Ferdinand von Saar: Das Sonett

Ferdinand von Saar
(* 30. September 1833 in Wien bis † 24. Juli 1906 in Wien)

Das Sonett

Ein Labyrinth mit holdverschlung’nen Gängen
Hat dem Gedanken still sich aufgeschlossen;
Er tritt hinein – und wird sogleich umflossen
Von Glanz und Duft und zauberischen Klängen.

Hier leuchten Blumen, die auf Wiesenhängen
Des Pflückers harren, sehnsuchtsvoll entsprossen,
Dort wollen Zweige, goldschwer übergossen,
Den Wandelnden auf schmalem Pfad bedrängen.

Der aber, wird so mancher Wunsch ihm rege,
Pflückt eine Frucht nur mit zufried’ner Miene-
Doch manche Blüthe, die er trifft am Wege.

Und nun – ob er gefangen auch erschiene
Schon in des Vierreims wechselndem Gehege-:
Geleitet ihn in’s Freie die Terzine.