bisher konzentrierten sich ihre Brutvorkommen an Schleswig-Holsteins Ostseeküste vor allem auf den Bottsand und den Lenster Strand nördlich von Grömitz. Mit Oehe-Schleimünde und dem Sehlendorfer Binnensee haben sich zwei weitere wichtige Brutstandorte etabliert. Lebensräume wiederherzustellen, Gelege zu schützen und die Entwicklung kontinuierlich zu beobachten, bleibt deshalb eine langfristige gemeinsame Aufgabe – getragen auch von vielen ehrenamtlichen Helfer*innen.

Hintergrund: Das Küstenvogelschutzprojekt „Better Bird LIFE“

Im EU-geförderten Projekt „Better Bird LIFE“ engagiert sich die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit ihren Projektpartner*innen für zehn Brut- und vier Zugvogelarten. Dazu zählen Flussseeschwalbe, Sandregenpfeifer, Zwergseeschwalbe und Säbelschnäbler sowie der Goldregenpfeifer als Rastvogel. Projektleiter Oliver Granke und sein Team verbessern die Lebensräume am Sehlendorfer Binnensee, in Oehe-Schleimünde und auf der Geltinger Birk am Ausgang der Flensburger Förde. Oehe-Schleimünde und die Geltinger Birk liegen im Kreis Schleswig-Flensburg. Zu den Maßnahmen gehören angepasste Beweidung, die Entfernung der invasiven Kartoffelrose sowie Schutzzäune, künstliche Brutinseln und Brutflöße. Neun Projektpartner auf dänischer Seite arbeiten im Großraum Dänische Südsee an denselben Zielen. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 8,4 Millionen Euro wird durch das EU-Programm LIFE Nature kofinanziert.

Schreibe einen Kommentar