Vom Aussterben bedrohtes Wort: Kehrrichtsammelstelle

Schild Kehrrichtsammelstelle
Schild Kehrrichtsammelstelle
Die Landeshauptstadt Kiel hat im Rahmen des Programmes zur Erhaltung seltener und vom Aussterben bedrohter Worte seit Jahren einen wichtigen Beitrag geleistet:

Das Schild
Kehrrichtsammelstelle.

Das Kleinod deutscher Sprachkunst ist zu finden in der Töpfergrube im Kieler Stadtteil Hassee.

Es handelt sich dabei um ein zusammengesetztes Wort: Kehrricht und Sammelstelle (was auch ein zusammengesetztes Wort ist). Alle drei haben eine für den deutschen Sprachgebrauch einen lange zurückliegenden Ursprung.
Der Clou ist aber, dass die Zusammensetzung dieser zwei (drei) Worte Kulturgeschichte dokumentiert.

Mutmaßung: Für mein Sprachgefühl hört sich das Wort Kehrrichtsammelstelle nach gebildeter Fachsprache oder Verwaltungssprache an.
Und weitere Mutmaßung: Es entstand möglicherweise erst im 18. oder 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Verstädterung / Landflucht und dem Versuch diese administrativ zu ordnen.

Möglicherweise entstand der Begriff aber auch erst deutlich später. Auf dem Land hätten wir uns früher einfach mit „Kehrrichtplatz“ oder nur „Kehrricht“ oder ähnlichem begnügt. Für lange Worte hatten wir ja gar keine Zeit und hier im Norden schon gleich gar nicht.

Dieses planvolle und in die Zukunft deutende Sammelstelle, was ein bischen suggeriert mit dem dort Zusammengetragenen könne oder solle noch etwas passieren: Das hört sich für mich nach wohlüberlegter Tätigkeit an – wie das in einer Verwaltung üblich ist.

M.E. ein sehr gelungenes Beispiel, wie auch bei knapper werdenden kommunalem Haushalten mit einfachen Mitteln ein Wort für viele Jahre gerettet werden kann und damit (städtische) Kulturgeschichte lebendig gehalten wird. ;-)

Schreibe einen Kommentar