Hermann von Lingg: Frühlingsmorgen

Hermann von Lingg:

Frühlingsmorgen

Tief im Winter hör‘ ich’s gerne,
Eh‘ die Sonn‘ hervorgewallt,
Wie durchs Dunkel aus der Ferne
Eine Morgenglocke schallt.

Im August, wenn Donner rollen,
Freut mich’s wie die Windfahn‘ ächzt,
Und im Herbst, wenn auf den Schollen
Abends spät ein Rabe krächzt.

Doch was kann mein Herz erweitern
Wie der erste Finkenschlag,
Wie der Lerche Lied am heitern,
Wundervollen Frühlingstag?

Ernst Moritz Arndt: Frühling im Alter

Ernst Moritz Arndt:

Frühling im Alter

Singen die Vöglein im grünen Wald,
Klingen die Bächlein bergunter,
Lockt es den Alten mit Lustgewalt,
Klopfet das Herz ihm so munter:
Denket der Wonnen verschienener Lenze,
Denket der Kränze und denket der Tänze,
Fallen auch Tränen herunter.

Singet und klinget! das Heute ist mein,
Heut will ich singen und klingen
Lustig mit spielenden Kindern feldein,
Fröhlich mit fröhlichen Dingen,
Will mir bekränzen die Locken, die greisen:
Bald muss ich hinnen und wandern und reisen,
Wo mir die Vögel nicht singen.

Franz Grillparzer: Des Winters Hauch

Franz Grillparzer:

Des Winters Hauch

Des Winters Hauch
entblättert den Strauch,
und wütende Sturmwinde heulen;
an des Hügels Hang,
wo die Lerche sonst sang,
erkrächzen nun Raben und Eulen.

Die Rose liegt
vom Frost geknickt,
und jubelnd hüllet der Winter
in raschem Flug
sein Leichentuch
um Floras blühende Kinder.

Die Schwalbe ruft
aus rauer Luft
ihr Lebewohl hernieder,
blickt noch einmal herab
auf das weite Grab
und flieht dann auf schnellem Gefieder,

und alles ist stumm
und tot ringsum,
kein Laut ertönt aus den Höhen,
nur am sumpfigen Teich,
im matten Gesträuch,
tanzt ein Chor von krächzenden Krähen.

Paul Zech: Abgeräumter Park

Paul Zech
(* 19. Februar 1881 † 7. September 1946)

Abgeräumter Park

Alle Dächer ducken sich, vor dem gestrengen Wind
und noch einmal hat die Sonne einen Regenschauer
überstanden und bestrahlt ein elendes Proletenkind
und den kranken Efeu an der Kirchhofsmauer.
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August Stramm: Gewitter

August Stramm
(* 29. Juli 1874 † 1. September 1915)

Gewitter

Schwarz fletscht in Weiß
Die blauspielfrohen Dünste starren hagelgelb.
Helle flackert
Täubt zu Boden.
Wüten
Steinigt
Schlossen!
Tottoll krallet um die Nacht.
Matt aufadert Blau das Recken
Bebet bäumet
Wuchtet
Hebt sich
Stemmt die Fäuste
Hartscharfkantig
Schellet Wolken
Hellet Ängste
Steht und streckt sich
Packt das Gurgeln
Und zerwürgt es
Nach ihm stürzend
Sich verbeißend
Kollernd rollend
In
Die
Leere!
Augen
Schleiern auf und schluchzen!
Tränen
Wellen
Lösen
Schrecken!
Lichter
Grellen
Hoch im Bogen!
Klänge
Schwingen
Freie
Starke
Sonnsiegklänge!

Spaziergang in Kiel-Gaarden Streetart

Durch Chemikalien geschädigte Vegetationsdecke in Kiel-Gaarden
Durch Chemikalien geschädigte Vegetationsdecke in Kiel-Gaarden
Auch rund sechs Wochen nach einer unsachgemäßen Graffiti-Beseitigung ist die Vegetationsdecke durch die heruntergelaufenen Chemikalien geschädigt. Mittig ist deutlich eine ehemalige Fließspur erkennbar. Der Tonklinker scheint durch die Behandlung ebenfalls stark beansprucht.

Foto-Spaziergang in zwei Straßen in Kiel-Gaarden: Streetart
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