Maria Luise Weissmann: Robinson | Die Dämonen fassen Robinson

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Die Dämonen fassen Robinson

Warum hab ich dies Eiland so erfahren,
Daß nichts mir fremd blieb? Ach, ein Baumgesicht,
Verhängt von feuchten, windzerfetzten Haaren,
Ich traf es einmal – fault es nun mir nicht
Zwischen den Schultern? Eine Kröte war,
Fett und gefleckt, die Schlange schlürfte sie.
Auch lag ein Glied, schamlos und offenbar,
An einem Sumpf. Ein Stein vielleicht, doch wie
Aus mir gerissen. Und ein Fluß, gespalten
Wie durch mein Herz so schmerzlich. Ach, es steht
Sie, die ich sah, Verwesung in mir auf: verhalten
Glomm Gelb in Violettem. Es verweht
Der Süd mein Hirn: Nun bin ich mir entglitten
Und weiß mein Ende nicht mehr. Was geschieht,
Geschieht in mir. Ist ich. Ich bin inmitten.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson und der Papagei

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson und der Papagei

Als ich dich traf mit dem gefiederten Pfeil,
Du schönes Farbenspiel von Blau und Grün,
Langsam genasest du. Dein Fuß war heil;
Doch mochtest du nicht ganz mir mehr entfliehn:
Oft hört ich flattern plötzlich dich vom Ast –
Ich wanderte – da, dein vertrauter Ton
Rief, spottend, mich zurück, der ich mir fast
Entgangen endlich, rief:
              Robinson! Robinson…
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson hat einen Traum

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson hat einen Traum

Was war der Traum? Ich kann mich nicht besinnen
Und seh ihn rings: Er blüht von jedem Strauch,
Die milde Kokosnuß verschließt ihn innen
Im Duft der Milch, ihn weiß die Schlange auch,
Die mich vorhin mit grünem Auge traf.
Wie seltsam ist die alte Hütte neu!
Ich fürchte mich vor dir, o fremder Schlaf,
Du Gast von weither, mächtig und nicht treu:
Du hast die Tat vollbracht, die ich nicht weiß,
Als wärst du ich. Nun um den Schritt zieht Scheu
Von Wissendem ringsum mir den verfehmten Kreis.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson findet Spuren der Kannibalen

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson findet Spuren der Kannibalen

O Insel: faß ich dich zum ersten Mal?!
Eiland mit Fluß, mit Bergen, einem Tal
Und Wasser ringsum, Wasser ringsumher.
Mein Schritt versinkt, mein armer Schritt wird schwer,
Mein Schritt bricht noch durch Grund in lauter Wasser ein.
Wie pries ich Land: die Steppe, Wüstenein!
Ich lief und liefe. Daß die Horizonte
Sich türmten hinter mir. Ich lief durch Monde,
Durch Jahre lief ich so… Hier steh ich, Stein.
Wem eine Insel wurde, da zu sein,
Der wird nicht weit vor dem Entsetzen weichen,
Es wird zuletzt ihn irgendwo erreichen
Im schmalen Rund: Er muß benachbart stehn
Jedweder Tat. Ihr nahes Antlitz sehn.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Ein Leichnam ist ans Land gespült

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Ein Leichnam ist ans Land gespült

Ich grüßte ihn vertraut. Und seinen Namen
„Tod“ sprach ich brüderlich. Da hob er sich,
Da fing er mich am tödlicheren Hamen,
Da warf er Diesen hin, da bog er mich
An das erstarrte Herz, den Schlag zu suchen,
Schloß Mund auf Mund, ob er nicht Atem fand,
Da hieß er mich mir rasender zu fluchen…
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson ist müde

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson ist müde

Nun will ich fallen. Fallen wie ein Stein,
Den einer warf. Wollüstig sinken ein
Ins tiefe Gras. Wie in die Nacht ein Tag
Ins weite Un-Sein gleiten. Ach, ich trag
In mir Verlöschens-Sehnsucht: Wachsein war
Zehrend wie Krankheit, und es blühte schon
Zu weißen Wissens Aussatz mir im Haar.
Schlaf: spül mich dunkel-rein! Laß Robinson
Liegen in Nacht, wie Hügel ruhn, Geberde
Nur tiefern Schattens: dunkles Ding der Erde.
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Maria Luise Weissmann: Robinson | Robinson füttert sein Lamm

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Robinson füttert sein Lamm

Hier sind nicht Städte mehr, die rufen: bau!
Nicht Wein auch, der betörte: komm und schlürfe!
Kein Trug der Sehnsucht um die fremde Frau
Und keiner Tat, daß sie mein Tun bedürfe.
Hier fand sich wieder weit versprengtes Sein
Kristallen, inselhaft, ein klar Gefüge
Aus mir und mir, ersehnt. Und doch zu rein,
Daß es der Ungeweihte reinlich trüge:

Er fing ein Lamm im Weidenkäfig ein
Und pflegt es, zärtliche, geliebte Lüge.
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