Pressemitteilung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein
Wo Nachtjäger ungestört ruhen: Nordoe beherbergt eines der größten Fledermaus-Winterquartiere Schleswig-Holsteins
Alte Bunker, dunkle Räume und kopfüber hängende Fledermäuse: Was wie die Kulisse eines Halloween-Films klingt, ist ein neuer Rückzugsort für Fledermäuse in Nordoe bei Itzehoe. Mitten im Naturschutzgebiet „Binnendünen Nordoe“ verwandelte die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ehemalige Munitionsbunker zu einem der größten Überwinterungsstandorte für Fledermäuse im Land.
Umbau zu einem der größten Fledermaus-Quartiere
Aus zwölf alten Bunkern im Kreis Steinburg hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein neue Winterquartiere für Fledermäuse geschaffen. Dabei ist nicht jede Fledermaus gleich anspruchsvoll. Zehn Bunker bieten jetzt feuchte und frostfreie Rückzugsorte für Langohren-, Bart- und Mausohrenfledermäuse. Zwei weitere Bunker sind dagegen trockener und kühler – genau richtig für Zwerg- und Mückenfledermäuse.
Seit Ende Juli haben die Fledermaus-Retter*innen der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die ehemaligen Bunker deshalb kräftig umgekrempelt und in eine artgerechte Ruhestätte verwandelt. Sie passten die Luftfeuchtigkeit an, brachten knapp 500 Hohlblocksteine und Fledermauskästen mit Spalten und Löchern an Decken, Wänden und in ehemaligen Lüftungsschächten an. So entstanden tausende kleine Verstecke, in denen die Nachtjäger den Winter möglichst ungestört verschlafen können. Die Naturschützer*innen haben auch fledermausgerechte Einflugsöffnungen geschaffen: So kommen die Tiere hinein und potenzielle Feinde bleiben draußen. Gleichzeitig mauerte das Team andere Öffnungen der Bunker zu und sicherten die Eingänge gegen unbefugten Zutritt.
„Mit insgesamt fast 5.000 Minihöhlen bietet Nordoe nun vielfältige Überwinterungsmöglichkeiten für unterschiedliche Fledermausarten. Unsere Hoffnung ist es, dass sich dieser Standort zu einem weiteren bedeutenden Überwinterungsquartier in Schleswig-Holstein entwickelt. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Schutz und zur Förderung der stark gefährdeten, heimischen Fledermausarten“, berichtete Projektleiter Michael Ott von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.
Die Notwendigkeit von Winterquartieren
Wenn draußen Frost und Eis herrschen, brauchen Fledermäuse geschützte Orte für ihren Winterschlaf. Während der Zeit zwischen November und März sind sie auf störungsarme
Orte mit gleichbleibenden Temperaturen und einer hohen Luftfeuchtigkeit angewiesen. Geeignete natürliche Orte wie Höhlen oder Stollen sind in Schleswig-Holstein selten. Deshalb haben menschengemachte Rückzugsorte wie Keller oder Bunker eine große Bedeutung für ihren Schutz. Die neuen Fledermausquartiere in Nordoe sollen den Tieren künftig genau diesen geschützten Raum bieten.
Fakten zu heimischen Fledermäusen
Fledermäuse flattern durch die Nächte und jagen Insekten wie Mücken oder Nachtfalter. So leisten einen wichtigen Beitrag zur natürlichen Regulation von Insekten und dem Gleichgewicht des Ökosystems. Während ihres Winterschlafs leben sie hingegen auf Sparflamme: Sie senken ihre Körpertemperatur auf wenige Grad, reduzieren ihren Herzschlag und Stoffwechsel. Schon eine kurze Störung kann sie aus diesem Zustand reißen und lebenswichtige Energie kosten. Umso wichtiger sind sichere und störungsarme Winterquartiere, zu denen viele Fledermäuse ihr Leben lang und oft über Generationen hinweg zurückkehren.
Der Zugang zu den Bunkern ist nicht möglich. Das Gelände sowie die Bunker sind dauerhaft verschlossen. Im Rahmen der einmaligen Zählung ist eine Führung durch die Fledermausquartiere mit Expert*innen vorgesehen.