Maria Luise Weissmann: Robinson | Die Dämonen fassen Robinson

Maria Luise Weissmann
(* 20. August 1899 in Schweinfurt bis † 7. November 1929 in München)

Robinson

Die Dämonen fassen Robinson

Warum hab ich dies Eiland so erfahren,
Daß nichts mir fremd blieb? Ach, ein Baumgesicht,
Verhängt von feuchten, windzerfetzten Haaren,
Ich traf es einmal – fault es nun mir nicht
Zwischen den Schultern? Eine Kröte war,
Fett und gefleckt, die Schlange schlürfte sie.
Auch lag ein Glied, schamlos und offenbar,
An einem Sumpf. Ein Stein vielleicht, doch wie
Aus mir gerissen. Und ein Fluß, gespalten
Wie durch mein Herz so schmerzlich. Ach, es steht
Sie, die ich sah, Verwesung in mir auf: verhalten
Glomm Gelb in Violettem. Es verweht
Der Süd mein Hirn: Nun bin ich mir entglitten
Und weiß mein Ende nicht mehr. Was geschieht,
Geschieht in mir. Ist ich. Ich bin inmitten.

Maria Luise Weissmann: Robinson. Eine Dichtung.

(Verlinkte chronologische Liste aller Gedichte des Lyrik-Bandes)
Münchener Liebhaber-Drucke (Neue Folge). Band 2. Pasing bei München, Bachmair 1924. 23 Seiten. 150 (Gesamtauflage 180) numerierte Exemplare. Die Gedichte entstanden von 1923 bis 1924.