Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)
Aus einer Kindheit
[Fragment]
ICH HEISSE LUNA.
… Vorhin spielten wir Überfall. Wir bewohnen in Frieden das Gartenhaus, abgelegene Villa irgendwo, bis meinen Mann ein Telegramm zur Reise nötigt. Ich bleibe zurück mit den zwei Dienern, die zum Schutz mir überlassen sind. Die Gegend sei unsicher und die Reise könne lange dauern, hat mein Mann beim Abschied mit einem Lächeln gesagt, das ich leise in meinen Haarwurzeln spüre. Nachts liege ich fünf Minuten auf der Holzbank und denke an dieses Lächeln, während draußen der Kies knirscht, der Park unendlich sich breitet. In der dritten Nacht dann geschieht es. Ich höre wieder den Kies, dann knacken Zweige, ein Stoß öffnet die Tür, eh ich noch meine Diener geweckt habe, die in einer Ecke aneinander gelehnt unwahrscheinlich laut schnarchen. Georg in seinem umgewendeten Matrosenkittel ist entsetzlich, wie er mit Geheul zur Tür herein auf mich stürzt. Die Diener entsinnen sich ihrer Pflicht und heben zögernd den Arm. Aber schon zuckt der hölzerne Dolch in Georgs brauner Faust nach ihnen, nach mir: im Vollbringen noch dieser blitzschnellen Bewegung, die sich nur entfernt nach der Richtung unserer Körper wendet, hat er, unterbrochen von satanischem Triumphgeheul, ein-, zwei-, dreimal gerufen: futsch! – futsch! – futsch! –
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